Das Tagebuch

31.7.24
… und so weiter und so fort.
„Nein, dass es immer so weitergeht, das ist die Katastrophe“ (W. Benjamin)
„Wenn ihr mich im November wählt, liebe Christen, dann brauchen Sie in 4 Jahren gar nicht mehr zu wählen.“ Donald Trump. Und alle Welt grübelt sich die Birne weich, was der Großfuton der Gedanken­losigkeit damit wohl wieder gemeint haben wollte. Man muss nicht unbedingt zum xten Male die schröckliche Hitler-Keule bemühen. Wenn er überhaupt einen Begriff davon hat. Kann auch sein, dass er im Falle seiner Wiederwahl in den nächsten 4 Jahren das amerikani­sche Feld so bestellen wird, dass er ganz legal und logisch sich zum Kaiser von China putschen wird. Und warnt vor einem 3. Weltkrieg, falls er die Wahlen verlieren sollte. Dabei ist’s genau wie immer umgekehrt.
Und was die Geschwindigkeit des weltweiten Ressourcenkahlfraß angeht, haben wir auch ungebremst erneut zugelegt.
Mir fehlt jetzt nur noch ein Witz zum Schluss.
28.7.24
Eigentlich … (Zu Fragen der Zeit)
Eigentlich wollte ich während der 3 Wochen Reha-Klinik im beschau­lich-überschaubaren Hilchenbach nebenbei auch noch Abstand bekommen zum „Großstadtgetriiiieebe“ (Udo Jürgens) sowie Politik und anverwandtem Ringelreihen, hab’s aber leider nicht geschafft. Kurz mal in die Tagesschau gezappt, und schon war der gute Vorsatz für die Katz.
Da ich leere Löcher nicht leiden kann, aber keine Lust verspüre, die drei Wochen nachträglich mit horrender Mehrarbeit intensiv & lang & breit doch noch zu beackern, hab ich mir nur eine Type vorgeknöpft, einen vorbildlichen Deutschen, ein Vorbild so zu sagen, ja, um nicht zu sagen: ein echtes deutsches Leitbild, und das pars pro toto, also für die gesamte kulturindustrielle Sippschaft hier im Lande.
Biddeschön:
Den Spitzenplatz für meine Begriffe erzielte die 9 Jahre alte Rede eines großpoli­tischen Vipsw und Schwergewichts, darin ein Spruch von noch größerer Wahr­heit, ein Spruch, den ich schon fast wieder vergessen hatte, ein Satz unseres patri­oti­schen Fliegenschiss-Historikers und Ehrenvorsitzen­den der „Arschlöcher für Deutschland“ Alexander Gauland, den er auf einer Nazi-Kundgebung in Erfurz im Jahr 2015 unter tosendem App­laus von sich gegeben hatte und der nun dieser Tage in der TV-Doku "Angela Merkel - Schicksalsjahre einer Kanz­lerin" wieder aus der Versenkung auftauchte, und zwar, lange Rede, kurzer Sinn, der hier:
„Wir schaffen das, sagt Frau Merkel. Nein, Frau Merkel!! Wir wollen das gar nicht schaffen!“
Damit hatte Thüringens Gauleiter Gauland mit einem Sätzchen ein für alle Mal geklärt, worüber sich die sog. „Systempresse“ im Verein mit den herrschenden Klassen und den unermüdlichen Naziforschern seit Jahren Fransen in ihre Großhirnrinden rätseln, nämlich über die Frage, wie viel Prozent der AfD-Wähler nur böse auf die Regierung und harmlose, verirrte Denkzettelverteiler und mitnichten originäre Nazis und Rassisten sind, seien oder wären.
So. Quod erat demonstrandum.
Herr Gauland mag in erster Linie ununterbrochen Populistenmist erzählen; doof isser aber nicht. Schlimm genug. Wenn man sich jetzt die ähnlichen Entwicklungen in den meisten eu­ropä­ischen Länder incl. USA anschaut, wo sich der Geist schon bereits vor längerer Zeit in endemischem Ausmaß vom Acker gemacht hat, rebelliert, wenn’s hochkommt, nur noch der Magen.
Allertdings - das muss man auch zugestehen - zeichnet sich am Hori­zont gottseidank noch keine geschlossene, vereinte Inter-Nationale ab. Eine Marine le Pen zum Beispiel guckt so ne Alice Weidel, die erste Magda Goebbels des 21. Jahrhunderts, ja mitm Arsch nich an. Die italienische Meloni auch nicht. Erfahrungsgemäß gehen sich die braunen Brüder und Schwestern – vor ihrer halluzinierten Macht­übernahme – erstmal eher selber gegenseitig an die Gurgel.
Und das ist die einzige Hoffnung, die man hier noch haben kann. Denn mit der handelsüblichen Auf­klärung kann man heutzutage höchstens noch die Pferde totreiten, aber keinen Blumentopf gewinnen. Oder wie das heißt.
Gute Nacht, Europa!
(Koffer packen? Ich fürchte Schlimmes.)
17.7.24
"Die Schwarze"
von Ton Steine Scherben
in memoriam
R.P.S.Lanrue
9.7.24
Liebe Leser,
eine Info in eigener Sache!
-------------------------- "Keep on rockin' in the free world" (Neil Young)

