Das Tagebuch

1.10.19
So, da bin ich wieder
Kleine, aufmunternde Anekdote zum Wiedereinstieg in unsre offene Gesellschaft:
Tatort Köln, gestern 9 Uhr morgens, U-Bahnhaltestelle Severinstr.. Gehe zum Aufzug und finde noch ein Plätzchen bei den 7 bereits Anwesenden, 3 Männer ü 50, flott identifiziert als Vertreter aus dem Morgenlande, 2 nichtssagende Jugendliche mit Knopf im Ohr und eine Frau mit Kinderwagen. Da will plötzlich noch ein rüstiger, gut gekleide­ter Herr u 50, ebenfalls mit Kinderwagen, Marke stolzer Vaterschafts­urlauber, mit in den doch offensichtlich schon vollen Aufzug, drängelt und poltert an der Tür rum und schnauzt uns an:
„Machen se gefälligst Platz oder kommen se raus und nehmen se die Treppe. Sie sind ja wohl noch alle gut zu Fuß!“
Da sag ich freundlich und ein wenig Mitleid heischend:
„Ich habe aber ganz schlimmen Arschkrebs, mein Herr. Und ich ha­be nur noch drei Wochen zu leben. Lassen se mir doch die Freude, in der Zeit, die mir noch bleibt, 'n bisschen mit dem Aufzug hier zu fahren.“
Und dann traute ich meinen Ohren nicht:
„Komm da raus!" schrie mich der feine Herr an. „Ich hau dir direkt einen aufe Fresse!“
13.9.19
Ich bin
in 2 Wochen wieder da.
12.9.19
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

Weh mir, wo nehm ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde ?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

Hölderlin
11.9.19
9/11
...
10.9.19
Fürs Archiv
(Denn dafür war's auch wohl gedacht)
Kanzlerin Merkel im Bundestag:
„Wenn nicht klar ist, dass es in diesem Land null Toleranz gegen Rassismus, Hass und Abneigung gegen andere Menschen gibt, dann wird das Zusammenleben nicht gelingen. Das, was wir täglich erleben an Angriffen auf Juden, Angriffen auf Ausländer, Gewalt und auch verhasste Sprache - das müssen wir bekämpfen.“
Na prima! Und supi, supi, supersupi!
Und so würd' ich sagen: Aufi geht’s! In die Riemen und in die Hände gespuckt! Denn wenn dies Volk sich also um 180 Grad drehen soll, dann müsst ihr aber auch mit gutem Beispiel …
Allein, mir fehlt der Glaube.
(Trotzdem und dem und alledem:
Ich kassadra mal heute: Wir werden uns noch eines Tage nach dieser Frau zurücksehnen ...
9.9.19
Hallo Wutbürger und Wutbürgerinnen!
Liebe Arschlöcher für Deutschland!
Heute ist „Welt-Tollwuttag“. Wär' das nicht ein schönes Datum für euch?
8.9.19
Doch noch Zeichen & Wunder in der katholischen Kapelle?
Noch vor wenigen Erdumdrehungen hatte der lustige Vorsitzer der Deutschen Bischofskonferenz Kardinal Marx diesen ääh Zölibat verteidigt. Den Frankfurter Sonntagsschreibern der 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung' verkündete er jedoch nun, dass es unter bestimmten Voraussetzungen vorstellbar sei, verheiratete Priester zuzulassen.
Demnach könnte er, der mit allen Weihwassern der 7 Weltmeere gewaschene Käpt'n Iglu vonne Arche Noah, sich in einzelnen Fällen auch eine Einschränkung des Zölibats vorstellen. Es sei möglich, dass man zu dem Ergebnis komme, Zitat: „dass es sinnvoll ist, unter bestimmten Voraussetzungen in bestimmten Regionen verheiratete Priester zuzulassen.“
In bestimmten Regionen! Hm.
Der Vatikan habe das Thema Priesterzölibat auf die Tagesordnung der Bischofssynode in Rom im Oktober gesetzt. Die Mitglieder wollen dann, Zitat: „über eine begrenzte Zulassung verhei­rateter Priester im Amazonasgebiet beraten.“
Im Amazonasgebiet.
Da bewegt sich also doch noch was.
Im Amazonas.
Nee, im Ernst! Ich hatte bei diesen Brüdern ja gar nicht mehr mit einem dermaßen dicken Reformpaket gerechnet! Okay, ein verhei
rateter Pfaffe in der ersten Raumstation auf dem Mond … das wär' aber auch beim besten Willen das höchste der Gefühle gewesen, wozu meine Phantasie vielleicht gereicht hätte ...
Im Amazonas ...
Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen.
7.9.19
Nicht die 'heuteshow'
Die 'tagesschau.de' berichtet unter der Überschrift „CSU prescht beim Klimaschutz vor“:
„Als erste Partei der Großen Koalition hat die CSU ein Kli­makonzept verabschiedet. Von einem "Klimaplan statt Klimaideologie" sprach Parteichef Söder.
Söder sieht seine Partei inzwischen als neuen Vorreiter in der Klima­schutz-Politik - auch vor den Grünen. Die Grünen fielen im Moment "als intellektueller Sparringspartner beim Klimaschutz aus", befand Söder. Dagegen habe die CSU nun ein umfassendes Konzept, das Klimaschutz mit Vernunft betreibe, einen "Klimaplan statt Klimaideo­logie". Die CSU betreibe "Klimaschutz mit offenem Herz und schar­fem Verstand". Leitmotiv sei, Klima und Konjunktur miteinander zu verbinden und Klimaschutz zu einem "echten Mitmachprojekt" zu machen. Deshalb wolle man mit Anreizen und Innovationen arbeiten und nicht mit Verboten. "Wir beleben eine Ur-DNA der CSU wieder."
Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte: "Wir be­stimmen seit Monaten die öffentliche Debatte mit unseren Beiträgen zum Klimaschutz." Die CSU sei "ein Stück Vorreiter und Vordenker" - man binde Klimaschutz und Konjunktur "zu einem Zukunftspaket" zusammen.“
Sie sind sich dessen nicht bewußt, aber auch solcherat Politgrütze läuft gemeinhin unter Diagnose Sprechdurchfall.
6.9.19
„Wer hat uns verraten ...“
In lockerer Folge (Neue Rubrik) wollen wir hier ab heute prominente Sozialdemokraten mit therapieresistenter Logohrrö der Öffentlichkeit prä­sentieren, auf deren pathologischen Senf - laut reprä­sentativer Forsa-Um­frage unter 6 Milliarden Menschen - nun wahrlich niemand gewartet hat und im Übrigen eo ipso sowieso gut & gern geschissen ist:
Gerhard Schröder, zusammen mit Armin Laschet beim Interview der Rheinischen Pest über die Kanzlerkandidatensuche von SPD und CDU und das pralle Leben als ehemaliger Reform-Clown und Nerv­töter, über seinen lieben Rasputin, Mundgeruch und die klassischen Probleme kleiner Männer und dies und das:
„Ich würde ein gutes Abendessen in diesem schönen Restaurant darauf verwetten, dass die CDU am Ende auf Armin Laschet zu­kommen wird.“
Wie gesagt: Das alles ist vollkommen überflüssig, egal und schrö­dereskes Kinderpipi, aber eben halt auch typisch SPD. Muss man wohl mit leben.