Das Tagebuch

20.10.20
Du meine Güte!
Politologe Herfried Münkler im 'Spiegel'-Gespräch über den Zustand der Welt:
"Die Weltordnung steht auf der Kippe"
Is dat denn fürn Politologe? Und - wat für 'ne Weltordnung? Und auf welcher Kippe?
19.10.20
Noch 2 Wochen
Biden über Trump:
"Wie mein Großvater sagen würde: 'Der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank'."
18.10.20
Es geht wieder los
dpa meldet:
"Hamsterkäufe jetzt auch in Zoohandlungen"
Ich versteh's nicht. Was is denn an Hamstern so dran?
Wie auch immer: Die Bundesregierung gibt jedenfalls zumindest eine Klopapier-Garantie. Auf 'Bild'-Anfrage verlautbart der Bundesscheisshausminister Andreas Scheuer: "Ja."
17.10.20
Der schon wieder
Die Redaktion des ‚Kölner Kirchenanz...äh, Stadtanzeigers‘ hat sich was überlegt und „in Zeiten von Corona“, ein Ausdruck, den ich auch nicht mehr hören kann, seinen Leser*Innen und Leser*Innen in einem Extra-Dossier genau „10 Gründe, optimistisch zu bleiben“ aufgetischt.
Was mich nur verwundert hat: Beten war nicht dabei.
15.10.20
Heimatkunde -
heute: Essen
Die Stadt Essen hat auf ihrer Internet-Seite ein Online-Formular gesetzt, mit dessen Hilfe jeder Bürger der Stadt „Verstöße gegen Corona-Regeln melden“ kann. Ort, Datum, Uhrzeit und Art des Verstoßes sind anzugeben. Schön wäre auch ein Foto. Und: Die Angaben zur eigenen Person sind freiwillig.
Das hamse aber fein gemacht, Herr Stadtdirektor Renzel!
Guten Morgen und Heil Hitler!
14.10.20
Falls Sie unbedingt irgendwo mitreden wollen
Mein Büchertipp des Monats:
„Lebenswerk“, Autobiographie von Alice Schwarzer
Nee, war ‘n Scherz! Aber können se ruhig lesen. Auch eitler Schrott bildet. Doch bevor Sie sich den antun, besorgen Sie sich das leider, leider vergriffene, hochinformative, reizvolle Bändchen von Kay Sokolowsky aus der Edition Tiamat
„Who the fuck is Alice? - Was man wissen muß, um Alice Schwarzer vergessen zu können“
Im Normalfall reicht das dann auch.
13.10.20
Bad in der Menge
Trump bei seinem 1. Auftritt nach seiner „Genesung“:
„Ich werde euch allen einen dicken, fetten Kuss geben!“
Mein Gott, ist das ekelhaft! Allein schon die Vorstellung!
12.10.20
Gott behüte!
Und es sprach im US-Senat bei der Anhörung für die Berufung zur lebenlangen Verfassungsrichterin die junge, hübsche, fesche, intelligente, hübsche, junge, fesche … hammer noch was? … ja, erzreaktionäre, abergläubische, schwerreligiöse, irrationale Kampfmaschine Amy Coney Barrett, Trumps Rache an der Welt von morgen, und sie sprach:
„Ich glaube an die Macht des Gebetes.“
Man sieht: Die Emanzipation der Frau kann auch schon mal jung, hübsch und fesch nach hinten losgehen.
11.10.20
Kasper, Melchior, Hoppsassa
Rassismus im Christentum! Wo gibt‘s denn so was?!
Über, unter oder besser durch Ulm, einem beschaulichen Hinterpo­semuckeldörflein hart am Rande des Baden-Württembergischen, mit dem der Rest der Welt bisher, wenn‘s hochkommt, höchstens den beliebten Zungenverhaspeler „In Ulm, um Ulm und um Ulm herum“ verbunden hatte, war wohl vor einigen Monden ein mächtiger Hauch der Postpostpostmoderne geweht und hatte in der evangelischen Gemeinde mit dem Furor protestantischer Bilderstürmerei mächtig für Unruhe gesorgt.
Schuld, Dreh- und Angelpunkt war ein kunsthandwerkliches Detail der weihnachtlichen Krippenfiguren-Community in Gestalt unseres afrikanischen Mitbürgers König Melchior, auch bekannt als einer der drei Weisen aus dem Morgenlande, welcher vom Künstler, der kolo­nialen Tradition treuen Herzens verpflichtet, genau so zusammen­gezimmert worden war, wie sich der Otto-Normal-Europäer bis zum heutigen Tage einen echten Bimbo nur vorstellen kann, eben zu sein hat, nämlich rabenschwarz, mit wulstigen Lippen, Knubbelnase und abgenagten Knochen in der Haarkrause, nee, pardon, mit güldenem Armreif als Zeichen seiner neureichen Stammesposition im heimat­lichen Kral oder so.
Ergebnis des eifrigen, evangelisch-demokratischen Weltverbesse­rungs-Diskurses war dann aber nicht die Frage: Kommt das schwarze Püppchen jetzt ins völkische Museum für angewandten Rassismus? Oder wird das Corpus delicti einfach ersetzt durch einen grünen oder violetten oder sonstwie gefärbten weisen, sternekundigen Oberhäuptling aus den Weiten der Serengeti?
Nein, die Antwort hieß ganz traditionell: Der Neger muss weg. Schlicht und ergreifend weg. Und so wurde er dann auch nach abendländischer Sitte wieder entsorgt. Der Mohr hatte damit noch ein letztes Mal seine Schuldigkeit getan. Der Mohr konnte gehen.
Fazit:
Die Ulmer Christengemeinde wird mit ihrem unverstandenen, kurzen Anflug von kritischer Vernunft selber klar kommen müssen. Für mich als Bewohner des nicht minder apokryphen Haufendorfes Colonia aber stellt sich unerwartet ein neues Problem: Was ist jetzt mit den heiligen Gebeinen der heiligen drei Könige, die seit ihrer Wanderschaft durch die Abendlande bekanntlich in der heiligen Gruft des Domes zu Kölle vor sich hin gammeln? Wer war denn dann da der dritte Mann?