Das Tagebuch

17.1.23
Die letzten Tage von Lützerath
„Wir lassen uns doch nicht auf der Nase rumtanzen!“
Friederich der Große
Alle mir bekannten Unken meinten: Das läuft eh alles wie gehabt. Nun ja, zunächst dachte man allerdings: Da schau einer an! Es geht auch anders!
Aber dann holten sie doch den Knüppel aus dem Sack und verteilten ihre kostenlosen Ohrfeigen, unterstützt von Wasserwerfer, Pferden, Hunden, Pfeffer­spray und gezielten Stiefeltritten in die Weichteile. Oscar der freundliche Polizist, hatte sich da wohl schon vorsorglich krank­schreiben lassen. So hieß es denn, als es der bis an die Zähne bewaffneten vermummten Ordnungsmacht zu bunt wurde: „Auf sie mit Geschrei und Gebrüll!“ Und die Bullen schlugen wieder zu, die Bagger baggerten und RWE hatte seine/ihre Ruh. Und so lief und war am Ende doch alles, wie gesagt, wieder wie gehabt.
Alles? Nein, nicht alles. Zum Einsatz kam auch der niegelnagelneue, an illegale Darkrooms gemahnende, knallschwarze, chice sog. Mehr­zweckschlagstock. Ohooo! Der Mehr­zweckschlagstock! *)
Doch von dem, liebe Kinder, von dem erzähl ich euch beim nächsten Mal.

*) Na, das stimmt natürlich nicht so ganz. So niegelnagelneu ist das Teil nu auch nicht mehr. Mit dem schlägt die Polizei sich schon seit einigen Jahren durch die letzten reformfreudigen Fronten. Mir war nur der interessante Fachausdruck für den staatlichen Totschläger bisher unbekannt. Mehrzweckschlagstock! Schätze, da kommt noch einiges auf uns zu....
16.1.23
Und noch‘n Rücktritt
Christine Lambrecht. Am Ende ging‘s ihr ja nur noch um Selbstver­teidigung. Was, wenn man sich‘s recht überlegt, eigentlich doch auch ganz im Sinne des Erfinders war, ist und auch so bleiben sollte.
Oder wie seh ich das hier?
Mit antiimperialistischen Grüßen

P.s.:
Als sich in den vergangenen Monaten durch immer seltsamere Akti­onen selbst bei den Verteidigern der Verteidigungsministerin der Verdacht verdichtete, dass diese Frau nicht ganz dicht sein kann, wurde immer klarer, dass mit ihr eine weltweit gefürchtet- und ge­achtete, vereinte, europäische, robuste (Die FDP hätte hier noch gern das Wörtchen ‚geile‘ eingefügt), willige, schlagkräftige (wat hamma noch?), ach ja, zivilisierende zivilisierte Militärmacht nicht aus dem Hut zu zaubern ist. Und neben den USA, Russland und China sollte Europa doch wenigstens auch einen Platz an der Sonne usw.
Aus den europäischen Ausländern wurde so aus nicht ganz uneigen­nützigen Motiven immer wieder der Wunsch an Berlin herange­tragen: „Liebe Deutsche, übernehmt ihr einfach mal die Führung! Ihr kennt euch da doch aus!“ Die SPD zögerte zu Teilen bis heute, Grüne und FDP fühlten sich gebauchpinselt und die CDU/CSU riefen „Hosianna, Halleluja!“, weit davon entfernt, die Hinterfotzigkeit der auslän­dischen Lobhudelei auch nur ansatzweise zu erahnen. Da brauchte es nicht mal mehr dieses ominöse Sylvestervideo. Die Frau stand schon vorher auf der Abschussliste.
Jetzt hat das Wort von der Führung für die Deutschen einen doch eher heiklen Beiklang. Deshalb spricht man hierzulande auch lieber von Frieden und Verantwortung. Und schon in den 80ern schrieb Wolfgang Pohrt:
„Und wenn manche Friedensbewegte meinen, gerade als zwei­maliger Kriegsverursacher habe Deutschland eine besondere Ver­antwortung für den Frieden, so ist dies ein Kalkül, welches den Bock zum Gärtner macht, ohne diesen Trick wenigstens verheim­lichen zu wollen und ohne dabei zu erröten. Kein Mensch käme sonst auf die Idee, etwa einen mehrfach vorbestraften Sittenstrolch ausgerechnet zum Leiter eines Kindergartens zu machen, mit der Begründung: durch die von ihm begangenen Verbrechen sei ihm nun eine besondere Verantwortung für und Eignung zur Verhinderung solcher Verbrechen zugewachsen.“
Man darf also gespannt sein, wer nach der Lambrecht auf dem Schleudersitz landet.
15.1.23
Und die Katze sprach zur Maus:
„Schön friedlich bleiben! Geh nach Haus!