Von heute bis zum 31. Juli bin ich wegen meiner unaufhaltsamen Parkinson-Nummer auf einem Reha-Trip. Da ich in der Klinik nicht über die notwendige Infrastruktur verfüge, um euch und den Rest
des Universums mit meinen lebenswichtigen Witzen zu versorgen, wer­den die nächsten drei Wochen hier wohl spurenlos im Sommer­loch versinken.
Dafür schenk ich euch ein paar Büchertipps:
- „Der islamische Faschismus“
von Hamed Abdel-Samad
2014, Droemer
- „Warum ich kein Christ bin“
von Bertrand Russell
1968, rororo (Gibt’s vielleicht noch im Antiquariat)
- „Die Sache mit Israel -
5 Fragen zu einem komplizierten Land“
von Richard Chaim Schneider
2023, DVA
- „Die Verunglückten
Bachmann, Johnson, Meinhof, Amery“
von Matthias Bormuth
2019, Berenberg
- „Wolfgang Pohrt, Werke – Briefe&Mails“
hrsg. von Klaus Bittermann
2023, Edition Tiamat
- „Ich bin nur ich selbst, wer immer das ist“
Gespräche mit Bob Dylan aus 60 Jahren
2021, Kampa
und
- „1000 mal gehört, 1000 mal fast nix kapiert
Was Sie schon immer über englische Songtexte wissen wollten,
aber nie zu fragen wagten“
von Fritz Gruber
2016, Quinto

***
Und weil ich's nicht lassen kann, wenigstens ein Hörtipp:
„Freedom“
von Neil Young
mit „Rockin' in the free world“, das Oberidiot D. Trump regelmäßig missbraucht als Eingangshymne für seine Drecksparteitage
bis dahin
w
8.7.24
Worauf man sich in Deutschland mit tödlicher Sicherheit verlassen kann
Als sich die deutschen Soldaten 2021 wegen der Rückkehr der Taliban unter Lebensgefahr Hals über Kopf aus dem afghanischen Staub machen mussten, gaben sie hunderten Afghanen, die bereit gewesen waren, der Bundeswehr bei der Bekämpfung des Stein­zeitislamismus beizustehen, das Versprechen, ihnen widrigenfalls in Deutschland das Bleiberecht zu gewähren.
Das dürfen sich die gefährdeten Helfer, die schon seit einiger Zeit irgendwo in afghanischen Verstecken heimatlos rumsitzen, warten und warten und statt der Taliban die Zeit totschlagen, wieder von der Backe putzen.
Und um die spannende Quizfrage 'Wer darf und wer darf nicht?' zu be­antworten und damit gleichzeitig schon wieder was Gutes zu tun, haben wir, meine Damen und Herren, die in den 60er, 70er, 80er und 90er Jahren sehr erfolgreiche TV-Familienunter­haltung „EWG- „Einer wird gewin­nen“ einmal neu aufgelegt. Durch die Eurovisionssendung werden uns die beiden wunderbaren, kampferprobten, einem breiten Publikum bereits bekannten Knalltüten Kai Pflaume und Wolfgang Lippert moderieren.
Wir wünschen Ihnen gute Unterhaltung
Apropos Tüten:
Halten Sie sich während der Show ein paar Tüten bereit, um sich etwaige Mehrarbeit zu ersparen.

