Das Tagebuch

16.5.20
Rinks und lechts
Bin etwas verwirrt.
Seit einiger Zeit komme ich immer öfter in die ausgesprochen lusti­ge, letztendlich aber mehr als merkwürdige Verlegenheit, mich als altgedienter, latent militanter Anti-Impi und Revolutionsromantiko, der sein halbes Polit-Leben on the road verbracht hat und auf allen Demos gegen alles Mögliche & Unmögliche der herrschenden Klassen machtvoll gegenangestinkstiefelt ist, nun in Gesprächen mit Freun­den und Bekannten, die einem nicht ganz so am Arsch vorbei­gehen, wie gesagt immer öfter, ja, gezwungen zu sehen, dies verkommene, imperialistische Drecksystem, dem man doch hundert1000mal den absofortigen finalen Abgang in die Hölle gewünscht hat, tatsächlich plötzlich in Schutz nehmen zu müssen und zu verteidigen gegen eine wie die Pest sich ausbreiten­de egomane, deutsche Volksfront aus Heimattümelei, Dummheit und Größenwahn, Verschwörungs­stuss, Esoterik und Judenhass, ge­gen einen kranken Gedankenbrei, dem selbst Goebbels nicht so ohne Weiteres gefolgt wäre.
Und das Schlimmste ist: Man weiß gar nicht, in welches Ausland man noch auswandern könnte.
„Alors pour les remercier
Et pour la première fois
De ma vie d'anarchiste
J'suis allé embrasser un flic
Oui je me suis approché
Et j'ai embrassé un flic“
(Renaud)
15.5.20
Kampf dem Schweinesystem
Dpa meldet:
„Nach der Häufung von Corona-Infektionen in mehreren Schlachthö­fen stellt die Bundesregierung rechtliche Konsequenzen in Aussicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) kündigten gestern im Bundestag an, dass das Coro­na-Ka­binett am kommenden Montag strengere Vorschriften beschlie­ßen werde. Merkel sprach von „erschreckenden Nachrichten“ aus der Fleischindustrie und verwies auf die oftmals prekären Arbeits- und Wohn­bedingungen der Beschäftigten. Und Heil, der Heilige Hubertus der Schlachthöfe, sprach:
„Wir werden mit diesen Verhältnissen aufräumen.“
Ich kann mir nicht helfen, aber es hat was Religiöses, oder?
Man könnte es auch mit diesen Worten formulieren:
Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich alles oder's bleibt, wie es ist.
14.5.20
So, jetzt hab ich‘s!
Is ja eigentlich ganz simpel:
… hatte ich abbrechen müssen wegen … wegen diesem ... diesem Glatzenheini Kemmerich, diesem überflüssigen Karnevalsfritzen aus Aachen … sehense, kennen se schon gar nicht mehr ... also wegen dieser armen Thüringer FDP-Wurst, die sich seinerzeit von dem Faschisten Höcke zum Minister­präsidenten ... genau der, und der war jetzt ostentativ ohne Gesichtslappen auf der Stinkdrüsendemo in Gera, auf der Anti-Corona-Maßregelungsdemo … uswusf und ich hatte halt gedacht, dass das jetzt eben sehr wichtig sei …
Mein Gott! Eine lebensnotwendige Erholungspause abbrechen wegen … wegen … der... wegen der FDP!!! Da kann man mal sehen, wie bekloppt einen der ganze Quatsch ...
Andererseits:
Andererseits kann ich nun auch nicht grade behaupten, dass mich noch irgendein ein anderes Thema irgendwie, ja irgendwie vom Hocker reissen oder hinterm Ofen hervor locken könnte. Und mit dem nötigen Abstand von heute würde ich sogar sagen:
13.5.20
Aber so geht‘s ja nun auch nicht!
Die selbstverordnete Augen- und Ohren-Quarantäne, meine Corona-Info-Pause hab ich doch tatsächlich abbrechen müssen wegen der – mein Gott, man wagt es kaum zu sagen – habe ich doch tatsächlich abbrechen müssen … nee, komm, ja natürlich hängt das mit diesem ganzen Virus-Kram zusamm … also, hab ich abbrechen müssen wegen weil … ach, komm, morgen is auch noch n Tag. Dann find ich auch vielleicht besser meine Worte ...
12.5.20
2. Tag
2. Tag der Corona-Info-Pause
11.5.20
1. Tag
1. Tag der Corona-Info-Pause.
10.5.20
Nochmals ...
… um‘ne Woche!
Was die Groko kann, kann ich schon allemale.
9.5.20
betr.: Corona-Info-Päuschen
Ich verlänger.