Das Tagebuch

17.4.26
Scham ist keine politische Kategorie
Eins muss man dem ehem. FDP-Strizzi Christian Lindner ja lassen: Probleme mit seiner eigenen Schamlosigkeit haben ihn nie gebeutelt. Noch im professionellen Abgang aus dem totgequatschten Berliner Polit­betrieb hat er bewiesen, dass man ihm auch mit Moral schon mal gar nicht kommen kann. Als „Stellvertretender Vorstandsvor­sitzender der Autoland AG“ mit der selbstgewählten Jobbeschreibung „Unterneh­mer, Vordenker und Bundesfinanzminister a.D., Experte für Wirt­schaft, Politik und Leadership“ (m.a.W. Godfather of Alleskönner) greift er aktuell der darben­den Automobilindustrie nicht groß ins Getriebe, weil: Er weiß, die Leute ham kein Geld mehr, und wo nix ist, is auch nix zu holen; auf gut Klartext: Er ist jetzt Gebraucht­wagenhändler.
Und irgendwie ist er sich dabei sogar treu geblieben. Dass dieses überholte, todgeweihte Wirtschaftssystem (Sprich "Kapitalismus") auf Gebrauchtwagen­verkäufer angewiesen ist, lässt sich nun mal nicht leugnen, macht aus einem Gebrauchtwagen­verkäufer aber auch noch lange keinen Unmenschen. Die Frage ist nur, ob sich die Autoland AG mit einem ‚Stellvertretenden Vorstands­vorsitzenden‘ Christian Lindner, einem mehrfach gescheiterten Neoliberalen und bekennenden Morallosen, unbedingt einen Gefallen getan hat. Einer wird es wissen. Lindner.
P.s.:
Ach, und noch was!
Hat Lindner sich in seinem Leben jemals ein Auto selbst gekauft oder verkauft? Muss man - zumindest wenn man Stellvertretender Vor­standsblablabla von Autoland werden will, nicht wenigstens jahrelang mit Playmobil--Ersatzteilen seine eigenen Spießgesellen übers Ohr gehauen haben? Solche Erfahrungen könnten doch immerhin nicht mehr schaden als Bundesfinanzminister gewesen zu sein? Oder?
zum Tagebuch