***
Ça ira!
***
Ça ira
Vive la France!
Liebe Franzosen!
Die amtlichen Prozentzahlen sind noch nicht bekannt. Aber mit Sicherheit haben laut Hochrechnungen eure Nazis VERLOREN!!
Wir hoffen inständig, dass sich die Deutschen an euch ein Beispiel nehmen.
Ça ira, wir schaffen das!
7.7.24
'Spalten statt Versöhnen – Das sei eure Aufgabe'
Die ‚Frankfurter Allgemeine‘, normal allgemein, heute mal konkret:
„Vatikan exkommuniziert früheren Botschafter“
Huch! Was ist passiert?
Franziskus wandelte gerade wieder gleichsam auf dem beliebten Holzweg der vorbildlichen Kirchenspalter. Für die Mitglieder und Mitgliederinnen der röm.-katholischen Kapelle – und das sind hienie­den immerhin grosso modo 1,38 Milliarden arme Seelen – ist die Ver­dammung mit anschließender Verschickung zu den Teufeln auch heute noch allemal normal und weltweit ein großes Ding. Da kommt in den Gemeinden traditionell Stimmung auf, denn dann ist endlich wieder mal was los, im katholischen Circus maximus phantasticus.
Die FAZ informiert denn auch:
„Erzbischof Carlo Maria Viganò (Warum heißen diese Vögel eigent­lich immer Maria?) bezichtigt Papst Franziskus der Irrlehre und for­dert dessen Absetzung. Das hat nun Konsequenzen: Der Vatikan verhängt die kirchliche Höchst­strafe gegen seinen früheren Bot­schafter in den USA. Die Verhängung der kirchenrechtlichen Höchststrafe – die Exkommunikation – gegen den 83 Jahre alten Kurienerzbischof Carlo Maria Viganò war unvermeidlich. Sie dürfte von dem ehemaligen vatikanischen Botschafter in den USA sogar gewollt gewesen sein. Jedenfalls hat Viganò seinen Ausschluss aus der Weltkirche mit seinen Einlassungen und seinem Verhalten in den vergangenen Jahren nach Kräften provoziert.
Zur Begründung des Urteils heißt es aus dem Hauptquartier der Obersten himmlischen Heeresleitung, pardon, meldet die hl. Inqui­sition, es seien von Viganò „öffentliche Äußerungen bekannt, aus welchen hervorgeht, dass er sich weigert, den Papst anzuerkennen und sich ihm zu unterwerfen“. Zudem habe Viganò die Gemeinschaft mit der Kirche und ihren Mitgliedern aufgekündigt und die Legitimität und Autorität des Zweiten Vatikanischen Konzils bestritten. Deshalb sei Viganò des „Verbrechens der Spaltung (der Kirche) für schuldig befunden worden.“
P.s.:
Mein Gott, ist das alles langweilig.
„Spalter! Spalter!“ „Selber Spalter! Selber Spalter!“
Mein Gott, was ist das bloß für’n kaputter Kindergarten!
Ein Kindergarten mit 1,38 Milliarden infantilen Blagen!
Amen.
6.7.24
Was ‚Welt‘-Journalisten so alles sagen,
wenn sie einen neben sich gehen haben
Zum Beispiel Christina Schröder, geb. 1977, anschließend Ratzfatz-Karriere in der CDU, zuletzt dort dann von 2009 bis 2013 Bundes­ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Man sagt ihr nach, sie hätte gerne noch die Säuglinge, Kita- und Kindergarten­kinder, alle Krankenhäuser, Psychiatrien und Gefängnisse und den ganzen religiösen Freizeitbereich dazu mit übernommen, außer Basteln mit Sperrholz), zur Zeit dient sie der Gesellschaft als Gesell­schafts­kolumnistin bei der ‚Welt‘ und schrieb gerade so was hier:
„Wie wäre es, Ältere im Ruhestand zu einem Dienst an der Gesell­schaft zu verpflichten?“
Ja, da staunt der Fachmann und die alten Laien fragen zurück:
Und wie wäre es, wenn wir mal bei dir vorbeikommen und den Dienst an der Gesellschaft mit dir beginnen?
5.7.24
"Free to be Stoned"
Legalize it - der 1236. Teil
I don't wanna feel happy
But I don't care if I feel sad
I just wanna be
I just wanna b
I just wanna b-b
I just
I j-
I just
I just wanna be
I just wanna be
I just wanna be
I just wanna be

Stoned, stoned, stoned, stoned
For the rest of ...
For the rest of my natural life
Because when I'm stoned
Everything I do seems to t-t-t-turn out right
That's how I do it

I don't wanna be good
But I don't care if I'm bad
I don't wanna feel happy
I don't wanna feel sad
I just wanna be stoned
I just wanna be stoned
I just wanna be stoned
For the rest of my natural life
Because when I'm stoned
Everything I do seems to t-turn out right

Well look, I don't wanna be rich
But I don't care if I'm poor
I don't care what the policeman says I'm gonna
Break the law
I just wanna be stoned
I just wanna be stoned
I just wanna be stoned
For the rest of my natural life

'Cause when I'm stoned
Everything I do seems to t-t-t-t-t-turn out right
Look, I don't want nothing much, I just wanna be king of my own cotton street Free, I wanna be king of my own cotton street
I know what's good for me
I just wanna be stoned
Free to be stoned for the rest of my natural life
Tell 'em how I feel

