Das Tagebuch

16.9.20
Kein Klimawandel, nirgends
Während seines Wahlkampfes machte der US-Oberförster Donald Trump eine kurze Stippvisite bei der Feuerwehr in Kalifornien, wo zur Zeit wie in Oregon und Washington die schlimmsten Waldbrände seit Jahrzehnten wüten, und gab beim Stichwort Klimawandel zum Besten:
„Es wird anfangen, kühler zu werden, Sie werden schon sehen.“
15.9.20
Etwas Licht im Dunklen
Youtube-Tipp der Woche:
„Jung und naiv“, Folge 421 und 474 mit Richard David Precht
Und meine Platte des Monats:
"Jarv is ..." von Jarvis Cocker
14.9.20
„Was soll denn der Quatsch?“
Bezüglich der Aufnahme der obdachlosen Geflüchteten von Moria zeigte sich die Große Koalition am Wochenende selten so zerstrit­ten. Für 150 plädierte Horst Seehofer, Markus Söder nannte keine konkrete Zahl, war aber durchaus offen für ein paar mehr, Friedrich Merz („Was soll denn der Quatsch?“) verweigerte die Nennung einer bestimmten Zahl, hielt gleichwohl eine europäische Lösung für zwingend, aber nicht realistisch, Norbert Röttgen sprach von einem „christlich-demokratischen Anspruch“ und übern Daumen „5000“ und Arnim Laschet von mehr oder weniger.
Die SPD erzählte irgendwas von einem „einmaligen Notfall“, der „sich allerdings nicht wiederholen sollte.“ Parteichefin Soundso Esken sprach von einer „vierstelligen Zahl“ und meinte, Deutsch­land müsse in seiner aktuellen Position der „EU-Ratspräsidentschaft einen substanziellen Beitrag leisten“, Olaf Scholz war wohl irgend­wie „verhindert“ und Parteivize Kevin Kühnert forderte Seehofer zum sofortigen Rücktritt auf, sollte dieser seine Haltung nicht sofort ändern.
Und der traurige Rest?
Die Grünen nannten bislang keine konkrete Zahl. Aber es müssten mehr sein als die von Seehofer genannten 150 Menschen. Es gehe „hier nicht um einen deutschen Alleingang, sondern um Vorange­hen“, sagte Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt und wischte sich eine Strähne aus dem Gesicht. Und die Grünen-Chefin Annalena Baerbock plädierte dafür, die obdachlosen Men­schen von Moria auf Kreuzfahrtschiffe zu verteilen.
Die Linksfraktion forderte, Deutschland solle in diesem und auf jeden Fall im ersten Schritt alle Menschen, die durch die Brände in Moria obdachlos wurden, aufnehmen, soweit diese nicht in andre aufnah­mebereite Länder möchten. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch forderte finanzielle Sanktionen gegen EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, und Parteichefin Katja Kipping hielt eine europaweite Verständigung für die beste Lösung.
Die FDP mahnte zu mehr Einsatz(gruppen?) für eine gemeinsame europäische Migrationspolitik. Das Jahr 2015 dürfe sich nicht wie­derholen.
Und die AfD lehnte nach wie vor eine Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland strikt ab. Fraktionschef Alexander Gauland sprach von einem erneuten „katastrophalen Signal mit verheerender Sogwirkung“. Das dürfe nicht geschehen.
Was im Prinzip ja auch alle andern genau so unterschrieben haben würden, wenn keine Kamera läuft und der Ton abgeschaltet ist.
P.s.:
Komischerweise war von der Heiligsprechung Horst Seehofers durch Papst Franziskus (siehe Eintrag vom 12. September) überhaupt nicht mehr die Rede.
13.9.20
Merkel legt sich fest
Wie aus dem Kanzleramt verlautet, hat sich die Bundeskanzlerin Angela Merkel mit sich auf ungefähr 150 unbegleitete minderjährige Geflüchtete geeinigt, nachdem 10 weitere europäische Staaten sich bereit erklärt hatten, die restlichen 350 zu übernehmen.
Und von einer Heiligsprechung H. Seehofers wollte sie ihrerseits nichts wissen oder gewusst haben.
