Das Tagebuch

24.6.24
Die zweite Front
Der CSU-Landesgruppenchef Dobrindt droht Exil-Ukrainern, die nicht arbeiten wollen, das Bürgergeld zu streichen. Ich mein, das hätt ich auch schon mal gehört, Dobrindt:
„Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen.“
Aber soweit ich mich erinnern kann, war das immer schon so ne Hackfresse. Dass der sich zwischenzeitlich irgendwie geändert hätt, halt ich fürn Gerücht. Wär mir auf jeden Fall auch bekannt.
23.6.24
Schweiz : Deutschland
1:1
P.s.:
Und die Schweizer können ja richtig gut Fussball! Aber wo lernen die Schweizer eigentlich Fussball? Bei denen geht doch alles überall immer nur rauf und runter?
21.6.24
„Wann wird es endlich wieder Sommer?“ (Rudi Carell)
Heute. Heute ist Sommeranfang!
Da wollen wir zur Feier des Tages einmal neugierig sein und re­cherchieren, was an so einem stinknormalen Tag generell weltweit und national für wichtig erachtet wird.
Zunächst mal hätt’ ich da anzubieten den „Internationalen Tag der selbstgemachten Musik“. Gut, ja, selbstgemachte Musik. Aber, Kinners, tut mir den Gefallen und lasst dies Mal wenigstens die vermaledeiten Blockflöten zuhaus.
Zweitens – Achtung! Jetzt wird’s politisch: „Internationaler Yoga-Tag“. Mega-beinharte Jungs un Mädels! Versuchen an diesem Tag immer wieder mit Yoga auch gegen Krieg, Tiermissbrauch und Heu­schnupfen anzustinken. Was dabei jedoch nachvollziehbar auf der Strecke blieb, war bisher jeglicher Erfolg.
Drittens auf der Liste: der „Internationale Humanisten-Tag“. Und bei denen - das muss ich sagen - steht in der Vereinssatzung bereits an erster Stelle, dass man sich Wünsche wie z.B. Erfolg direkt vonner Backe putzen sollte.
Un nu wird’s national!
Österreich, die Schweiz und Deutschland begehen - jedoch jeder für sich - den „Tag des Sonnenschutzes“. Wie man allerdings auf die Idee kommen kann, gerade in Zeiten des Klimawandels ausgerech­net auch noch die Sonne schützen zu wollen, ist mir ein Rätsel.
Weiter:
Für Grönland und Dänemark ist heute "Nationalfeiertag". Ein Tag beide zusammen. Is ja auch ein Land. Bisher. Gewesen.
Und hier bei uns in Deutschland gibt’s heute den „Aktionstag des Schlafes“. Hört sich beim ersten Hören nach hartem Paradoxon an. Is auch egal. Und sehr aktive Mitglieder setzen sich schon seit ge­raumer Zeit für eine Verlängerung ein von bis zu einer Woche bzw. einen ganzen Monat (ähnlich dem ääh, dem ähmmmm wie hieß noch mal diese Fastenzeit bei diesen anderen Phantasten ... ach ja, Ramadan).
Und ich weiß mal wieder nicht, wo ich mit machen soll. Meine Frau, die, wenn ich ihr so was vorlese, nie so ganz genau zuhört, meinte jedenfalls:
„Mit deinem Bauch kannste ruhig mal beim Ramadan mitmachen. Schaden tät’s jedenfalls nicht. Und die Ramadaner und Ramadaner­innen kennen dich ja auch gar nicht.“
20.6.24
Wie geht’s weiter? Oder wo?
Oder wann und überhaupt: wieso?
Man kann getrost davon ausgehen, so glaube ich jedenfalls, dass, wenn weiter von den Grünen nichts Sinnvolles an die Öffentlichkeit gelangt, und wenn dann noch die interessante Selbstkritik von Robert Habeck, „die Welt nicht mehr verstehen zu können“, (wobei er damit nur das Europa-Wahlergebnis meinte), sich zur allgemeinen menta
len Grundausstattung der Grünen mausert, diese Sicht der Dinge dann spätestens angesichts der Ergebnisse der nächsten Bundes­tagswahl sich offensichtlich obendrein auch noch auf alle anderen übertragen hat, wenn also mit absoluter Mehrheit Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus, alles für Deutschland, null für die Umwelt und nach uns die Sintflut in welchem Ausmaß auch immer inklusive entsprechend unangenehmes Personal dann mehrheitlich in den Bundestag rein­gewählt worden sein wird ...
… spätstens dann wissen wir doch, woran wir sind, Herr Habeck – und können sie auch wieder verstehen, die Welt mein ich, oder nich?
19.6.24
Fußball ...
... war gestern!
Nee, umgekehrt:
Gestern war Fußball.
18.6.24
The day after
Hach! Das passt ja wieder wie die Faust aufs Auge:
Heute ist der „Internationale Tag für die Bekämpfung von Hetze“!
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Nachdem Neil Young zusammen mit Crosby, Stills und Nash noch einmal ihre alte „Déjà vu“-Platte für eine teilweise Neuauflage aus den verstaubten Archiven rausgekramt hatte, um voll Optimismus der „Let’s impeach the President“-Kampagne gegen Bush jun. mit einer Tournee den Rücken zu stärken, hatten die alten Polit-Hasen wahr­lich nicht damit gerechnet, dass sich in ihrer Fan-Gemeinde inzwi­schen ein solch reaktionärer Scheiss­haufen breit gemacht hatte, dass nach der Pause nur noch der harte Kern auf die Plätze zurück­kehrte. Der unter Protest-Getöse sich verdünnisierte Scheißhaufen hatte die Halle verlassen und war nach hause in die Heimat zurück­getrottelt, während man hier in der alten Welt nur mit den Achseln zuckte und dachte:
„Typisch Amerika!
Bei uns wär so was
ja undenkbar!“

