Das Tagebuch

3.6.24
Die Sonntagsfrage zur Europawahl
CDU/CSU 29 (0,1)
SPD 14 (-1,8)
Grüne 13 (-7,5)
FDP 4 (-1,4)
Linke 3 (-2,5)
BSW 7 (+7)
AfD 16 (+5)
2.6.24
Ein großdeutscher, denkwürdiger Tag
Der Tag, an dem der Student Benno Ohnesorg auf einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin von hinten von einem Polizisten erschossen wurde, von einem Polizisten, der als Ossi, was man damals noch nicht wusste, im Auftrag der Stasi den Mord zu einer gesamtdeut­schen Tat veredelte.
1.6.24
Kein Herz für „priesterliche Schwulitäten“
Bekanntlich spricht der Papst manchmal etwas wirr und verquer. Dann aber läuft er wieder zur Höchstform auf und redet äffäffäffäff, frisch, fromm, fröh­lich, frei von seiner Leber weg, was regelmäßig zu gewissen Irrita­tionen bei „urbi et orbi“, bei sich und dem ganzen Erd­kreis führt. Diesmal ist Franziskus nach Meinung vieler interessierter Dreibeiner in gut unterrichteten Kreisen aber zu weit gegangen. Hinter verschlossenen Türen hatte er nämlich den im Vatikänchen versammelten Priesterseminaristen seine brüderlichen Leviten über deren gepflegt schwul-schwülen Umgang untereinander um die gerö­teten Öhrchen gepudert und dabei das italienische, leicht frivole Um­gangswort „frociaggine" benutzt, was auf deutsch so viel heißt wie „Schwuchtelei“ oder „Schwulität“.
Und schon war wieder eine dieser dummen Rechtfertigungs-, Rich­tigstellungs- und Erklärungsorgien von Nöten. Natürlich und selbst­verständlich hätte er damit nichts gegen Schwule, Schwulitäten oder Schwuchteleien sagen wollen. Nur sollten die lieben Brüder doch in Zukunft ihre etwas andere Art nich so dermaßen … ach, hach, liebste Schwestern, ihr wisst schon, was ich meine ... so dicke ausm Rah­men hängen lassen. Capito?
Das war jetzt ex cathedra. Kapiert?
31.5.24
Der US-amerikanische Vollhorst
in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen
Na, da dürfen wir uns ja heute schon auf eine 2. Amtszeit freuen. Und sagen se jetzt nicht, so was wäre in Europa nicht möglich. Zwölf Jahre schafft der jedenfalls nicht mehr.
25.5.24
Bin mal eben…
… kurz weg. Bis zum 3. Juni. w
24.5.24
„Merz: Deutschland hat beim Hochwasser mitgefühlt“
*** Auch wenn sich Ihnen, liebe Leser, nach den ersten Sätzen der Magen umdreht und damit droht, alles wieder retour zu schicken, lesen Sie den Artikel bitte zu Ende. Man lernt trotzdem was dazu.*** Bitte schön! ‚RTL.de‘ berichtete gestern über das Hochwasser und seine Besucher dieser Art:

„Das Hochwasser am vergangenen Wochenende im Saarland hat laut CDU-Chef Merz viele Menschen in Deutschland bewegt. Auch bei ihm klingelte oft das Telefon.
Nach dem verheerenden Hochwasser im Saarland hat CDU-Chef Friedrich Merz allen Helfern gedankt. Es hat in ganz Deutschland eine große Solidarität, ein großes Mitgefühl mit Ihnen gegeben, sagte er am Mittwochabend bei einer Wahlkampfveranstaltung in Saarlouis zu den Saarländern. Er wolle seine Rede verbinden mit mit einem ganz, ganz herzlichen Wort des Dankes, an alle die, die eine so großartige Solidarität geleistet haben mit denen, die von dieser Flut und von diesem Unwetter betroffen waren. Es seien derzeit heraus­fordernde Zeiten.
Er rief die Menschen im Saal auf, sich an einer Spendensammlung für die Flutopfer im Saarland zu beteiligen. Und ich weiß ja: wenn es wirklich mal hart auf hart kommt, dann hält das Saarland zusammen, sagte Merz. Das mache einen großen Teil seiner persönlichen Zu­neigung zum Saarland aus. Auch bei ihm zu Hause habe es beim Hochwasser viele Anrufe gegeben von Menschen, die gefragt hätten, ob die Familie seiner Frau, die aus dem Saarland stammt, Schäden erlitten habe.
Am Pfingstwochenende kämpften vor allem Menschen im Saarland und im Südwesten von Rheinland-Pfalz gegen Hochwasser und Überschwemmungen. Enorme Regenmengen hatten dort für Über­flutungen, Erdrutsche und vollgelaufene Straßen und Keller gesorgt. Im Saarland starb eine 67-jährige Frau. Dort hatte es mehr als 4000 Einsätze gegeben.
Merz sagte, die Wettereignisse mit dieser Häufung und dieser punk­tuellen Intensität seien etwas Neues. Und das hat etwas zu tun mit dem Klima, sagte Merz. Deswegen sei man sich mit den Menschen im Land einig, dass man etwas tun müsse. Das gehe aber nur, wenn Deutschland wirtschaftlich stark sei. Und ich sage das auch hier im Saarland: Die Bundesrepublik Deutschland muss ein Industrieland bleiben.“

