Das Tagebuch

1.11.21
Jetzt geht‘s aber los!
Und die ‚Bild‘-Zeitung vorne weg:
„Salmonellen-Verdacht:
Unternehmen ruft Eier in Norddeutschland zurück“
Kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, dass dat funktioniert. Die hören das doch gar nicht. Seit wann haben Eier denn Ohren?
Aber lassen wir die unglücklichen Eier für nen Augenblick mal bei­seite und wenden wir uns heute am Feste Allerheiligen, einen Tag nach dem internationalen deutschen Reformationstag, dem UN­Hoch­amt von Glasgow zu!
Wer in dem Glauben lebt, dass Leute, die sich an zwei Fingern aus­rechnen können, dass sie sich 2050 in 30 Jahren also mehrheitlich six feet under befinden werden, und zwar nachdem sie ihre letzte Rei­se sang- und klanglos friedlich im eigenen Bett antreten durften, und somit für ein ernstes Kreuzverhör vor dem Internationalen Gerichts­hof nicht mehr zur Verfügung stehen, wer also glaubt, dass solche Leute auch nur einen Finger für diese Welt krumm machen werden, der soll das ruhig glauben (wir haben ja hier Religionsfrei­heit), der ist aber trotzdem nach allen Regeln der Kunst schief ge­wickelt. That‘s all.
Zurück zu den Eiern!
Ich hatte da wohl was falsch verstanden. Selbstverständlich haben Eier keine Ohren. Aber Ärsche, die haben Ohren.
31.10.21
Zum Ende des Oktobers …
… und bevor uns die Rom-Gipfeler, die Glasgow-Weltklimaverpester und die vereinigten Kreisvorsitzen­den der CDU die gute, alte Indian-Summer-Laune vollends versauen oder grade deshalb, schnell noch 2 Platten-Tipps:
„Southern Soul“
und
„A Night Of Bob Dylan Songs“
von Lucinda Williams
Alles Cover-Versionen, z. T. etwas gewöhnungsbedürftig, ab dem 2. Hören aber absolut unverbesserlich. Mein Favorit: „Political World“ (8:15 min.) von der Dylan-Platte.

P.s.:
Noch mal kurz zum Ausgangspunkt, den Wintermärchen von Rom und Glasgow!
„Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
ich kenn' auch die Herren Verfasser;
ich weiß, sie tranken heimlich Wein
und predigten öffentlich Wasser.“
(Heinrich Heine)

