Das Tagebuch

23.7.21
Systemrelevante Dauerbelästigung aus Funk und Fääärrnseeeeen
Sonnenstrahlen durchbrechen märchenhaft die Baumkronen und ver­breiten in der heimeligen Waldlichtung eine verwunschene Oberkitschatmosphäre. Ein Klavier klimpert aus dem Off harmoni­sche Weisen, eine Hand streichelt sanft über saftig weiches Moos und ein bunter Tagfalter flattert - erkennbar etwas übertrieben ungeschickt in die Szene reindigitalisiert - lustig im Schaukelfluge ein plätscherndes Bächlein entlang ins Irgendwo dahin. Und eine rauchige, auf notgeil-naiv getrimmte junge Frauenstimme haucht uns die passende Reklame­kitschprosa Güteklasse A in die allseits offenen Ohren:
„Vilsa,
das Biomineralwasser ist jetzt auch klimapositiv
Weil wir der Natur mehr zurückgeben
als wir von ihr geschenkt bekommen
Spür die Natur
Vilsa klimapositiv
Deine Luft ist mein Atem
Deine Sonne ist meine Wärme
Dein Wind ist mein Antrieb
Dein Boden ist mein Weg
Spür die Natur
Vilsa, das reine Wunder der Natur“

Nur „Kijimea Reizdarm PRO“ mit seinen unerträglichen „Kijimea Reizdarm PRO“-Schauspielern und ihren Furzproblemen und der Trigema-Klamotten-Fritze mit seinem Affen und der deutschnatio­nalen Voll­schramme gingen mir in letzter Zeit mehr auf die Eier.
(So, das hätten wa auch abgehandelt.)
22.7.21
Das Gute an Arminius Lalaschet
Ganz kurz:
Das Gute an Arminius Lalaschet ist, dass er nich so ein guter Staats­schauspieler ist wie der Gummistiefelwahlkampf-Erfinder Gerhard Schröder. Wenn Lalaschet jetzt bei einer Rede in den Trümmern des Jahrhun­dert­unwetters vor der gebeutelten Bevölkerung urplötzlich grün anläuft und eigenhändig einen neuen Garten Eden herbeibeten will, ahnt ja jede Taube mitm Krückstock, wie es um das Innenleben seiner Braunkohlenrübe bestellt ist und wie groß das Loch da drin schon sein muss.
Mein Vater hat immer gesagt:
„Wieso Tempo 130? Wenn ich mit 180 über die A3 fahre, bin ich doch viel schneller an den Bäumen vorbei. Is doch viel besser so.“
Und genau so 'n feiner Meisterdenker ist der Lalaschet. Ich geb's Ihnen auch gerne schriftlich.
21.7.21
Muss auch mal sein!
Da düsen 3 intercontinental komplett überflüssige Milliardäre als Touris für 10 Minuten und nix und wieder nix ins Weltall, und, anstatt weiter zu brettern to the dark side of the moon oder wie der Franzose zu sagen pflegt jusqu‘au cul du monde, wohin sie schon immer gehörten, schiffen sie mit steifem Mast zurück ins trau­rige Elend "Mutter Erde" und werden von der nicht min­der geistig minder bemittelten Welt­presse als Weltenretter vergöttert und bejubelt als Visionäre eines zukünftigen friedli­chen, paradiesi­schen Lillyfee-Universums.
Eine angenehme Ausnahme in diesem anscheinend endlosen Meer aus Dummheit, Dünkel, Dämlichkeit und Dreck erscheinen da die aus der Reihe tanzenden kritischen Worte von Frau Anna Schughart im ‚Kölner Stadtan­zeiger‘ von heute. Hätte man - wie man so sagt - unserem rheinischen Blättschen in diesen doch arg aus den Fugen geratenen Zeitläuften gar nich mehr zugetraut. Deshalb vielen Dank noch­mals! Weil - wie oben schon erwähnt: Muss auch mal sein.
Ich selber hätte allerdings nicht so ein Aufhebens drum gemacht, sondern der Redaktion als Kommentarangebot vielleicht eher ein leeres, weißes Blatt Papier, 7 x 10 cm groß, mit 3 winzigen, ver­streuten, einem original Fliegenschiss nicht unähnlichen Pünktchen, abgeliefert, und statt einer Ansammlung ausgesucht wohl­feiler Wörter nur versehen mit der Fußnote
