Das Tagebuch

14.1.26
Im Merzen der Bauer
Er hat noch jede seiner Prognosen, ob innen-, außen- oder sonstwie­politisch, lange vor dem üblichen Verfallsdatum dementieren oder ins Gegenteil drehen müssen. Das einzige von Bestand, auf das man sich verlassen kann, haben, ähnlich wie bei Trump, nur seine maß­geschneiderten Anzüge. So viel zu seiner konsistenten Leitkultur. Und der Fähigkeit, über seinen sauerländischen Tellerrand zu glot­zen.
Angesichts so stringenter Erfahrung in eigener Sache sollte man glauben, würde Herr Merz allmählich gelernt haben, wenigstens bei der Vorausschau weltgewichtiger Entwicklungen im Ausland Vorsicht walten zu lassen. Aber nix da.
Zur Zeit jongliert er mit Modi, dem Regierungschef von Indien, dem bevölkerungsreichsten Land der Erde, durch die indische Gegend, markiert der großen Mc und rapunzelt mal so nebenbei ungefragt der Weltpresse seinen unmaßgeblichen Eindruck vom aktuellen Zustand des Irans in die Notizbücher:
„Wenn sich ein Regime nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, dann ist es faktisch am Ende. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt auch hier gerade die letzten Tage und Wochen dieses Regimes sehen.“
Selbst der ‚Kölner Stadtanzeiger‘, nicht gerade bekannt als Freund der Mullahs, hält sich mit solchen Schnellschussprognosen zurück wie auch sämtliche Regierungshäupter der übrigen Staaten, die ihre einschlägigen Erfahrungen mit den Vollweisen aus dem Morgenlande gemacht haben.
Nicht dass wir hier in diesem Land keine gravierenden Probleme hätten, aber mit dem heutigen Tage habe ich den Eindruck, dass wir uns mit Merz noch ein echtes Zusatzproblem anne Hacke einge­handelt haben. Will sagen: Müssen wir uns über den geistigen Zustand unseres Bundeskanzlers ernsthaft Sorgen machen?
Was mich betrifft: Die hatt’ ich vorher schon.

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Dann ist mir in der heutigen Ausgabe des KstA noch eine seltsame Formulierung aufgefallen, über die ich allerdings schon immer ge­stolpert bin. Die Überschriften bspw. zu dem Artikel über Neo-Nazis im Internet, die lauten dort:
„Radikalisierung im Netz nimmt laut Studie zu - Staatsschützer warnen vor Chatgruppen mit rechtsextremen Gedankengut“
Ich frag mich nur: Was soll das bittschön sein: „Rechtsextremes Gedankengut“? Und wie soll das zusammen passen? Entweder rechtsextrem oder Gedankengut - beides geht nicht. Wenn aber, schon fast habituell, beides zusammengemanscht wird, welche Absicht steckt denn dann dahinter? Wahrscheinlich beides: Sowohl gar kein Gedanke als auch Verharmlosung des Rechtsradikalismus, also Gedankenlosigkeit im Verein mit uninformierter Uniformiertheit.
Werter Stadtanzeiger,
gut, man kann nicht alles wissen.
Doch manchmal tut man’s schon vermissen.
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