„Well, God is in heaven
And we all want what's His
But power and greed and corruptible seed
Seem to be all that there is
I'm gazing out the window
Of the St. James Hotel
And I know no one can sing the blues
Like Blind Willie McTell“
(Bob Dylan)
30.10.21
Die gute alte Presse
Am Beispiel ‚Spiegel online‘:
„Klimaprotest in London
Greta Thunberg legt sich mit den Banken an“
Yoh! Man hört sie geradezu krachen und zittern, die morschen Knochen der hilflosen Finanzbourgeoisie!
29.10.21
Fünf Freunde und der Wanderzirkus
Nachdem Arminius Lalaschet schon vorbildlich bewiesen hat, wie man einen überflüssigen Schützenverein ins Jenseits katapultiert, haben sich nun 5 weitere hochmotivierte, staatlich geprüfte, hohle Plastik­flaschen für das Rattenrennen um den CDU-Parteivorsitz an die vorderste Front gedrängelt. Und wer‘s dann am Ende wird, wird wie gehabt auch der nächste Kanzlerkandidat. (Wenn der sich nicht in 4 Jahren Opposition so dermaßen verschlissen, verschissen oder sonst wie unmöglich gemacht hat, dass alle Kaiser Lalaschet wieder ham wolln.)
So weit, so übel, so düster die Aussicht.
Weil se keine andern hatten bzw. niemand sonst in der Partei so balla-balla ist, sich die Ochsentour anzutun, hocken nun folgen­de 5 sattsam bekannte christliche Knallkanaillen in den Start­löchern: Jens Spahn, Ralph Brinkhaus, Norbert Röttgen, Carsten Linnemann und Friedrich Merz, wobei laut allen Umfragen – und man muss wohl da­von ausgehen, dass die in höchstem Maße repräsentativ sind – die absolute Mehrheit in der CDU diesen Friedrich Merz favorisiert.
So weit, so finster, so objektiv der aktuelle Stand der Dinge.
Zur Sache:
Friedrich Merz, meine Damen und Herren, ist ähm... Jahrgang 1955, also pi mal Daumen 66 Jahre jung. Jetzt heißt es zwar in Udo Jür­gens einer seiner überkandidelten, schwerkritischen Schunkelwei­sen, dass das Leben angeblich erst mit 66 anfange und dann noch lange nicht Schluss sei. Et is aber eben nur 'ne alte, überkandidelte Schunkel­weise. Und jeder weiß – auch die dumpfesten der gehör­losen Kalkeimerfraktion – dass diese Thesen, und wenn sie noch so schmissig mitgegrölt wer­den, doch eher die Funktion von Prothesen erfüllen als den Wunsch nach saftigem Leben. Egal.
Der Punkt ist: Bis zur nächsten Kanzlerwahl sind‘s noch mal 4 Jahre. Dann ist unser neoliberale, egomane Vorsintflutler nach Adam Riese 70! In Buchstaben S I E B Z I G ! Die Mehrheit hierzulande kann noch so banane sein und so gehirnfrei selbst die Junge Union - eine 70-­jährige kaputte Luftpumpe aus dem Reich der Untoten als Kanzler einer neuen, aufstrebenden Weltmacht???!
Kannichmirnichvorstellen.
Ich würd sagen, da dürfen wir uns beruhigt zurücklehnen und müs­sen wg Wahlausgang uns in dem Fall keine grauen Haare wachsen.
Danke Deutschland.
28.10.21
Ich glaub es ja nicht!
Ich glaub es nicht! Ich glaub es nicht!
‚Die Zeit‘ schreibt:
„Nobelpreisträger warnen:
Lindner sollte nicht Bundesfinanzminister werden
Berlin.
Zwei prominente Wirtschaftswissenschaftler haben davor gewarnt, dass FDP-Chef Christian Lindner in einer künftigen Bundesregierung Finanzminister wird. „Um seiner selbst willen sollte Lindner die un­mögliche Aufgabe erspart werden, seine vorsintflutliche haushalts­politische Agenda auf die finanzielle Situation von heute übertragen zu müssen“, schreiben der Brite Adam Tooze und der US-amerikani­sche Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz von der Columbia University in New York in einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“. „Diese Art Crashtest kann sich weder Deutschland noch Europa erlauben.“
Und jetzt alle – zwo, drei, viertelvorvier:
So ein Tag, so wunderschön wie heute,
So ein Tag, der dürfte nie-ie-ie-ie vergehn ...
27.10.21
Der kleine Notgedanke für zwischendurch
Ob Leugner*pipapo, Getesteter*pp, Genesener*tüdelü oder kom­plott Geömpfter/tata, seit knapp 2 Jahren dekliniert die Gemeinde den Corona-Virus rauf und runter. Inzwischen expertisen allein in deutschen Landen an die 80 Millionen Virologen und ihre Innen an den Käsetheken sich und andere dumm und dämlich. Es steht zu befürchten, dass, wenn sich dieser allzu reale Spuk endlich in Luft verdünnisiert hat, all die Leute in ein großes, dunkles Loch driften, weil se kein Thema mehr zum Totlabern haben. Es ist zwar nicht amtlich, aber so wird kolportiert, Adorno soll mal zu diesem ganzen Scheißdreck verlautet haben:
„Was nützt einem die ganze Gesundheit, wenn man ansonsten ein Idiot ist.“
Doch mein Problem wird eher sein: Mir werden irgendwie ...
die Nasenlappen fehlen.
26.10.21
In Ermangelung eigener Geistesblitze
Als ich ihn neulich fragte, ob er seinen 25 Jahre alten Welt-Hammer-Hit „ bei meinem Indonesen“ aktuell noch live auf der Bühne zum Besten gebe, meinte er, eher nicht, weil der ihm doch etwas überholt erscheine; worauf ich dann meinte, dass das mit Sicherheit Quatsch sei.
Nun, Meinung hin, Meinung her, wie dem auch sei: Jetzt haben wir in diesem Land ja bekanntlich Meinungsfreiheit und ich meine, ich sitze hier nicht nur am längeren Hebel, der Rest der Welt hat oben­drein das Recht, zumindest von hier aus noch einmal einen Text zu lesen, der (meiner Meinung nach) an Evidenz nichts, aber auch gar nichts eingebüßt hat. Und man kann ihn auch als äußerst gelungene Zusammenfassung dessen begreifen, was heute alles so passiert ist. Und gestern und morgen auch.
Biddeschön Danny Dziuk!

