Das Tagebuch

2.10.22
Ein Büchertipp für den goldenen Oktober
„Ein Schritt vorwärts und zwei zurück ...“ Der Gedanke ist zwar ein alter Hut und stammt von diesem Wladimir, Wladimir Iljitsch Lenin, muss deswegen aber ja nicht unbedingt falsch sein. Die Fran­zosen hatten seinerzeit mit ihrer Revolution auch nicht gerade das große Los gezogen und dann den Jackpot sinnvoll verteilt, hatten aller­dings ihren brotlosen Schafen auf radikale Art und – da war das Wort noch gar nicht erfunden – sehr NACHHALTIG gezeigt, wo die Kapel­lentüren nach außen aufgehen.
Hier in unseren Breitengraden hat man bis heute nicht einmal den Schuss gehört. Dafür basteln sie mit vereinten Kräften und blind wie die Grottenolme * an der Realisation der Restvision: „Zwei Schritte zurück“. Und dort, hinterm Horizont, soll's wohl weitergehen.
Okay, meinetwegen. Worauf das dann aber hinausläuft, wenn man die Religionskritik Allah, Gott oder irgendwelchen Voodoo-Püppchen und Grottenolmen überlässt (siehe auch: „Maria 2.0“) bzw. deren Statthaltern hier auf Erden … ach, Herrje, das wird jetzt aber eine unendliche Geschichte ...
Nur einen Satz noch:
Und selbstverfreili ist Herr Recep Tayyib Erdogan eine Kanalratte. Eine klassische sogar.
So, und nu das passende Büchlein dazu:
„Lob des Laizismus“ von Caroline Fourest,
Edition Tiamat / Klaus Bittermann-Verlag, Berlin.
Viel Spass!
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„Der Grottenolm ist ein dauernd in Larvenform und nur in Höhlen­gewässern lebender europäischer Schwanzlurch.“ (WikiPedia) Außerdem ist er vollkommen ideenlos und durchsichtig und sieht m.e. obendrein noch superscheiße aus.
1.10.22
Wieder neu entdeckt
„Exit Wounds“
von Jacob Dylan and the Wallflowers (2021)
30.9.22
Erdo, unsre kleine, süße Kanalratte
Wolfgang ‚Icki‘ Kubicki, die berühmte, liberale Knalltüte aus dem kühlen Norden, bekam dieser Tage nette Post aus Anatolien ins Haus geflattert - eine Strafanzeige wegen Beleidigung! Angezeigt hatte ihn der osmatisch-türkische Staatspräsident himself, der Regie­rende Mittelfinger des Propheten, der Herr & Meister und künftige Suren-Sultan Recep Tayyib Erdogan, weil Kubicki ihn im Zusammen­hang mit der halsbrecherischen deutsch-türki­schen Flüchtlingspolitik als „Kanalratte“ ausgezeichnet hatte. Erdo, die Kanalratte!
(An dieser Stelle könnten wa jetz witz-technisch ohne Weiteres eigentlich schon nach Hause gehen. Aber weil da noch was Schönes kommt, mach' ich ma‘ weiter.)
Seit 2014 soll der grobe Tünnes der Dardanellen 200.000 solcher Verfahren angestrengt haben. Kubicki sagt, das sage eigentlich schon alles. Und seinem eigenen Fall sähe er auch absolut gelassen entgegen. Schließlich sei die Bezeichnung „Kanalratte“ gar keine richtige Beleidigung, sondern eher durchaus als Lob zu verstehen. Eine Kanalratte sei ein kleines, niedliches, gleichwohl kluges und verschlagenes Wesen, weshalb sie auch in Kindergeschichten als Protagonistin auftritt, zum Beispiel „Kalle Kanalratte“.
Mit andern Worten:
Kanalratten gib‘ et gar nich. Nur in Kinnerbüchern. Aber … aber es gibt Staatenlenker, die all ihre ausgesuchten Staatenlenkerweis­heiten direkt und original nur aus Kinderbüchern beziehen konnten, durften, wollten oder mussten – wie höchstwahrscheinlich auch Erdo, unsre süße Kanalratte aus Kleinasien. Ja, und die 2 Bücher hatt‘ er dann auch noch falsch verstanden. Die arme Sau.
30.9.22
Wimms, Wamms und Doppelwumms
„Es geht darum, zügig und für alle schnell feststellbar, die Preise für die Energie zu senken. Die 200 Milliarden Euro versetzen die Regierung in die Lage, auf die vorgesehene Gasumlage zu ver­zichten. Man kann sagen, das ist hier ein Doppelwumms“, meinte am Ende der Sitzung der Doppelwumms- und Ampelkanzler Scholz ganz erregt und voller Stolz.
Hammer, Leute! "Doppelwumms"! Is ja supi! Um nich zu sagen: Doppelsupi. Ihr seid euch wirklich für nix zu schade, ne!
Und Habeck ergänzte, die Gasumlage werde nun in die „Annalen der Geschichte eingehen“.
Aber, Kinners - beim "Eingehen" in die Annalen - bitte etwas vor­sichtiger und behutsamer sein als sonst, bitt'schön.
29.9.22
Wie geht‘s uns denn so?
Der Ostbeauftragte der Bundesregierung (Mein Gott, was für ein Wort und was für ein Job!?) hatte heute ausnahmsweise wieder was zu sagen. Und er sprach:
„Nur noch 39 Prozent der Ostler und 59 Prozent der Wessis sind mit der Demokratie zufrieden. Und nur noch 43 Prozent der Ossis und 58 Prozent der Westler meinen, dass man in Deutschland seine Meinung immer frei äußern könne, "ohne Ärger zu bekommen".
Und 44 Prozent aller Befragten erklären, dass ihnen die Politik zu kom­pliziert ist.“
Tja, Fazit also: Es läuft, so der aktuelle Stand, alles mehr oder weniger den Bach runter, die Stimmung, das Klima, die Politik,
und der Bach ja sowieso. Das war früher wohl nicht so, als es noch Maikäfer gab. Jetzt fragen alle: Wie kann das? Wie kam das? Wie kommt das? Nun, das kommt davon, wenn man die falschen Fragen stellt. Richtig hieße die Frage nämlich:
„Welches bisher praktizierte System hätten‘S denn gern?“ Mit der multiplen Zusatzfinfo: „Heute haben wir da im Angebot folgende zwei echte deutsche Alternativen ...
Na, Scherz beiseite! Schätze, dass die Realität in Wirklichkeit (Man denke nur an Helmut Kohl: „Die Realität ist eben anders als die Wirklichkeit“) noch mal anders aussieht und es noch finsterer ist, als sich so ‘n Ostbeauftragter überhaupt zusammenforschen kann. Denn was soll man von einem Umfrage-Ergebnis halten, wenn allein 57 Prozent der Ossis glauben, wegen ihrer Antwort Ärger zu krie­gen? Andererseits: Warum geben dann 44 Prozent hier brav Antwort, wenn ihnen das alles zu kompliziert ist?
Wahrscheinlich kommt‘s auf die Dunkelziffern gar nicht so drauf an. Wenn‘s hier tatsächlich eskaliert, weiß man durch die Nachforsch­ungen von so 'nem Ostbeauftragten wenigstens in etwa (und ich meine, ich hätt‘s hier auch schon mal angedeutet), wann man in diesem Land die Koffer zu packen hat. Goodbye, Deutschland.

