Das Tagebuch

25.11.19
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Einbruch ins Dresdner Schloss -
Staatsschatz des 18. Jahrhunderts gestohlen!
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Heute morgen sind unbekannte Täter ins Dresdner Stadtschloss eingebrochen und haben sich aus dem sog. Historischen Grünen Gewölbe drei Juwelengarnituren eingesackt. Wie die Generaldi­rektorin der Staatlichen Kunstsammlungen, Marion Ackermann, mitteilte, bestand die Beute aus einer Diamant-, einer Brillant- sowie einer Diamant-Rautengarnitur. „Der Materialwert ist nicht so hoch zu bewerten wie die Vollständigkeit des Ensembles", so Ackermann. Es handele sich um „einen Staatsschatz des 18. Jahrhunderts“, einen Staatsschatz, den wir der unermüdlichen Kleptomanie des Größeren Kurfürsten, hochwohlgeborenen Erbförsters & Kalauerkönigs Frie­drich August des Starken zu verdanken haben.
Falls also unsere cleveren Panzerknacker den Klunkerkram verhö­kern wollen, wird da wohl kaum was bei rumkommen. Oder wie die Ackermann es formuliert: „Die Einzigartigkeit der Schmuckstücke bringt es mit sich, dass das Diebesgut schwer zu verkaufen ist. Es ist dadurch auch dem Markt entzogen."
Für CDU-Innenminister Roland Wöller ist deswegen auch etwas völlig anderes von Belang:
„Diese Kunstschätze sind von unermesslichem Wert, weil der immaterielle Wert der Beute unschätzbar ist - für den Freistaat Sachsen, für alle Sachsen. Das war ein Anschlag auf die kulturelle Identität aller Sachsen".
Tja, so ist das nun mal, ihr lieben Sachsen, mit eurer teuren, tollen Identitäterät: Kannze dir im Endeffekt nix für kaufen! Das hat eure Innenpfeife zwar nicht damit gemeint, is aber so.

P.s.:
Wer sich wie ich unter diesem August, der berühmten Knallkanaille von Sachsen, nichts vorstellen kann, dem helfen vielleicht die fol­genden biographischen Notizen aus der sächsischen Staatskanzlei. Biddeschön, O-Ton Staatskanzlei:

»August der Starke« Friedrich August der I.
Geboren am 12.05.1670 in Dresden
Gestorben am 01.02.1733 in Warschau
Der prunkliebende Kurfürst und Kunstmäzen wird 1694 Nachfolger seines Bruders Johann Georg IV. und tritt 1697 zum Katholizismus über, um König August II. von Polen zu werden. Seine Untertanen dürfen per Dekret evangelisch bleiben. Im Bund mit Zar Peter I. und dem dänischen König löst er den Nordischen Krieg gegen Karl XII. von Schweden aus, der mit einer schweren Niederlage für Sachsen und mit dem Verlust der polnischen Königskrone endet. Er gewinnt sie mit russischer Hilfe 1709 zurück. August der Starke lässt seine Residenzen Dresden und Warschau nach französischem Vorbild ausbauen, hält Hof im Stile Ludwigs XIV. und ruiniert damit die sächsischen Finanzen. Sein Versuch, absolutistische Regierungsfor­men einzuführen, zerrüttet die innere Ordnung Sachsens noch mehr (u.a. Thorner Blutgericht). Legendär sind nicht nur seine Kraft, son­dern seine zahlreichen Mätressen, darunter Maria Aurora Gräfin von Königsmarck und Gräfin Cosel. Bei seinem Tod in Warschau hinter­lässt der Barockfürst völlig zerrüttete wirtschaftliche Verhältnisse in Sachsen.
Sein Einfluss auf die kulturelle Entwicklung Sachsens war jedoch groß. Viele Kulturdenkmäler enstanden in seinem Auftrag, so z.B. der Zwinger, die Schlösser Moritzburg und Pillnitz sowie die Parkanlage in Großsedlitz. Auf seine Anweisung wurde 1710 die Porzellanmanufaktur in Meißen gegründet; 1722 begannen die Neuorganisation und Erweiterung der Kunstsammlungen und die Vermessung der sächsischen Straßen. In dieser Zeit wurden auch die ersten Postmeilensäulen aufgestellt.“

Und wenn man dazu noch berücksichtigt, dass diese Bio-Notizen, in der sächsischen Staatskanzlei zusammengestrickt , allemal und allesamt wie üblich noch schwer rosagefärbt sind, und alle Sacksen und Säcksinnen sich daraus ne passende Identitäterä basteln sollen …
Aber wat sollet. Ich werde in diesem Leben eh nicht mehr meine Füße auf säcksischen Boden ... ach,äh, wie is das eigentlich, wenn man von Köln nach Berlin, äh, kommt man da eigentlich durch, ich glaub, ich nehm nächstes Mal sicherheitshalber den Flieger ...

p.s.:
Im Übrigen und sowieso: Mit welchem wie auch immer produziertem Diamanten-Gedrisse sich diese Kur-, Erz- und Sonstwas-Fürsten Tag und Nacht behängt haben, ist mir so unbeschreiblich scheißegal ... ich könnt's nicht mal in Worte fassen. Und ... und lebte ich in Sachsen, wäre mir das doppelt scheißegal. Von wegen Identitäterätätät.
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