bei meinem Indonesen
neulich saß ich wieder mal allein bei meinem Indonesen
da kann man billig essen & dazu auch noch was lesen
ich drehte mir grad eine, als ein netter junger Mann
mich fragt, ob er den Stuhl an meinem Tisch noch haben kann
„bedien er sich“ so sprach ich, da griff er sich das Teil
& setzte sich, sein Kumpel vorne wartete derweil

es dauerte nicht lang, da war sein Freund nicht mehr allein
die Tür ging auf, da draußen muss ein Nest gewesen sein
auf einmal gab es nämlich junge Leute überall
der Run auf meinen Tisch war jetzt schon eher ein Überfall
man rückte um mich rum, auch ohne groß zu fragen,
denn leider war der Tisch der einzig leere in dem Laden

ich bin nun mal eher schüchtern, halt mich gern zurück
besonders, wenn so viele & im selben Augenblick
so munter durcheinander, so wie es diese Runde tat
sich gegenseitig austauschen wie Hühner im Salat
das saß ich also nun, mein Curry war bestellt
und neben mir ging’s gerade um den Zustand dieser Welt

„besonders in Australien zum Beispiel“ sagte einer
„da wird die Chance gegen das Ozonloch immer kleiner
doch das ist nur der Anfang, das Bröckeln im Beton
es ist bereits so weit, das keiner mehr es stoppen kann
die Pole werden schmelzen, die Meere überfließen
Hamburg wird Meeresboden sein, das ist bereits erwiesen

ganz zu schweigen vom Himalaya, da fällt der schwarze Schnee
& nicht nur Reinhold Messner fischte Öl aus seinem Tee
das wird bald wieder brennen, da unten im Irak
& auch in Jugoslawien wird’s schlimmer jeden Tag
im Osten zählt der Glaube, im Westen nur das Geld
& warum bringt man überhaupt noch Kinder auf die Welt

als wär das nicht genug, ja, es ging vielleicht noch schneller
und irgendso´n Ayatolla hat die Bombe schon im Keller
blieb eigentlich nur zu wünschen, am Tage, wenn sie fällt
so nah wie möglich dran zu sein, und ab aus dieser Welt
ich denk, die Bibel weiß, wovon sie spricht, wenn hier auf Erden
die Lebenden die Toten noch beneiden werden.”

ich dachte mir so meinen Teil, der Junge hatte Recht
der Blick war unbestechlich, die Fakten waren echt
ich dachte an mein Leben & wie ich bereits bezahlt
& was der vielleicht noch vor sich hatte, bis es denn knallt
denn eigentlich war das alles auch so schon hart genug
vor allem, wenn man quasi Secondhand-Klamotten trug

in dieser Art ging’s weiter, so weiter & so fort
& außerdem kam auch ne Menge andres noch zu Wort
all dieses zu erwähnen, wär hier jedoch zuviel
daher eine Bemerkung noch, die gegen Ende fiel
´s ging irgendwie um Urlaub & wohin denn jeder fährt
& im Sommer sei in Mexico `n Riesenrockkonzert

da könnt man sich doch treffen & von dort aus weiterziehn
der erste Vorschlag war „warum nicht Columbien
da haben meine Eltern ne obergeile Farm
ich kann mir kaum vorstellen, dass die was dagegen haben“
„das trifft sich aber gut“ sagt ein anderer, „meine Oma
bezahlt mir grad um diese Zeit ein halbes Jahr Jamaica“

„ich glaub“ sagte ein dritter, „ich bleib diesen Sommer hier
wir ha’m da noch so’n Haus in der Toscana, das steht leer“
nun gönn ich eigentlich jedem die Butter auf dem Brot
da fing jemand `n Vortrag an zum Thema Wohnungsnot
um diese Zeit in etwa bezahlte ich & ging
& dachte, vielleicht ist ja alles doch gar nicht so schlimm

(Text und Musik: Danny Dziuk)
25.10.21
Hallo! Is da jemand?
Dpa meldet:
„Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat laut einer UNO-Studie im vergangenen Jahr einen neuen Höchstwert erreicht.“
Tja, da staunt der Fachmann und der Laie äh und die Laiin, nee, und der Laie / laiin? Nee, der Lai*e, nee, noch mal, der Laie nebst Gattin, Quatsch, der Laist und seine Lai, äh, seine Lakeien ... ach scheisse, worum ging‘s noch mal?
24.10.21
Der allerletzte Dreck
Otto Waalkes, Bülent Ceylan, Didi Hallervorden und Hape Kerkeling waren am Samstag nicht nur als Gäste beim „Schlagerboom“ von Florian Silbereisen. Sie haben da auch fleissig mitgemacht.
Ich hab‘s mir nicht angesehen. Selbst wenn ich müsste, könnt ich‘s nicht. Unter mir als Fernsehminister würd es so was auch gar nicht geben. So was wie diesen „Schlagerboom“ würde ich grundsätzlich, ja das sage ich hier ganz offen, so was würde ich grundsätzlich und für immer verbieten. Ganz einfach verbieten.
So, und jetzt nur noch einen Satz dazu: Werter Herr Kerkeling, Sie können ja machen, was Sie wollen. Aber so was tut man nicht. Ganz einfach.