Dann kommen wir –
das Spiel ist aus -
auch gut zusammen
äh, miteinander aus.“
Das war jetzt für manch einen vielleicht ne Spur zu abstrakt. Wer es lieber konkret mag:
Die Grenze - und da können die beiden nix für - verläuft ja nun mal nicht zwischen Luisa Neubauer und Mona 'Lisa' Neubaur, sondern wie immer und überall zwischen Oben und Unten.
Man muss sich nur entscheiden.
14.1.23
Die gute Nachricht ...
… kommt heute aus der ‚Spiegel-Kultur‘-Redaktion:
„Nach rund 16 Jahren wird der ARD-Sonntagstalk »Anne Will« eingestellt.“
13.1.23
Freitag, der 13.
Nichts als die Wahrheit
Nur beim Thema Sex wird noch mehr gelogen als in der katholischen Kirche. Wenn jedoch beides zusammen auf den Tisch kommt, wird's kriminell. Der Opus-Dei-Mann und Furienkardinal Dr.juris canonici Georg Gänswein hat am heutigen Tage in seiner Funktion als lang­jähriger Privatspezi von Papst Ratzefummel Benedikt XVI. nun in der vatika­nischen Show­time-Arena seine langerwartete Stinkbombe platzen lassen.
Das gesalbte Buch trägt den Titel „Nichts als die Wahrheit“, und wenn Sie, verehrte Leserschaft, zur Abwechselung mal nichts als die Wahrheit lesen wollen, dann greifen Sie schnell zu. Denn kirchliche Wahrheiten halten sich, obwohl in ihrer Lebensunfreundlichkeit durchaus vergleichbar, nicht halb so lange wie Atommüll.
12.1.23
Sauerländische Leitkultur
10 Tage nach der Sylvesterböllerei waren‘s bei ‚Markus Lanz‘ immer noch „145 Straftäter, von denen zwei Drittel einen Migrationshinter­grund haben.“ Dann muss der Polizeisprecher wohl eine Erleuchtung gehabt haben. Jedenfalls hieß es am nächsten Morgen plötzlich, von den 145 waren zwei Drittel Deutsche, hatten also mitnichten einen Migrationshintergrund, und nur 38 von denen waren festgenommen worden wegen Böller-Attacken auf Polizisten und Feuerwehrleute.
***
„Ich finde es grauenhaft. Das ist völlig inakzeptabel, dagegen müs­sen wir etwas tun.“ So begann Friederich der große Sauerländer Merz gestern Abend bei ‚Lanz‘ seine Regierungserklärung und forderte vor allem härtere Strafen. Dabei geht es Merz jedoch längst nicht mehr nur um Migranten:
„Sie können das bis heute sehen, was zum Beispiel gerade in Lütze­rath passiert. Dass aus der Klimabewegung die Polizei angegriffen wird. Das hat mit Meinungs- und Demonstrationsfreiheit nichts mehr zu tun. Das sind Gewalttaten, das sind Straftaten.“
Das größte Problem sieht Merz jedoch - und da simmer auch schon wieder bei den Arabern - in mangelnder Integration eines Teils der Jugendlichen:
„Wir sprechen über Menschen, die hier in Deutschland eigentlich nichts zu suchen haben.“ Konstatiert Friederich, der Polyglotte mit der sauerländischen Leitkultur. Und dann bricht er, der Feminist der ersten Stunde, eine Lanze für all die sinnlos überforderten Lehrer­innen, die sich Tag für Tag mit diesem „respektlosen“ arabischen Pack – das hat er zwar so nicht gesagt, aber so gemeint – herum­schlagen müssen:
„Und dann wollen sie diese Kinder zur Ordnung rufen und die Folge ist, dass die Väter in den Schulen erscheinen und sich das verbitten, dass die Lehrerinnen die Söhne, die kleinen Paschas, mal etwas zurechtweisen.“
Was in der Schule beginne, setze sich später auf der Straße fort. Das will Merz, der Kanzler der Zukunft und Kaiser von China, nicht hinnehmen:
„In diesem Land hat jeder eine Chance. Und wer sich nicht daran hält, der hat in diesem Land nichts zu suchen.“
Geschweige denn was zu finden.
11.1.23
Kurze Fascho-Zwischenbilanz:
Wo sind denn all die Arschlöcher für Deutschland abgeblieben?
Man hört ja so rein gar nix mehr von euch. Wasis‘n los? Kein Bock mehr auf Reichstagserstürmung? Keine Ideen für neuen Verschwö­rungsquatsch? Keine Lust auf bißchen Beinevertreten montags in der Innenstadt? Was is mit euren Sorgen und Nöten? Keine Lust mehr, den Doofmann zu markieren? Keine Idee, kein Saft, keine Power? Nicht mal ein Feetback, kein Tritt in den Arsch? Hat sich's bei euch ausgeburnt? Alles schon hunderttausendmal gesagt? Und trotzdem nix passiert?