„3 singuläre Ego-Arschlöcher auf ihrem Weg ins ewige Nichts“
Aber auch das wär mir, wo ich's jetzt grad getippt vor mir sehe, dann schon wieder fast zu viel gewesen.
Ach, is sowieso schnurzi-schnuppi.
20.7.21
Merkel in Bad Münstereifel
Mein Gott! Bei dem, was nach der kommen wird ... da übermannen mich alten liberalen Linksradikalen aber jetzt schon die nostalgi­schen Gefühle.
19.7.21
„Neues ZDF-‘heute‘-Studio enttäuscht die Zuschauer“
„Das Zweite Deutsche Fernsehen hat allen seinen Nachrichten­sendungen“, wie t-online berichtet, „einen neuen Look verpasst.“
Einen neuen Look! Vastehen se? Einen neuen Look. Was immer das auch sein soll. Ein Look. 10 Jahre lang haben die sog. „Designer“ vom ZDF an diesem post-urbanen, neuen looki-lucky-looki-Look herumdesignert und sich blöd gebra­selt, und nun stellt sich nach den ersten Sendungen raus, dass aber die meisten ZDF-Konsum­enten den neuen Looki-lucky-looki-Look auf gut Deutsch scheiße finden. Zumindest ist wohl die Mehrheit total enttäuscht. Über diesen neuen Look.
Aber ich bin es auch. Ich bin total enttäuscht über den neuen Look. Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie enttäuscht ich bin. Der neue Look ist für mich die totale Enttäuschung. Ich bin in meinem Leben noch nie so enttäuscht worden wie von diesem neuen Look. Das ist für mich auch kein neuer Look! Das ist vielmehr eine Riesenenttäu­schung. Dieser Look. Und ich kenne noch so einige, die sagen auch: Der neue looki-Look? Was soll denn da an dem neuen looki-Look jetzt so besonders neu sein? Ich kann Ihnen sagen, was an dem neuen Dingsda looki-Look angeblich so neu sein soll! Nämlich gar nix! So ist das! Sie, die hohen Herren von dem ZDF, die wollen das wahr­schein­lich nicht gern hören, dass wir alle so enttäuscht sind von dem neuen Look. Aber ... aber ...aber das wird man in diesem Lande ja wohl noch sagen dürfen!
18.7.21
Zapp-zapp und weg
‚web.de‘, das interessante Internetorgan für den wirklich aller­letzten Scheiß, berichtet:
„Dem ARD-Nachrichtersprecher Jens Riewa passierte während einer Live-Sendung ein peinlicher Fauxpas. Er verwechselte Kanzlerkandi­dat Armin Laschet mehrfach mit der Flutkatastrophe namens ‚Bernd‘.“
Geht mir am Arsch vorbei. Wegen mir kann der den auch ‚Bernd, das Brot‘ nennen.
17.7.21
Und noch ‘ne interessante Entschuldigung ist zu vermelden
Du kriegst von ihm alles, was du willst, nur keinen graden Satz ohne Hintertürchen,
kein Wort ohne doppelten Boden,
keine Rede ohne Ausrede
keine Regel ohne Rumgeeier,
keine Wahrheit ohne Lüge,
keine Legende ohne Zweifel,
keine Äußerung ohne Zweideutigkeit,
keine Ambivalenz ohne Dreideutigkeit,
kein Sommer ohne Hoch,
kein Arsch ohne Loch
und kein Versprechen ohne 120prozentige Sicherung durch die „letzte Instanz“...
(Ahnen Se schon, um wen sich's dreht?)
Keine Tickets ohne Rückfahrschein,
keine Bindung ohne Netz,
keinen Eidschwur ohne Heucheln,
keine Richtschnur ohne Hampeln,
kein Einerseits ohn‘ Andrerseits,
kein Wenn ohne Aber,
kein X ohne U,
keinen Tipp ohne Gewähr,
kein Hin ohne Her,
keine Bücher ohne sieben Siegel,
keinen Hasen ohne Igel,
kein Hüh ohne Hott und keine Litanei ohne Gott.
Und vor allem keine Entschuldigung im „Oscar“-reifen Mea-culpa-Ton jemals never ever ohne Mikrophon.

