Das Tagebuch

24.1.20
Von Katzen und Mäusen
Nach dem Willen der Deutschen Bank soll Sigmar Gabriel Mitglied in ihrem Aufsichtsrat werden, um ihr als einer der Kontrolleure ihrer Tä­tigkeiten zu dienen. In internationalen Expertenkreisen des unterirdi­schen Finanzgaunertums gilt der gläubige Erzengel Siggi-Pop Ga­briel als optimaler Schachzug. Denn dem doch eher säkularen und charakterlosen Betrieb würde ein wenig sozialdemokratische Reli­giösität gut zu Gesichte stehen. Und als gelernter Blowjobber gehört er nun mal zu den ersten und besten, die diese Partei anzubieten hätte. Außerdem kann man das alles – glaub' ich auch - bequem auch von Zuhause aus erledigen.
23.1.20
Guten Tag, Peter Wohlleben!
Nach ich-weiß-nicht-wieviel Millionen Exemplaren von Ihren ausge­plauderten Baumgeheimnissen müssen wir uns ab heute also auch noch ihren Waldmovie reinpfeifen? Is das Ihr Ernst? Wohin man oder auch wegguckt, Wohlleben is everywhere! Mein Gott, und ich hatte gedacht, der Kelch würde an mir vorübergehen …
Okay. Wir machen's aber kurz und schmerzlos, ja?
Finden Sie nicht auch, dass Sie in letzter Zeit ein wenig übergewich­tig geworden sind? Zuviel Wohlleben ist nicht gut. So was kann auch flotti nach hinten losgehen, lieber Wohlleben! In dem Sinne nämlich, Master Wohlleben, dass die Leute Ihrer und Ihrer Waldschraterei ganz simply und ratzfatz und unwiderruflich vollkommen überdrüssig werden! Überdrüssig, verstehense, lieber Wohlleben? Dass die also von Ihrem unaufhör­lichen Geraune und Gerunzel, wie toll und liebe­voll es unter den lieben Bäumen in Ihrem Märchenwald so zugönge, so fürsorglich, so karitativ, ja, so menschelich, die Nase voll haben! So was geht heutzutage schneller, als Ihr Vorstellungsvermögen es Ihnen erlaubt! Ja, ja.
Gut, Hitler und diese Nazis alle, was die mit dem schönen Wald ge­macht haben, war natürlich oberschlimm, ach was red ich: megaoberschlimm. Aber Sie sind auch … schlimm.
Schönen Tach noch.
22.1.20
Der Stadtanzeiger geht ans Eingemachte
Überschrift des letzten Artikels im Politikteil:
„Eine Milliardärin gerät in Erklärungsnot -
Isabel dos Santos, die reichste Frau Afrikas, hat ihr Vermögen wohl durch illegale Tricks erworben“
So, so. Is ja interessant. Demnach ist es also normalerweise im Re­gelfall üblicherseits und traditionell so, dass der normale Milliardär, und sei er auch der reichste Milliardär von sonstwat, sich seine Moneten beispielhaft immer nur mit ehrlicher Arbeit zusammen äh.. verdient, und nicht - wie die Gerüchte- und Verleumdungsküche zu verbreiten pflegt – im Schlafe respektive mit Diebstahl, Raub, Erpressung, Mord oder ähnlich illegalen Tricks (Sie können sich was aussuchen).
Werter Stadtanzeiger,
für wie blöde halten Sie uns eigentlich?
P.s.:
Ganz nebenbei abgesehen davon, dass ich mich irgendwie nicht erinnern kann, jemals im Stadtanzeiger gelesen zu haben, dass in so einem spektakulären Einzelfall ein weisser Mann die Titelrolle inne hatte. Das muss dann schon erstens eine Frau, zweitens eine schwarze und drittens die Brut eines Kommunisten sein.
Werter Stadtanzeiger,
für wie blöd …
ach, hatt 'ich ja schon gefragt.
20.1.20
Megxit oder wie dat heißt
(Fragen eines lesenden Rentners)
Dass dieser Prinz das Königsbrimborium mit dem ganzen Brim­borium und allem Drum und Dran und seiner Herzogin wohl ver­lassen hat oder musste oder wollte oder weißderteufelwat ...

Ach, ach, ach,
ich weiß ja gar nicht:
Ist das alles jetzt hier ganz
von irgendeiner Relevanz,
muss man das mitgekriegt haben,
gilt man sonst als dumm

hat das irgend'ne Bedeutung,
geht das irgendwen was an,
hängt da irgendwas von ab,
steigen deshalb überall die Preise,
schmelzen aus dem Grund die Gletscher,
gibt’s deswegen auch noch Krieg

und ist auch irgendwann mal Ende
Gelände

und sowieso:
wieso, weshalb, warum,
wie, wo, wann und weswegen,
woher, wohin,
wofür, wozu,
womit, wodurch
wobei und wogegen,
woran, worin,
worauf, worunter
worein, woraus,
wovon und wie runter

und überhaupt
für was und für wen

und gesetzt den Fall,
es würd' die Firma gar nicht geben,
würd' se irgendwem denn fehlen?
Oder noch mal langsam
und von vorn:
Besitzt der Laden denn da drin
auch so etwas wie einen Sinn?

