Das Tagebuch

2.5.22
Der intellente Satz des Monats
Der intellente Becker-Satz des Monats stammt heute nicht vom Bobbele selber, sondern von Lilly, einer seiner Ex-Tussen. Schreck­lich furchtbar entsetzt über die Härte des Urteils von zweieinhalb Jahren ohne Bewährung sei sie gewesen und sprudelte in die Mikros der Welt:
„Zweieinhalb Jahre Gefängnis! Der hat doch niemand umgebracht!“
Nee, aber seit wann und wo kriegen Mörder denn zweieinhalb Jahre?
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Es ist doch immer dasselbe: Immer wenn man denkt, noch dämli­cher geht‘s nu wirklich nicht, kommt ein Idiot umme Ecke und drängelt sich auf den 1. Platz. Dpa meldet:
„Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat erneut die ‚Ent­nazifizierung‘ der Ukraine als Begründung für den Krieg angebracht. Dem Argument, der ukrainische Präsident selbst sei Jude, entgeg­nete er, auch Adolf Hitler habe ‚jüdisches Blut‘ gehabt und Juden seien selbst die größten Antisemiten.“
Interessanter Mann.
1.5.22
Frieden schaffen mit immer dolleren Waffen
Und vorne weg die grünen Hofreiter!
Tut mir leid, aber ich hab von denen auch nie was andres erwartet. Und dasselbe gilt für alle anderen Themen. Warum sollte man auch ein System ändern, in dem man sich so pudelwohl fühlt.
28.4.22
Es ist so weit
Und zack! is die Woche wieder rum. Und wiederum bin ich fürn paar Tage weg. Kommt in Zukunft wahrscheinlich immer öfter vor.
27.4.22
Zwei Doofe mit ihrem einen Gedanken
„Unsere Sicherheit wird nicht nur, aber auch am Hindukusch ver­teidigt.“
Sagte Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) am 11. März 2004.
„Die Ukraine kämpft hier nicht nur für sich selbst, sondern die Ukraine verteidigt auch die Sicherheit Europas hier.“
So Vize, Wirtschafts- & Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) am 26. April 2022.

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Kann man doch gar nicht so miteinander … Keiner der Talibanesen, der afghanischen Warlords und sonstigen wüsten Söhne der Wüste war auch nur annähernd ein lupenreiner Demokrat. Mit solchen Typen konnte das ja gar nicht gutgehen.

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Nach 20 Jahren war da unten ja dann auch Schluss mit lustig.
Wie lang soll denn das neue Ossi-Theater diesmal laufen?