Whoo

Look, I don't wanna be rich But I don't care if I'm poor I don't care what the police says I'm gonna Break the law I just wanna be stoned I just wanna be stoned I just wanna be stoned for the rest of my natural life, ha-ha-ha Because when I'm stoned
Everything I do seem to t-t-turn out right Stoned, haha
Stoned, stoned

I j-j-j-just just wanna be Stoned for the rest of my natural life Because when I'm stoned Everything I do seems to t-t-turn out right
Everything I do seems to turn out right
Everything I do seems to t-t-t-t-turn out right
Everything Everything I do I just wanna... free, I just wanna be free to be Free to be Free to be Free to be Free to be Free to be stoned Stoned Stoned for the rest of my... Stoned for the rest of my natural... Stoned, stoned, stoned, stoned 'Cause when I'm stoned
Everything I do seems to t-t-t-t-turn out right
Right
Right
Everything I seem to do
Seems to t-t-turn out right
I just wanna be stoned for the rest of my natural life

(Clark Hutchinson)
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Dieses Stück Rockgeschichte von Clark/Hutchinson, 1970 als Intro auf ihrer 2. LP „Retribution“ erschienen, ist jetzt vielleicht nicht so ganz nach jedermanns Geschmack. Sollte es auch nicht. Ist jeden­falls auch kein Welthit geworden.
Tja, andere Zeiten. Doch mir gefällt’s immer noch.
p.s.:
Hatte mir die Platte übrigens - irgendwann in den 70ern - gekauft nicht unbedingt wegen der Musik, sondern wegen der Haare.
4.7.24
Nachtrag zu gestern
Legalize it - der 1235. Teil
Am Beispiel Friedrich Merz und seinem Hammer-Satz „Ich habe auch einmal während der Schulzeit mal einen Zug dran getan. Es war furchtbar“, lässt sich trotzalledem allerhand erkennen.
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Nur kurz eins bzw. zehn Sachen vorweg:
1. Alkohol trinken und es genießen können, muss man erst lernen.
2. Das geht am besten in Gesellschaft, wenn es normal und allge­mein akzeptiert ist.
3. Und das geht nur, wenn es legal ist.
4. Schwimmen muss man auch erst lernen. Wer nicht schwimmen kann, ertrinkt irgendwann.
5. Alkohol kann dagegen süchtig machen.
6. Wie sehr hängt u.a. von der Häufigkeit ab.
7. Und grundsätzlich gilt "Die Dosis macht das Gift" (Paracelsus)
8. Cannabis macht nicht süchtig. Psychisch Labile sollten sich jedoch besser zurückhalten. Wenn's geht.
9. Cannabis kann, muss aber nicht, an noch jugendlichen Hirnen Schäden anrichten.
10. Der Rest ist Sozialarbeit.
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So, was lernen wir daraus?
Die gewaltigen Hirnschäden von Friedrich Merz sind natürlich nie­mals auf den einen Cannabisversuch zurückzuführen. Da muss schon gehörig was anderes im Spiel gewesen sein. Dass der Ver­such für ihn sooo „furchtbar“ war, ist außerdem wenig glaubhaft. Sonst würd er ja nicht damit hausieren gehen. Auch dass er meint, zur Cannabislegalisierungsdebatte irgendwas Erhellendes mit seiner „Ich hab auch einmal“-Anekdote beitragen zu können, lässt eher erahnen, wie wenig Meister Gernegroß von Empirie, Wissenschaft und Fakten hält.
Dass er sich aber traut, mit solch horrendem Stuss vor die Öffent­lichkeit zu treten und sich in die aktuelle Ausein­andersetzung einzu­mischen, macht aus ihm zwangsläufig zwar noch keinen respekta­blen Kanzler-Kandidus, aber jetzt schon einen der talen­tiertesten Schwerschwätzer der Zukunft.
Gestern oder vorgestern hat er noch obendrein in einem öffentlichen Kanal verraten, seine Gegner bräuchten bei ihm „nicht auf die biolo­gische Lösung zu warten, wegen seiner erwiesenermaßen guten Gene.“
Tja, und so kommt man langsam aber sicher an den Punkt, dass einem dieser Typ tatsächlich unwiderruflich scheißegal geworden ist. Und dafür wird dann wiederum meistens der Marihuanakonsum verantwortlich gemacht. Nach allen Regeln abendländischer Logik müsste Friedrich Merz deshalb eigentlich Tag und Nacht ein langes Loblied auf das Kiffen anstimmen. Aber für solch komplizierte Gedankengänge ist dieser Mann einfach zu … ähm, ach, das is mir jetzt auch alles irgendwiepiepenhagenegal.
Gute Nacht Deutschland.