Nee, ne?
Ach so,
ja dann ...
So viele Berichte
so viele Fragen
19.1.20
Omm, Omm, Omm …
Da soll noch einer sagen: „Beten nützt nix!“ Kaum hat die „Woche des Gebetes“ begonnen – vom 18. bis einschließlich Samstag, den 25., gilt aber nur für Christen – da kommt auch schon dpa mit der Meldung umme Ecke:
„Missbrauchsstudie der katholischen Kirche bleibt ohne Folgen“, „Alle Verfahren eingestellt“ et cetera ex cathedra.
Und damit wäre dann auch, weil das immer so läuft, die heiße Frage beantwortet, wessen Gebete denn normalerweise immer so erhört werden. Und stante pede staunt der Laie, und der Pfaffe freut sich. Doch der neunmalkluge unter den Gläubigen ruft in die Gemeinde­runde:
„Moment, Moment! Einen Augenblick mal, bitte schön! Die Woche des Gebets is noch NICHT vorbei!“
Und so wird’s wohl weitergehen bis zum St. Nimmerleinstage! Aba dann is wat los hier, ihr Brüder und Schwestern! Das kann ich euch flüstern!
Und wenn ihr fragetet, woher ich das wüsste, so sagte ich euch, liebe Brüder und Schwestern:
„Fürchtet euch nicht! Sondern lest die neue frohe Botschaft, das 5. Evangelium: „Das Evangelium des Fliegenden Spaghetttimonsters“ vom heiligsten Apustulus Bobby Henderson! Gehet hin in alle Welt und leset darin! Und Amen. Dann is aba endlich Ruhe im Karton!"
(Das war jetzt mein Buchtipp der Woche.)
18.1.20
Hölle, Hölle, Hölle!
„Tag des deutschen Schlagers“
Au ja, fein! Schlagt ihn, wo immer ihr ihn trefft.
17.1.20
Die gute Nachricht der Woche
Man sollte es nicht für möglich halten, aber es gibt sie hin & wieder doch noch – die guten Nachrichten:
Da ist uns' Uschi vdL grade wegelobt nach Brüssel, da wird sie auch schon wieder von ihrer heißgeliebten Vergangenheit als Soldaten­else eingeholt inkl. mächtig unangenehmer Bedrängnis, weil sie alle Bundeswehrberateraffären-Untersuchungsausschuss-relevanten Mails von ihrem „privaten“ Diensthandy gelöscht hatte. Einfach so. In Tateinheit mit exklusiver, in solchen Fällen gern zugegebener boden­loser Ahnungslosigkeit. Und ich hatte befürchtet, wir würden sie nie wieder sehen.

***

Auch nicht falsch:
Bittere Pille für unser Jensken, unsern Bundesoberarzt am Kranken­bett des Gesamtsystems!
Sein Organspendenvorschlag fiel mit Pauken und Trompeten in der Bundestagsdebatte durch. Headline in der 'taz':
„Kein Herz für Spahn“
Das tut doch gut.
16.1.20
Si tacuisses …
Nee, dann auch nicht! Till Schweiger im Kölner Stadtanzeiger:
„Schauspielen kann man nicht lernen. Dazu gehört vor allem Talent. Und damit wird man geboren – oder eben nicht.“
Mensch Junge, da sagste was.
15.1.20
Die Kranken bitten zur Kasse
Die mit viel lautem Tamtam angekündigte Homöopathie-Klimbim-Kommission der Grünen ist, wie nicht anders an zwei Fingern ab­zuzählen war, bereits vor dem Start bravourös und final gegen die Wand gefahren. Dabei hätte es eine Lösung geben können! Jawoll ja.
Da unsere esoterischen Mitbürger erklärtermaßen nun mal auf alle Wissenschaften pfeifen und natürlich vice versa, hätten sich beide Fraktionen ja als Grundlage für einen Kompromiss vielleicht auf den omnipraktikablen Leitspruch verständigen können, den sich Papst Pius IV. als sein Grundgesetz auserkoren hatte, Pius IV., der spät­mittelalterliche große Bruder im Aberglauben einerseits, der sich andererseits sein Leben lang eine bemerkenswert klare Sicht auf die Realitäten des Irdischen bewahrt hatte. Der große Pius IV. war näm­lich der festen Überzeugung, ja, und als aller Christen Oberhaupt handelte er auch immer danach:
„Mundus vult decipi, ergo decipiatur.“ Will heißen:
Die Welt will beschissen werden; also bescheissen wir sie.
Amen.