12.9.20
Eine Meldung von Radio Maria verunsichert die katholische Kirche
Der polnische Sender Radio Maria berichtet in seiner heutigen Früh­messe von einem aktuellen Zwischenruf des ehemaligen Papstes Woityla aus dem Himmelszelt. Laut übereinstimmender Zeugenaus­sagen mehrerer Radiohörerinnen habe Johannes Paul II. in seinem Zwischenruf eindringlich davor gewarnt, die christliche Hilfsbe­reitschaft der europäischen Länder möglicherweise zu überfordern. Der deutsche Innenminister müsse sich genau überlegen, was ein deutscher Alleingang hier bewirken würde. Und im Übrigen wäre für eine Heiligsprechung Seehofers ja wohl mindestens ein Wunder nachzuweisen.
Und er soll noch hinzugefpügt haben, noch sei Polen nicht verloren.
11.9.20
Es geschehen noch Zeichen und Wunder
Dpa meldet:
„Horst Seehofer hat angekündigt, dass Deutschland 100 bis 150 unbegleitete minderjährige Geflüchtete aus dem abgebrannten Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos aufnehmen wird.“
Halleluja, na also, geht doch!
Ich habe daraufhin unverzüglich die sofortige Heiligsprechung unseres christlich-sozialen Innenministers bei Papst Franziskus beantragt.
10.9.20
Uiuiuiuiuiiiih …. uiuiuiuiuiiiiih
Das war ja ein super Warntag!
Uiuiuiuiuiiiih …. uiuiuiuiuiiiiih…
9.9.20
Heul doch!
Morgen ist der 1. bundesweite sog. „Warntag“. Morgen heulen sie alle zusammen, auf Kommando, bundesweit, die Kriegs- und Kata­strophen-Sirenen, zur Probe, als Übung, für den Ernstfall.
Und 11 Uhr geht‘s los, 1 Minute lang Dauerheulton, dann 5 Minuten Pause, dann 1 Minute auf- und abschwellender Heuler, danach wie­der 5 Minuten Päuschen und zum Abschluss noch mal volle Minute Dauerheulen.
Und ab morgen wird das Konzert dann jeden 2. Donnerstag im September Punkt 11, komme was da wolle, gnadenlos wiederholt.
Is ja auch okay. Denn auf so Schrecksekunden ("Was is denn jetzt los?!") kann man ja auch gerne verzichten. In diesen unsicheren Zeiten.
Ich weiss nur nicht, ob das so ne gute Idee ist, den festgelegten Probentermin dermaßen an die große Glocke zu hängen. Was ist denn, wenn sich der eine oder andere feindliche Terrorvogel, clever wie so n Terrorvogel eben ist, genau auch diesen Tag und diese Uhrzeit für seine Terror-Nummer …
Na ja, immerhin haben dann wahrscheinlich wenigstens alle die Sirenen funktioniert.

Apropos Katastrophe -
‚Spiegel online‘ tickert grade:
„Über Jahre hinweg hat die EU das unvorstellbare Elend von Moria auf der Insel Lesbos, dem größten europäischen Flücht­lingscamp hingenommen. Nun liegt das Lager nach einem Großbrand in Trümmern - und mit ihm Europas Asylpolitik.“
Ein dreifaches Hoch auf die christlich-abendländischen Werte!
8.9.20
Heute ist internationaler „Welttollwuttag“
Bin gespannt, was Mr. Trump heut so alles vom Stapel lässt.
Parallel zum Welttollwuttag wird aber auch weltweit „Mariä Ge­burt“ gefeiert (Wer immer auch diese Mariä gewesen sein soll). Und zeitgleich der internationale „Weltbildungstag“.
Zu den Feierlichkeiten des Weltbildungstages wird Mr. Trump aller Wahrscheinlichkeit aber wohl nicht erscheinen. Eher wird er bei der zentralen „Mariä Geburt“-Party auftauchen, um die alte Geschichte zu erzählen, „dass er die damals flachgelegt hätte.“
P.s.:
Falls Sie jetzt denken, ich hätt‘ mir das alles aus den Fingern geso­gen, dann sag ich Ihnen: Bullshit! Das waren alternative Alternativ-Fakten. Nicht mehr und nicht weniger.