Das Tagebuch

24.1.26
Amtliche Mitteilungen
Die Bundesregierung kürzt die Entwicklungshilfe in Asien und Lateinamerika. Afrika kommt in der Rechnung gar nicht mehr vor. Früher hieß es noch: Von 1 Mark, die in Afrika „investiert“ wird, kommen im Schnitt 2 Mark wieder zurück. *)
Jetzt aber so nen dicken Fisch einfach von der Angel zu lassen,
ist eigentlich nicht die feine europäische Art. Es heißt: Die Gürtel werden künftig nicht mehr enger geschnallt, sondern direkt um diverse Löcher gekürzt. Ach so.
Die einzigen, bei denen nichts gekürzt wird, und da wird sich auch
in 1000 Jahren nichts dran ändern, sind mal wieder die Beamten.
Und 1 mal dürfen Sie raten, wer hier als der kompetente Fachmann für Kürzungen im Kompetenzbereich gilt und zum Verrecken nichts zurücknimmt? Na?
Genau, der Dobrindt.
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*)
Wie der Neokolonialismus heutzutage funktioniert, weiß ich auch nicht. Als Hobby-Revolutionäre wussten wir das damals aber um so besser. Nur jetzt iset zu spät.
23.1.26
Es geht los
Die ‚tagesschau‘ meldet:
„Deutsch-italienische Beziehungen Berlin/Rom rücken zusammen
Berlin und Rom bauen ihre Kooperation in Verteidigung, Wirtschaft und Migration aus.“
Hatten wa diese Konstellation nich schon mal?
22.1.26
Trump ist nicht alles
Und wenn er und sein Gesocks Amerika so great gemacht haben wer­den, dass es greater und schlimmer gar nicht mehr geht - irgendwo wird es einen Ort geben, wo Kinder ohne Sorgen leben,
wo man so was noch singen kann, am Ende hinterm Regenbogen. Dann fängt’s halt wieder von vorne an. Verdammt nochmal cathedral:

CATHEDRAL *)
Six o'clock
In the morning I feel pretty good
So I dropped into the luxury of the Lords
Fighting dragons and crossing swords
With the people against the hordes who came to conquer

Seven o'clock
In the morning here it comes I taste the warning
And I'm so amazed I'm here today
Seeing things so clear this way
In the car and on my way to Stonehenge

I'm flying in Winchester cathedral
Sunlight pouring through the break of day
Stumbled through the door and into the chamber
There's a lady setting flowers on a table covered lace
And a cleaner in the distance finds a cobweb on a face
And a feeling deep inside of me
Tells me this can?t be the place

I'm flying in Winchester cathedral
All religion has to have its day
Expressions on the face of the Savior
Made me say
I can't stay
Open up the gates of the church and let me out of here
Too many people have lied in the name of Christ
For anyone to heed the call
So many people have died in the name of Christ
That I can't believe it all

Now I'm standing on the grave of a soldier that died in 1799
And the day he died it was a birthday
And I noticed it was mine
And my head didn't know just who I was
And I went spinning back in time
And I am high upon the altar
High upon the altar, high

I?m flying in Winchester cathedral
It's hard enough to drink the wine
The air inside just hangs in delusion

But given time
I'll be fine

Open up the gates of the church and let me out of here
Too many people have lied in the name of Christ
For anyone to heed the call
Too many people have died in the name of Christ
That I can't believe it all

And now I?m standing on the grave of a soldier that died in 1799
And the day he died it was a birthday
And I noticed it was mine
And my head didn't know just who I was
And I went spinning back in time
And I am high upon the altar
High upon the altar, high

(Crosby, Stills & Nash)