Und es begab sich gestern in seinem Münchener Jammertal Gar­ching an der Alz, dass es dem Erzbischof von München & Freising, Kardinal Reinhard Marx, beim Lustwandeln im dortigen Gelände plötzlich überkam, sich mal eben mit entsprechender Medienbe­gleitung für 1000mal durchgekaute, längst verjährte Fälle von Missbrauch bei seiner Gemeinde wortreich & theatralisch zähne­knirschend zu entschuldigen und sog. Fehler einzuräumen:
„Dass ein Pfarrer, der des Missbrauchs überführt war, bei Ihnen eingesetzt war, ist eine Katastrophe und ich entschuldige mich.“ (Jaja ja, da gab‘s wohl mal einen. Aber was war denn da noch mal genau passiert?)
„Das System Kirche hat versagt.“ (Echt? Interessant! Es gab keinen Täter und es war nicht das System. Das System hatte nur versagt!)
„Es ist ein Versagen der Institution, für die ich um Entschuldigung bitte.“ (Jaja, is ja jut. Nur auf dieses ominöse Versagen darf ich doch später noch rekurrieren, oder?)
„Auch persönlich bitte ich um Entschuldigung; denn auch nach 2010 hätte vieles besser laufen können.“ (Ach ja? Hätte, hätte, Pfarrer­kette oder wie?)
„Wir haben wahrscheinlich etwas unterschätzt, was an Spannungen und Verwundung und Verletzungen da ist.“ (Ja, wahrscheinlich.)
„Ich weiß inzwischen, dass Aufarbeitung eine lange Geschichte ist und viele das unterschät­zen.“ (Obwohl wir sie ja ansonsten immer sehr schätzen, die langen Geschichten. Aber egal.)
„Ich habe jetzt keinen konkreten Punkt, wo ich sage, da habe ich jetzt was vertuscht.“ (Nee, is klar.)
„Aber ich kann doch von mir nicht behaupten, ich hätte immer alles ganz genau gewusst.“ (Nee, kannste auch nich.)
„Manchmal habe ich womöglich nicht genau genug hingeschaut. Hätte ich mich nicht anstrengen müssen, mehr zu wissen?“
(Ja, kann sein. Kann alles sein. Is mir aber auch völlig schnuppe.)

Kein Tag ohne Friede,
keine Nacht ohne Freude,
kein Morgen ohne Eierkuchen,
keine Minute ohne Schuld,
keine Woche ohne Brüderlichkeit,
keinen Monat ohne Verlogenheit
und keinen einzigen Moment im Leben ohne Gott,
den allmäch­tigen Vater, die heilige Auto-Absolution!

Wie gesagt, ich wollte ja nur noch mal auf das Wort 'Versagen' zurückkommen, Monsignore Exzellenz. Also once more Versagen:
Versagen setzt doch voraus, dass man etwaiges Versagen immer antizipieren kann und muss, also zumindest theoretisch in Betracht zu ziehen hat. Wenn aber der Missbrauch jahrzehntelang gar nicht als solcher erachtet, sondern als völlig normal betrachtet wird wie auch seine Vertuschung, dann wäre das Versagen doch auch kein Versagen mehr- könnense mir noch folgen, Käpt'n Iglu? - sondern schlicht und ergreifend und selbst nach den logischen Gesetzen der toten Gehirnmasse von Bruder Woelki ein Verbrechen, oder was meinen Euer Hochwohlwiedergeboren?
Ach, und eine klitzekleine kurze Zusatzfrage sei mir armen sündigen Erdling noch gestattet:
Wenn das Wort 'Versagen' also schon auf Vertuschung hinausläuft, verbleibt der Begriff 'System' doch zugegebenermaßen korrekt. Jetzt ist aber dieses System etwas älter als die ewig angeführten paar Jahrzehnte von 1950 bis ‘80. Daher meine Frage: Wer über­nimmt eigentlich die Entschuldigung für all die „Fälle“ aus der Zeit – sagenwamal und wollnja nicht dabei allzu ungerecht erscheinen – pi mal Daumen von ca. 315/317 an bis 1950, Herr Marx?
Wie, der liebe Gott?! Ach, der liebe Gott!!! Den hatt‘ ich ja völlig vergessen! Na, Sie sind mir aber auch ein Schlawiner, Sie päpstli­cher Ehrenkaplan, Sie!
16.7.21
Sternstunde der Demokraten
(Der kleine Besinnungsaufsatz für zwischendurch)
Einleitung:
Es ist grade mal 2 Wochen her, als der grüne Prophet Oliver Krischer im Bundestag angesichts der kanadischen Klimatoten verkündete: „Diese Laschet-Politik kostet überall auf der Welt Menschen das Leben.“ Doch das Protokoll vermerkte nur Achselzucken, Empörung und Achselzucken.
Dann aber kam das „Jahrhunderthochwasser mit seinem tödlichen Starkregen, unübersehbaren Verwüstungen und bis dato 156 Toten“ über Nordrhein-Westfalen und andere Teile der Republik, und der ‚Spiegel‘ prophezeite: „Der Kampf gegen die Fluten verändert die deutsche Politik.“
So, so. So falsch der Satz „Wer nix wird, wird Wirt“ auch ist, so richtig aber deucht mich der „Wer das glaubt, wird Journalist.“