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Vor ein paar Tagen nun war der britische Rocksänger Rod Stewart zu Gast in Leipzig. Rod Stewart, der im Laufe seiner ebenfalls langen Karriere sich bewusst nicht irgendwelcher politischen Einmischungen schuldig gemacht hat, der als „Konsenskünstler“ (Christian Bos im 'Köl­ner Stadtanzeiger') immer eher den schweigenden Philosophen gab, hat sich in Leipzig zwischen zwei Songs ausnahmsweise zu einem Soli­daritätskommentar für die Ukraine durchgerungen, und bevor er „Rhythm of my heart“ anstimmte, rief er noch „Fuck Putin!“ ins Mikro und bekam stante pede von den Leipzigern „Solidaritäts- und Demo­kratieprofis“ die Quittung in Form eines Buh-und Shit- und Pfeifkonzerts, dass ihm kurzfristig Hören, Sehen und Singen verging.

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Mittlerweile habe ich mir abgewöhnt, bei Ereignissen, wo maßgeblich die Ossis ihre Flossen mit im Spiel hatten, noch nach Erklärungen zu suchen. Und, ihr lieben Leute, nach über 30 Jahren Erfahrung mit euch wird man hier ja wohl noch dichten dürfen:

Schade um die schöne Gegend

Von Dömitz anner Elbe
bis Frankfurt anner Oder,
von Zingst anner Ostsee
bis Zwickau anner Zwicke,
macht doch euren Dreck
alleene weg.

Und beim Mauerwieder­aufbau
bin ich auch wieder da
und helf’ euch sogar,
wenn's unbedingt sein muss,
auch gerne noch n Stückchen weiter.
(Und 'nen passenden Namen für
das Bauwerk hätt' ich auch schon.)
((Niemand hat die Absicht))
17.6.24
17. Juni (ehem. Feiertag)
17. Juni … Moment, 17. Juni kommt mir irgendwie bekannt vor. Da war doch irgendwas gewesen ... Was war da noch mal gewesen? ... ah, Bundesgarten-Schau? Nein, aber so ähnlich ... Ah, ich hab’s! „Tag der blühenden Landschaften“! Oder so ähnlich.
16.6.24
Künstliche Intelligenzen beim Intelligenzgipfel in Bari
Der diesjährige G7-Gipfel im süditalienischen Bari, bei dem als Schwerpunkt auch die Künstliche Intelligenz dran glauben und kritisch behandelt werden sollte, bekam vorgestern überraschenden hohen Besuch von einer außer­irdischen Intelligenz, von Papst Fran­ziskus dem äh Ersten. Als dann der Franz seinen außerirdischen Senf dazu gequatscht hatte, hatte man eigentlich keine rechte Lust mehr, das Thema noch toter zu reiten, und ging zum gemütlichen Teil des Abends über.
15.6.24
„Sänger“
Auf der ‚Panoramaseite‘, der Seite für Krimskrams, Dies und Das und links & rechts und Ex & hopp und Quatsch mit Soße, meldet unser ‚Kölner Stadtanzeiger‘ unter der Über­schrift „Sänger“:
„Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen Xavier Naidoo Anklage wegen Volksverhetzung erhoben.“
Konkret wird dem singenden Mega-Spinner die xte Holocaustver­leugnung vorgeworfen nebst per­manenter viraler Verbreitung von Antisemitismus. Den Holocaust ver­leugnet zu haben, wird der liebe Xavier natürlich wieder leugnen. Denn das gehört zum traditionellen Prozedere dieses rechtsradikalen Provokationstheaters. Und der liebe Xavier ist ja nicht total verblödet. Der weiß nur zu ge­nau, dass kein anderes Ereignis der Weltgeschichte so genau und akribisch in allen Einzelheiten dokumentiert worden ist wie der Holocaust. Deshalb kommt uns unser bestsellernde Dunkelmann auch nicht mit irgendwelchen Pseudo-Beweisen, sondern runt und raunt, orakelt, munkelt und karbunkelt sich unfassbar durchs gesam­te Sortiment aller handelsüblichen Ver­schwörungsgeschichten, die man als pro­fessioneller Antisemit halt eben so auf Lager hat, und die auch nach dem tausendsten Prozess dieser Art, als Volksmeinung quasi leit­kulturell geadelt, lustig wei­ter erzählt werden können, weil die Rede-, Meinungs- und Gesangsfrei­heit hier aus guten Gründen sehr hoch gehängt wurden.
Und weil auch dieser Prozess enden wird wie alle vergleichbaren Hornberger Schiessübungen, bleibt nur eine dämliche Frage am Ende noch offen:
„Werter Stadtanzeiger, warum müssen Sie eigentlich jeden Furz von diesem antisemitischen Knallfrosch … oder anders gefragt: Kann es villeicht sogar sein, dass ...“
Egal, die Frage kann man sich glaub ich allmählich auch selbst be­antworten...