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*)
„Cathedral“ von CSN, 1977)
21.1.26
Mit hoher Wahrscheinlichkeit zu doof
Dass selbst harmlose Blätter wie der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ (Pars pro toto bzw. Einer für alle und alle für einen!) sich gezwungen sehen, im Kulturteil immer unverkrampfter und aggressiver auch Tinnef, groben Unfug und übelsten Mist zu verkaufen, so dass manch einer sogar von echtem Scheissdreck spricht, das alles wird niemanden verwun­dern, der sich noch dunkel an Begriffe wie „Kulturindustrie“, „Kitsch“ ,„Ausbeu­tung“ und „Massenverblödung“ erinnern kann. Ich persönlich hegte zum Beispiel, nur kurzfristig zwar aber immerhin, die lächer­liche Hoffnung, dass Thomas Gottschalk seinen Abgang ernsthaft und endgültig … ach nee, der ist ja jetzt doch wohl tabu, oder? … ja, sicher, für mich auf jeden Fall, aber anschei­nend nicht für den 'Stadt­anzeiger. Hier & heute, praktisch ne ganze Seite "Wetten, dass..."-Endlos-Gelaber im Kulturteil:
„Champagner zum Frühstück -
Bill und Tom Kaulitz leben in ihrer ganz eigenen Welt und lassen uns gerne daran teilhaben - können sie (also die beiden steindummen Plastikheiopeis, die nicht in Würde älter werden können) mit ihrem Glamour „Wetten, dass …?‘ entstauben?“
Bill und Tom Kaulitz, die unter normalen Jugendlichen nur als Brech­mittel laufen, in puncto Überflüssigkeit einen Gottschalk meilenweit in den Schatten stellen, werden nu also vom Kölner Käseblatt als Retter einer sog Unterhaltungssendung für die ganze Familie hochge­nud­elt, einer Show, die schon zusammen mit ihrem antiquierten „Moderat­or“ als der Inbegriff spätkapitalistischer Endvernutzung galt.
Mit ziemlicher Sicherheit aber werden sich die beiden Nichtsnutze auf das schamlose Angebot nicht einlassen, denn selbst dafür dürf­ten die zwei Gottseidank inzwischen zu doof sein.
Was ich mit meinem ebenso nichtsnutzigen Sermon ausdrücken wollte:
Unsre vergleichsweise noch ruhigen Zeiten sind damit jetzt also auch aus und vorbei und Geschichte.
20.1.26
„Bundesregierung widerruft …
…. fast jede zweite Aufnahmezusage für Afghanen“, schreibt der’Spiegel’. Und weiter:
„Die Ampelregierung hatte rund 2000 Afghanen eine Aufnahme­zusage gegeben. Unter Kanzler Merz soll nur etwa die Hälfte nach Deutschland kommen dürfen. Hunderten Menschen wurde die Ein­reise verweigert.“
Unsre deutsche Asylpolitik, so die üblichen Verdächtigen aus der deutschen Asylexperten-Szene, basiere auf den allgemein bekann­ten abendländischen Werten der christlich-jüdischen Leitkultur.
Ein unabhängiger Faktencheck unsererseits aber hat zunächst mal ergeben, dass es zu keinem Zeitpunkt in den letzten 1500 Jahren auch nur den Hauch einer christlich-jüdischen Zusammenarbeit gegeben hat. Von einer christlich-mohammedanisch-afghanischen
ist uns auch nichts bekannt. Unterm Strich wird sich deshalb "der 3. Grundsatz des Dobrindtschen Gesetzes" ins kollektive Gedächtnis der Afghanen eingraben:
„Es besteht kein politisches Interesse mehr, gefährdeten Afghanen Schutz zu gewähren.“ Und den werden sich die Betroffenen – da kann der Dobrindt Gift drauf nehmen – für ewig auf den Unterarm tätowieren.
19.1.26
Mark Rutte - auch so ’ne Canaille
Egal, wer früher ’ne Zeitlang den Nato-Generalsekretär spielte, unsereins hatte sich um diese austauschbaren Schießbudenfiguren nie groß gekümmert. Und von Interesse waren die schon gar nicht.
Als holländische Regierungsnulpe hat mich Mark Rutte auch nie sonderlich vom Sofa gelockt. Aber jetzt als nordatlantische Schieß­budenfigur muss man ihn wohl etwas genauer beobachten.
Emmanuel Macron, auch so ’n Fliegengewicht, antwortet neuerdings auf die interessanten Trump-Posts directement in dieser Art:
„Mein Freund, wir sind auf einer Linie mit Blick auf Syrien. Wir können Großes vollbringen in Iran. Ich verstehe nicht, was Du in Grönland tust.“
Und rumsti-bumsti drängelt sich Herr Rutte in das nordatlantische Zwiegespräch:
„Herr Präsident, lieber Donald! Was Sie in Syrien heute erreicht haben, ist unglaublich. Ich werde Ihre Auftritte in Davos nutzen, um Ihre Arbeit in Syrien, Gaza und der Ukraine hervorzuheben. Ich bin fest entschlossen, in Sachen Grönland einen Weg nach vorn zu finden.“ Und er schließt mit: „Ich kann es kaum erwarten, Sie zu sehen. Ihr Mark.“