Und das alles ohne ein einziges Anführungszeichen. Keine Zitate, nur indirekte Rede. Keine Trennung von Fakten und Kommentar, und außer dpa keine einzige Quellenangabe. Und dann auch noch alles komplett+wortwörtlich abgekupfert von ‚ntv‘. Wobei es vielleicht auch umgekehrt war.
Egal. Haben Se's geschafft? Ohne sich zu bekleckern?
Eigentlich sollte jetzt noch mein Vortrag über Politiker- und Journa­listenkitsch, Propaganda und Völkerverarschung folgen. Weil m.e. der Journalismus bald ein grotesk anderer sein wird und die Zei­tungen dementsprechend wohl auf Klopapier gedruckt werden. Ich lass es aber.
Nur eines noch:
Kanzler, die sich Gummistiefel überziehen, um in flutenden Zeiten zu zeigen, wie doll sie selbst Deiche weichtrampeln können, oder bei ähnlicher Gelegenheit während einer Trauerrede im Hintergrund Witze erzählen und in schallendes Ge­lächter ausbrechen oder wie Merz nur verlogenen Schmonzes von sich geben ... nein, nein, nein, da war mir einer lieber, der fein zu Hause blieb, (was auch unange­bracht und nicht die feine Art war), und seinen Sprecher verlautbaren ließ, „auch in Zukunft nicht in Beileidstourismus verfallen“ zu wollen.
Aber die Zeiten sind leider auch vorbei.
23.5.24
Wann war noch mal Weltuntergang?
Wer nach dem „mutmaßlichen“ Spitzengaunertheater um diesen Maximilian Krah und wer nach der Aufkündigung der internationalen Freundschaft durch die Nazissin Marine LePen und ihre Faschisten, wer nach dem Reichsbürgerquatsch im braunen Kordanzug, nach Höcke und Gaulands 1000-jährigem Fliegenschiss und dem üblichen Machthickhack, wer nach dem und dem und alledem bei der Europa-Wahl in 2 Wochen trotzdem und sei es nur aus Trotz seine Stimme den Nazis gibt, also den amtlichen Nazis, den 120-prozenti­gen, den original Arschlöchern für Deutschland, dann … äh ...
dann wissen wa ja wenigstens ziemlich genau, wie viel hartgesotte­ne, unverbes­serlichene Faschisten hier auf er Matte stehen.
22.5.24
Den Bach runter
Eine aktuelle Studie über den Geisteszustand „unserer“ Jugend gibt kaum Anlass zu größerer Hoffnung auf Verbesserung:
Werden die Menschen endlich Brüder
oder am Ende nur noch blöder?
Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ – da kennt der nix – und schreibt:
„Rund 20 Prozent der Zwölf bis Neunzehnjährigen Menschen in Deutschland haben einer Studie zufolge noch nie vom Klimawandel gehört.“
Das kann doch gar nicht sein! werden Sie jetzt sagen. Also, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall muss da die arme Greta aber noch so einige Male mitm Böötchen übern großen Teich schippern oder wie seh ich das?
21.5.24
In den wohlverdienten Ruhestand
Bei einem Hubschrauberabsturz, den keiner der Insassen überlebte, hat der iranische Präsident Ebrahim Raisi nach Ansicht seiner Fa­mi­lie die Gelegenheit genutzt, direkt zu Allah weiter zu fliegen. (Diese 1A-Himmelfahrten gibt’s eben nicht nur bei der christlichen Kon­kurrenz.)
Egal. Herr Raisi, meine Damen und Herren, war übrigens unter den Übelsten einer der Ultraübelsten (wenn man da überhaupt differen­zieren mag) und hatte sich den heiligen Stuhl bei Allah mit Krieg, Folter und Unterdrückung redlich verdient. Nach menschlichem Ermessen und allen allgemein anerkannten humanistischen Wert­vorstellungen wird ihm wohl deswegen auch kaum jemand im Iran eine Träne hinterher weinen. Der ‚Kölner Statdtanzeiger‘ jedoch wagt die steile These:
„Iran nach Tod von Raisi unter Schock“
Werter Kölner Stadtanzeiger, inzwischen sind wir ja so Einiges von Ihnen gewohnt, aber wen wollen Sie denn jetzt damit verscheissern?