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„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen
Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“
Bertold Brecht am Vorabend von WK Nummer2
26.4.22
„Der Friederich, der Friederich,
das war ein arger Wüterich.
Er fing die Fliegen in dem Haus
Und riß ihnen die Flügel aus.
Er schlug die Stühl’ und Vögel tot,
Die Katzen litten große Not.
Und höre nur, wie bös er war:
Er peitschte seine Gretchen gar!“
Tja, das war in der guten, alten Zeit der böse Friederich. Aber was soll's?! Schwamm drüber, lang ist‘s her.
Wenn dagegen Friederich Merz unterwegs ist & sein Unwesen treibt, dann leiden nicht so sehr die Fliegen, Stühle, Vögel, Katzen, Hunde oder irgendwelche Gretchen, sondern die deutsche Sprache, Logik, Sinn und Empathie und ein desolat ramponiertes Verständnis des simplen Wechselspiels von Ursache und Wirkung, eng verbunden mit einem un­kaputtbaren Faible für sauerländische Platitüden, so dass selbst der letzte adipöse, westfälische Kartoffelbauer runter mit den Nerven ruft „Üben, üben, üben, üben! Ansonsten: Geh doch nach drüben!“
Insofern scheint er mir genau die richtige Figur zu sein, um der CDU den Sprung ins Kanzleramt für die nächsten 10 Jahre ordentlich zu versaubeuteln. Dem Fernsehsender WELT aus dem Hause Springer munkelte Merz also am Montag apokalyptisch in die Kameras:
„Wenn Putin jetzt nicht gestoppt wird, dann macht er ..“, ja, bitte, was? Und gespannt wie ein Flitzebogen erwartete die willige WELT-Gemeinde in der politischen Quizshow von ihrem Merz diesmal eine einigermaßen stimmige Prognose und endlich radikale Maßnahmen ge­gen den Iwan und für alle Deutschen eine Familienpackung Merz-Dragees mehr. Wahlweise auch „Kijimea Reizdarm Pro“ in der Tube bis ans Lebensende.
Doch Merzens Lösung auf die selbst gestellte Frage „Wenn Putin jetzt nicht gestoppt wird, dann macht er …“ ging wieder mal nach hinten los und lautete - für Merz überraschend clever und schwer visionär: „… dann macht er weiter so.“
Hm. Okay, wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder 's bleibt wie es ist. Und trotzdem gab's dafür wohl stehende Ovationen. Man ver­steht die Welt nicht mehr.
25.4.22
Da hammer ja noch mal Glück gehabt
Emmanuel Macron ist jetzt auch nix weiter als der Sonnyboy des Großkapitals. Aber immerhin nicht so ein rassistisches Arschloch wie die Le Pen.
Auf die Froschfresser und Gänseleberstopfer ist doch letztendlich wiederum irgendwie Verlass.
22.4.22
„Ich halt‘s nich mehr aus“
Ukraine, Russland, Corona, erst 100 Millionen für die Bundeswehr, dann 1 Milliarde für Ruhe, Ordnung und Demokratie im Pose­muckelland und jeden Tag die neuen Knallkörper im Reichstag...
„Ich muss hier raus!
Ich halt‘s nich mehr aus!“
Bin aber am 25. wieder da.
21.4.22
Aus der Serie
„Aaah! Heute mal was ganz was Neues!“
Und es steht in allen Zeitungen, die Sie hier kriegen können:
„Der Verfassungsschutz warnt: Antisemitismus erreicht Mitte der Gesellschaft“
Wie? Äh… „...erreicht die Mitte der …“!? Wo war der denn dann vorher?
Es sei „erschreckend, dass antisemitische Narrative mitunter bis in die Mitte der deutschen Gesellschaft anschlussfähig sind.“ So der Verfassungsschutz.
So, so. Den Antisemitismus, eine Ideologie, die mit ihrem „theore­tischen“ Rüstzeug heute als eine klassische Ausgeburt der Mittel­schicht gilt und in ihrer Praxis auf direktem Weg nach Auschwitz führte, zum großen Zivilisationsbruch im 20. Jahrhundert, zum allgemein anerkannten Verbrechen gegen die Menschheit, bezeich­net der Verfassungsschutz - und ein banalerer Begriff ist ihm wohl nicht eingefallen – als „erschreckend“. Man fragt sich, ging‘s nicht noch 'ne Spur banaler? Doch sicher!
Die Mörderpropaganda, die lockere Rede über die Vernichtung der europäischen Juden, verklärt er zum modischen Füllhorn „antise­mitischer Narrative“, das „mitunter“, also irgendwie hier und da quasi diskursmäßig, „anschlussfähig“ wird, dem Verlauf einer Pest­epidemie nicht un­ähnlich, einer Massenparanoia oder Österreich '38, und lustigerweise ausgerechnet bei denen, die ihn ja gerade erfunden hatten, womit man nebenbei die „Mitte der deutschen Gesellschaft“ mit feinem Gespür säuberlich kurzerhand exkulpiert und zum eigentlichen, armen Opfer stilisiert hatte.
Und so wissen wir denn nun auch, wofür wir hier unbedingt diesen Verfassungsschutz brauchen.
P.s.:
In Kurzform zum Mitschreiben: Präsident des Verfassungsschutzes ist übrigens seit 2018 Thomas Haldenwang, laut Wikipedia, „CDU-Mit­glied und evangelischen Glaubens.“ Sein Vorgänger war ein gewisser Hans-Georg Maaßen (2012-2018), CDU-Mitglied und erklärtermaßen antisemitischen Glaubens. Und allein in so 6 Jahren kann man schon einiges herrichten und vernichten.
20.4.22
Heute ist der "Nationale Gedenktag …
Ja, was ist heute denn wohl für ein Tag? Hm? Richtig. Heute ist … ach, nee, komm, lassen wir das. Die Zeiten sind doch auch längst vorbei!
Selbst bei Wikipedia ist „Führers Geburtstag“ aus der „Liste der Feier- und Gedenktage“ ausradiert. Stattdessen haben‘s dort als einigermaßen sinnvolle Alternativen zu Führers Geburtstag nun den „Internationalen Welttag der chinesischen Sprache“ und den „Internationalen Kiffertag“.
Und wie die Vorsehung es so will, hat doch tatsächlich heute, am 20. April, der berühmte singende Vollidiot Xavier Neindu in einem 3-Minuten-Video der Weltöffentlichkeit expliziert, dass er sich in den letzten Jahren bei seiner vielen Querdenkerei öfter mal krass verdacht habe, sich nun bei seinen fanatischen Fans vielmals um ein „So Sorry! Es tut mir leid!“ bemühen wolle und sich hiermit von den Faschisten, den Besorgten & Beladenen zu distanzieren gedenke. (siehe auch: Gedenktag)
Ob er sich dann das heutige Datum mit Hilfe des Abzählreims „Ene mene muh, raus bist du“ selber ausgedödelt hat oder ob der 20. April doch eher einer latenten, homosexuellen Reminiszenz an Onkel Adi geschuldet ist, darüber darf ab morgen jedenfalls kräftig gerätselt werden. Nur eins steht fest: Zufall kann‘s nicht gewesen sein. Denn laut Xavier Neindu gibt es keine Zufälle.Und in diesem Fall – und nur in diesem Fall - hat der Vollidiot eben auch mal Recht.