Komisch.
Und wo seid ihr jetzt? Wie? Wieder zu Hause? Und alles ganz fried­lich und normal? Alles wie früher? Ihr seid alle wieder da, wo ihr hergekommen seid?
Hm, das klingt jetzt aber auch nicht gerade beruhigend.
10.1.23
Das finde ich gut!
Ich finde ja nicht alles schlecht. Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ schreibt zum Beispiel:
„Zeit für Abschied
Viele Künstler beenden ihre Bühnen-Karriere“
Wie z.B. Elton John, Dieter Bohlen, Jürgen Drews und Vicky Leandros. (Ich könnte noch so'n paar Kandidaten nennen.)
***
Weiter schreibt der Stadtanzeiger:
„Finanzminister wegen Hauskredit unter Druck
FDP stellt sich hinter Lindner“
Da gehört ihr auch alle hin!

***
Und was war noch?
Richtig. Wenn die grüne Wirtschaftsministerin und Stellvertretende Ministerpräsidentin von NRW, Mona Neubaur, sagt:
„Damit die Energieversorgung in diesem und im nächsten Winter gewährleistet werden kann, muß Lützerath geräumt und die Kohle darunter zur Verfügung gestellt werden,“
dann haben wir hier einen neuen Weltrekord vor uns! Goldmedaille in den Disziplinen Krötenverputzen, Barmherzigkeit und Mitmachen beim letzten großen Rattenrennen.
***
Und noch eine ‚Stadtanzeiger‘-Meldung zum Schluss:
„Claudia Effenberg will keine Genitalien essen
Die Dirndl-Designerin Claudia Effenberg (57) hat ihrer Familie vor dem Abflug ins Dschungel-Camp ein Versprechen gegeben. Auf die Frage, wie ihre Familie auf ihre Teilnahme an der RTL-Realityshow ‚Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!‘ reagiert haben, sagte die Ehefrau von ex-Fußball-Star Stefan Effenberg der ‚Bild‘: ‚Meine Tochter ist jetzt nicht vor Begeisterung in die Luft gesprungen. Mein Sohn freute sich wie ein Schnitzel, der fand das mega.‘ Er habe aber eine Bedingung gehabt: ‚Du isst keinen Schniedelwutz!‘ Das habe sie ihm versprochen.“
Als der liebe Gott damals die Welt mit seiner Krone der Schöpfung adelte, hatte er aber mit Sicherheit nicht an so was wie Claudia Effenberg gedacht.
9.1.23
Respekt!
Manchmal freut es einen aber auch, wenn Christian 'Chrissy' Lindner in den Schlagzeilen auftaucht:
„Staatsanwaltschaft prüft Aufhebung der Immunität“
Sagen se mal, was war denn da schon wieder los, Herr äh Lindner?
Ach, gar nix. Was soll denn da schon groß gewesen sein?! Gar nix!
Och, echt? Ich kann Ihnen da, wenn Sie so wollen, ein wenig auf die Sprünge helfen.
Will ich aber gar nicht!
Hm, ich aber!
Also:
2021 hat er sich von der BBBank in Berlin zu ungewöhnlich guten Konditionen ein 1,65 Millionen Euro schweres Zweifamilien­häusken finanzieren lassen. Kurze Zeit später oder vorher produzierte er auf Bitten der Bank ein dreiminütiges Videogrußwort. Anlass war das 100-jährige Bestehen des Geldhauses, und in der Botschaft hieß es in Lindners Redemanuskript: „Die BBBank ist mir von Grund auf sym­pathisch.“
Da haben sich ja welche getroffen!
Tja, so macht man das. Bzw. so macht man es nicht, wenn man sich den Staatsanwalt vom Hals halten will. Aber man macht das halt so, wenn man unbedingt am Katzentisch der Bourgeoisie wenigstens den Resteficker geben will. Und wie man sieht, ist unser süßer, um­triebiger Bundesfinanzminister selbst dafür zu dämlich.
Doch wenn dieser Typus zur selben Zeit beim liberalen Dreikönigs­treffen engagierten Jugendlichen von der Bühne des Stuttgarter Opernhauses mit der grinsenden Visage der herrschenden Klasse zuruft:
„Klebt euch ruhig fest und nehmt viel Kleber. Denn wenn ihr hier klebt, könnt ihr niemanden sonst behindern,“
dann hat er es in zwei Nebensätzen geschafft, der neudeutschen Forderung nach „Respekt vor Politik und Polizei“ massenwirksam das zuteil werden zu lassen, was sie verdient hat, nämlich drauf geschissen zu sein. Respekt!