P.s.:
Nur, die Länder, wohin man dann abhauen könnte, werden auch von Wahl zu Wahl immer weniger... Und was bin ich manchmal froh, dass ich schon 66 bin!
Na, vielleicht fängt das Leben ja, wie manche früher sangen, dann auch erst richtig an.
Ma‘ kuck‘n.
28.9.22
Alte Zwischen-Flötentöne aus dem Sauerland
oder
Wenn man ihn denn für voll nähme und für bare Münze
Wenn man ihn denn für voll nähme und für bare Münze,
diesen Fritzen, diesen popolären Volksvertreter Merz,
bzw. wenn man seine Worte für voll und bare Münze nähme,
wenn man ihm auf diese Art - von mir aus sogar - Achtung erwiese, Glauben sch­enkte und so durchaus mit tiefstem Respekt begegnete,
wenn man ihn also für das nähme, für was und wie er sich selber auch nähme, nämlich fürwahr für voll, für wahr & bare Münze ...
wenn ...
ja wenn …
dann müsste man aber auch diesen seinen gestrigen Spruch zitieren zum angeblichen Urlaubsverhalten ukrainischer Flüchtlinge:
„Wir erleben mittlerweile einen Sozialtourismus unter diesen Flüchtlingen aus der Ukraine“ bla bla bla, die, so unser christ­licher Flöten­fritze, munter zwischen Deutschland und der Ukraine hin- und her­reisten zum Zwecke der Erschleichung sozialer Gelder; siehe auch „Sozialschmarotzer“ etc.pp ...
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(Kleine Rückblende)
"Wenn wir hier eine Einwanderung in die deutschen Sozialsysteme kriegen, werden wir uns dagegen wehren bis zur letzten Patrone."
(Horst Seehofer vor einigen Jahren. Aber der hatte noch nie alle Tassen im Schrank.)
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Wenn man ihn also für voll nähme und für bare Münze,
dann müsste man natürlich fairerweise auch den grandiosen Shit­storm erwäh­nen, der ihn daraufhin ereilte,
und … und seine diesbezüglich, unverzüglich folgende, grandiose Entschuldigung für den asozialen Aus­flug in den „Sozialtourismus“:
„Mir lag und liegt es fern, die Flüchtlinge aus der Ukraine, die mit einem harten Schicksal konfrontiert sind, zu kritisieren. Wenn meine Wortwahl als verletzend empfunden wird, dann bitte ich dafür in aller Form um Entschuldigung.“