Was Trump darauf geantwortet hat, hat er leider für sich behalten. Sich gedacht aber hat er wahrscheinlich Folgendes:
„ ‚Ich kann es kaum erwarten ... Sie zu sehen. Ihr Mark.‘ Von wel­chem Ufer kommst du denn gelaufen, Schweinchen? Glaubst du denn, ich würde es wirklich nicht merken, wenn mir jemand so retromäßig in den Arsch kriecht? Was bist du denn für’n Knallfrosch? Und jetzt auch noch Nato-Generalsekretär! Mann Rutte, geh mir aus der Sonne!“
Man darfgespannt sein, was in Davos noch alles so erzählt wird.
18.1.26
Wer weiß denn so was?
Aus der Reihe
„Die wirklich wichtigen Fragen der Menschheit“
Heute:
Was hat der ‚Islam‘ mit dem ‚Islamismus‘ zu tun?
Hier 6 mögliche Antworten:
- Die ersten fünf Buchstaben.
- Die letzten fünf Buchstaben
- Manch einer meint: Könnten sogar alle Buchstaben sein.
- Es gibt Leute, die da sagen: Allahs Lüge.
- Manche sagen aber auch: Der Koran war schon ein einziger Druckfehler.
- Es gibt auch welche, die sagen: Der Islamismus ist eine Erfindung der äh ... Ausländer
Und so weiter und so weiter und wenn sie nicht gestorben sind,
dann diskutieren sie noch heute - bis ans Ende der Welt.
17.1.26
Der kleine Finger von Obama
‚Die Zeit‘ meint, Friedrich Merz zeige sich desillusioniert von Trump und der US-Politik . „Donald Trump gehe auf Kritik nicht ein, sondern halte, was er tut, für richtig. Statt das Völkerrecht zu achten, machten die USA reine Machtpolitik.“
Fangen wir außenstehenden, kritischen Korinthenkacker einfach mal von vorne an:
Abgesehen von diesem merkwürdigen 3-Satz-Kuddelmuddel über­haupt erscheint es mir noch merkwürdiger, dass ‚Zeit‘ und Merz ausgerechnet von einem Trump erwarten, dass er auf Kritik eingeht, wenn er das, was er tut, sowieso für das einzig Richtige hält. Aber der Hammer ist der letzte Satz: „Statt das Völkerrecht zu achten, machten die USA reine Machtpolitik.“
Ich kann mich an keinen US-Einsatz erinnern (außer ihren leider viel zu späten Eintritt in den 2.Weltkrieg, wofür die Welt den USA bis heute noch zu Recht dankbar ist), ja, an keinen Einsatz erinnern, der keiner reinen Machtpolitik geschuldet war, und schon gar nicht der Achtung des internationalen Völkerrechts.
Jetzt ist Bauer Merz also desillusioniert. Schön. Jetzt gibt er also indirekt zu, dass die ganze jahrzehntelange Amerikaimitiererei auch nicht das Gelbe vom Ei, das Wahre war. Wobei der ewige Anti­amerikanismus auch nur die Rückseite der Goldmedaille war. Aber was lernen wir daraus, fragt sich Lehrer Lämpel. Unterm Strich, bei einem Vergleich (ausnahmsweise sei mal ein Vergleich gestattet) käme meinetwegen à la longue dabei rum: Noch der kleine Finger von Obama hatte mehr Wert als alle deutschen Kanzler zusammen genommen. Salut!
16.1.26
Die letzte Ölung -
With God on their side
Es geht dem Ende entgegen. Über 2000 Hinrichtungen allein im vori­gen Jahr plus Dunkelziffer und damit einsame Weltspitze, mehr als 3400 erschossene Demonstranten und zigtausende Verhafteten allein in den letzten 2 Wochen und seit Jahrzehnten Kriegstreiber Nr.1 im Nahen Osten - und das alles nur wegen Kohle und Öl. Und immer mit Allah auf ihrer Seite. Mit den gesegneten Schmiermitteln Allah & Öl, da sind die Chomeinis unschlagbar.
Ihre Handelspartner kommen allerdings auch nicht gerade gottlos ums Eck marschiert. Sowohl Putin, ein irgendwie orthodoxer Christ, als auch der bekennende Oberapostel Trump, beide be­haup­ten sie, sie hätten den Überirdischen auch auf ihrer Seite. Nur: die Euro­päer, die den lieben Gott eher für ne Privatangelegenheit halten, wollen vom heiligen Öl auch ihren traditionellen Anteil. Wenn aber Gott für Europa keine Rolle mehr spielt, stellt sich die alte leninisti­sche Frage „Was tun?“
Aus dieser vermaledeiten Situation scheinen mir zwei Möglichkeiten zu scheinen: Entweder alle machen so weiter wie bisher, mit Lug & Trug, Terror und heiligem Heucheltum, oder aber alle machen so weiter wie bisher, mit Lug & Trug, Terror und heiligem Heucheltum. Da ist es dann auch egal, ob der liebe Gott bei der letzten Ölung mitmacht oder eben nicht.