Hauptteil:
Bevor sich in diesem Lande irgenetwas verändert, hat die Politik allemal noch das Theater gesetzt. Und so pilgerte Kanzlerkandidus Arminius Lalaschet ratzfatz mit seiner Entourage und dem allzeit bereiten Grabredner Frank-Walter Sparbier, äh, Steinmeier im Ge­päck nach Erftstadt, in die kleine, ehemals gemütliche Voreifelstadt Erftstadt an der Erft, in der sich seit der Steinzeit kaum etwas be­wegt hatte, um dem von der Hochwasserkatastrophe arg gebeutel­ten Publikum eine spritzige Neuauflage des berühmten Trauerspiels „Der Gummistiefelwahlkampf“ zu geben.
Doch inhaltlich gab das Stück nicht viel her. Und Neues schon mal gar nicht. Mit Ausnahme einer Szene. Mitten im Prolog, als unser aller furchtlose Obertrauerkloß und beliebte Kranzabwerfer Frank-Walter in seiner Funktion als hauptamtliche Tränendrüse sich grade so gut es ging in Rage redete mit gut abgehangenen Klassikern wie „Die Tragödie macht mich fassungslos. Meine tiefe Anteilnahme gilt den Angehörigen der Verstorbenen. Ihr Schicksal trifft mich ins Herz. Klimawandel … Wetterlagen … zu gegebener Zeit … sieht sich die Politik“ und dergleichen mehr, da, während dieser kurzweiligen Rede war dem Herrn Lalaschet, der für jedermann sichtbar mit sei­nem Gefolge im Bühnenhintergrund hinpostiert aufs eigene Solo war­tete, wohl irgendein alter Witz durch die Rübe gerauscht. Jedenfalls verfeixte man sich nach Art des Hauses die tote Zeit, in der ihr Steinmeier da rumeierte, als sei man zuhause oder zu Gast bei der humorfreien Ordens­verleihung wider den tierischen Ernst – und damit in der Tat ganz bei sich selbst.

Schluss:
Am Ende des Tages twitterte Arminius Lalaschet in den Shitstorm:
„Ich danke dem Bundespräsidenten für seinen Besuch. Uns liegt das Schicksal der Betroffenen am Herzen, von dem wir in vielen Gesprä­chen gehört haben. Umso mehr bedauere ich den Eindruck, der durch eine Gesprächssituation entstanden ist. Dies war unpassend und es tut mir leid.“
Und auch diese Zeilen wird ihm wohl irgend so 'n Ghostwriter auf 'nen Schmierzettel gepinnt haben. Und äußerst betrüblich finde ich, dass wir nie die lustige Geschichte erfahren werden, über die sie sich so herzlich zu Tode amüsierten.
15.7.21
Gute Nachrichten vom Beelzebub
Die Kirchen spüren wieder Oberwasser, heisst es. Und frohlockend schallt es von den Kirchtürmen allerorten:
„2020 haben deutlich weniger Menschen die Kirche verlassen als 2019!“
Ich aber sage euch: Freut euch nicht zu früh! Denn die Fachexper­ten des Teufels halten das mitnichten für eine Trendwende. Weil die Menschen nun mal faul wie die Sünde sind oder so ver­gesslich oder wegen Corona oder Hochwasser zurzeit andere Sorgen umtreiben, haben sie ihren geplanten Kirchenaustritt nur etwas auf die lange Bank geschoben. Die langfristige Tendenz heißt für euch, werte Brüder und Schwestern, noch allemale:
„Land unter! Fürchtet euch und packt eure sieben Sachen!“
Und lasst es euch prophezeit und in Stein gemeißelt sein von mir, dem Regierungssprecher und Spiritus Rector der obersten Ausgeburt der Hölle.“
P.s.:
Das Wort zum Sonntag sprach diesmal ausser der Reihe quasi der Herr Beelzebub persönlich
(Jaja, gern geschehen. Nichts zu danken.)