Wenn man ihn also für derart voll und bare Münze nähme,
müsste man dann nicht auch irgendwann fragen:
Wieso kommt der Mann mit seiner unausrottbaren Ausländerhetze ausgerechnet an dem Sonntag hier umme Ecke, an dem in Italien die Faschisten mit Glanz und Gloria für Gott, für sich und Vaterland an die Regierung gewählt wurden?
Nun, dass die Blockflöte von Brilon in erster Linie und grundsätzlich lieber n bisken Kohle machen und die ganze gottgewollte Ukraine mit sogenanntem „schweren Kriegsgerät“ bis zur Halskrause, bis zum großen Knall, ja, bis zum bitteren Abwinken rücksichtslos voll­ballern willte, wollte, würde oder wie oder was auch immer,
als auch nur einem geflüchteten Ukrainer – sagen wa mal – ehrlich und zivilisiert die Hand zu reichen …
nun ja, was soll's, so isser halt, unser Friederich,
unser Faschisten-Fischer aus dem Sauerländischen!
P.s.:
Für eine Handvoll Nazi-Stimmen, däh.
Wer hätte das gedacht!
Doch die Völker, sie werden den Wink wohl verstanden haben.
Gute Nacht, Europa!
27.9.22
Bella ciao, bella ciao, bella Italia!
Nach dem fulminanten, demokratischen Sieg der Postfaschisten,
der Meloni-Brüder, könn‘ wa seit gestern
also auch noch Italia ad acta legen.
Wir gehen lustigen Zeiten entgegen.
26.9.22
Minigolf ohne Handicaps
Der ‚Stadtanzeiger‘ schreibt - wie alle andern auch:
„Hilfe aus der Golfregion -
Mehr als nur eine Einkaufsreise für Gas:
Kanzler Scholz in Saudi-Arabien, Abu Dhabi und Katar“
Meine lieben Andersdenkenden,
um die Diskurswogen ein wenig zu glätten und des lieben Friedens Willen, stellen wir uns jetzt spaßeshalber mal dümmer, als die Po­lizei z.B. in Katar erlaubt, und fragen: Waswiewoundworin liegen denn großer Unterschied in puncto Demokratie & Menschenrechte zwischen Putin auf der einen und Prinz Mohammed bin Salman, Mo­hammad bin Zayid Al Nayhan und Emil Tamil bin Hamad Al Tamille aufer annern Seite?
Nun, den allermeisten wird die Beantwortung der Frage natürlich etwas schwer fallen (allein weil se die Herren nicht so gut kennen), aber für jeden, ja, für so ziemlich jeden, der bis drei zählen kann, is et doch wohl eher ein Kinderspiel.
Ich wünsche Ihnen noch eine geruhsame Nacht.

P.s.:
Ach, Kinners!
Alles so Probleme der sog. Realpolitik. Dabei liegt der wirkliche Höllenhund ganz woanders begraben. Ein Lied von Rio Reiser aus dem Jahr 1987 gibt uns da recht brauchbare Hinweise:

Blinder Passagier,
Das Ziel unserer Reise
Ist nicht weit von hier.

37 Tage auf hoher See
Zwischen Jedermanns- und Niemandsland und ewigem Schnee.
Wir hab'n genug zu essen, genug Schnaps und Brot,
Doch die Mannschaft ist müde und der Steuermann tot.
Und niemand weiß genau, wohin die Reise geht,
Jeder weiss, daß alles in den Sternen steht.
Doch die Sterne leuchten schon seit Tagen nicht mehr,
Nur der Käpt'n strahlt, doch der Himmel bleibt leer.

Blinder Passagier,
Ich weiß, was ich weiß,
Doch ich sag's nur dir.
Blinder Passagier,
Das Ziel unserer Reise
Ist nicht weit von hier.

Das Ruder ist gebrochen, und keiner weiß,
Ob 'n Funker an Bord ist, wie der Notruf heißt.
War's nicht SDI oder CIA, Oder Save Our Money oder USA?
Ist jetzt alles zu früh oder alles zu spät?
Und niemand weiß, wohin der Wind uns weht.
Bringt uns dieser Dampfer über'n großen Teich
Oder saufen wir ab und sterben gleich?

Blinder Passagier,
Ich weiß, was ich weiß,
Doch ich sag's nur dir.
Blinder Passagier,
Das Ziel unserer Reise
Ist nicht weit von hier.

Und backbord, backbord ist 'nen riesen Leck
Und der Obermaat weiß es, doch es schert ihn 'n Dreck
Und niemand schreit: "Macht die Boote klar!",
Es ist ja nur eins für den Käpt'n da.
Die Ratten, die hatten einst alles im Griff,
Doch die Ratten verlassen das sinkende Schiff.
Und es dauert nicht mehr lang, und es ist alles vorbei,
Doch niemand denkt hier an Meuterei

Blinder Passagier,
Ich weiß, was ich weiß,
Doch ich sag's nur dir.


(Rio Reiser)
Und gesungen wird's, Genossen, dann noch etwas klarer.