Das Tagebuch

15.12.25
Meise, Macke, Mimikri?
Es geschah am helllichten Tage. Der AfD-Abgeordnete Matthias Moosdorf begrüßte laut Zeugenaussage einen Parteikollegen im Bundestag mit dem Deutschen Gruß, dem Hitlergruß. Die ‚taz‘ schrieb daraufhin empört:
„Anklage wegen Hitlergruß -
Unglaublicher Verdacht: Ist der Rechtsextreme ein Nazi?‘“
Hallo ‚taz‘!
Sind bei euch jetzt alle Sicherungen durchgeknallt!
Oder habt ihr bloß den alten 'Pardon'-Witz geklaut:
Neue Erkenntnisse um Frage in Historikerkommission: War Hitler gar kein Antisemit?
14.12.25
Heute ist „Internationaler Weltaffentag“
Klingt irgendwie ’n bisschen seltsam, irgendwie nach ’ner unter­gründigen, halblegalen, clandestinen UN-Comedytruppe oder so.
Den gibt es aber wirklich. Ja, sicher. Nein, nein! Das ist kein andrer Name für die G7 oder G20, 21, 22, 23 oder 26, auch nicht für Nato oder Nasa, China, Russland, Afrika, Europa oder Amerika. Ja, nee, nee, da kommen Sie nicht drauf. Soll ich’s Ihnen verraten? Es ist tatsäch­lich der internationale Feier- und Gedenktag der
"Affen, Halbaffen, Menschenaffen und allen anderen Primaten".
Sehen se, lagen se doch nich so ganz falsch.
12.12.25
Besser spät als zu spät
Laut Meinungsinstitut Insa ist Thüringens Regierungskoalition aus CDU, BSW und SPD ein Jahr nach ihrem Amtsantritt weit von einer Mehrheit entfernt. Die AfD mit ihrem Führer Adolf Höcke kommt mit 39 Prozent auf einen neuen Rekordwert.
Vor einiger Zeit, wertes Volk von Thüringen, hatte ich hier dafür plädiert, für einen symbolischen Euro Bayern und Sachsen nach Österreich abzuschieben. Es tut mir leid, pardon, ich hatte euch doch glatt vergessen.
11.12.25
Ehrlich geht die Welt zugrunde
Folge hunderttausendirgendwat
Er überlegte nicht lange, nahm allen Mut zusammen, räusperte sich nur kurz und die Neue Ehrlichkeit ward geboren. Und einen Namen hatte sie auch schon: Dobrindt. Und sein Satz raste im Affenzahn um die Erde, dass alle ihn hörten, vor allem aber auch die ehem. afgha­nischen Ortskräfte. Und also sprach der Dobrindt:
„In den nächsten Tagen werde den rund 640 Betroffenen mitgeteilt, dass kein politisches Interesse zur Aufnahme mehr vorliegt.“
Aus der Reihe "Witze, die keiner Pointe bedürfen.
10.12.25
Selbstkritik à la Merz
Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ schreibt, Merz hätte Selbstkritik in der von ihm angestoßenen Debatte über das ‚Stadtbild und die Migration in Deutschland‘ erkennen lassen. Wörtlich hätte er in der Arena von Niederkassel bei einem Bürger­dialog gesagt:
„Ich hätte vielleicht früher sagen sollen, was ich konkret damit meine.“
Hm, Moment mal! Herr...äh Bundeskanzler, hab ich Sie jetzt richtig verstanden? Sie hätten nicht nur „vielleicht“ sondern auch „früher“ „sagen sollen“, „was Sie konkret damit meinten, nichts gesagt zu haben?“ Und fügten noch hinzu, dass Sie das „heute anders machen würden.“ Also, dass Sie das heute nicht mehr so machen würden, sondern eben anders.
Dann kamen Sie auf Ihr berühmtes „Stadtbild“ zu sprechen: Es gebe Städte, die „völlig verwahrlosen.“ Und erklärten weiter:
„Das hat etwas mit dem zu tun, was ich gesagt habe. Und das müssen wir ändern.“
Ja, nee, is klar. Und nachdem er das versprochen hatte, gab er noch zum Besten:
„Aber ich glaube, jeder, der es ein bisschen gutwillig versucht hat,
zu verstehen, hat es auch verstanden, was ich gemeint habe.“
Nachdem der Bericht in der causa Stadtbild nun für etwas Klarheit gesorgt hatte, kommentierte eine andere ‚Stadtanzeiger‘ -Expertin für Migration und anverwandtes Hastenichgesehn:
„Dieses Bekenntnis verdient Respekt.Wann räumt ein Bundeskanz­ler schon mal ein, sich unkonkret ausgedrückt zu haben?
Ja, wüßt ich auch nich.

P.s.:
Übrigens,:
Dass diese hochgejazzte bombastische Selbstkritik sich eigentlich auf den unreflektierten Alltagsrassismus unseres Kanzlers bezog, konnte man den Texten des ‚Stadtanzeigers‘ beim besten Willen nicht ent­nehmen. Und die Menschen, die der große Selbstkritiker mit seiner Stadtbild-Nummer aufs übelste beleidigt hatte, hatte auch er mit keinem Wort erwähnt.
Was Merz aber geschafft hat, ist das Kunststück, mit dieser angeb­lichen Selbstkritik seinen Rassismus auch noch indirekt zu rechtfer­tigen. Was er aber sofort als bösartige Unterstellung von sich weisen würde. Zumal seine zwei-drei Hirnsynopsen mit solchen Gedanken­gängen gar nichts anfangen können.
9.12.25
Irgendwann is denen nichts mehr peinlich
Zum Beispiel Annalena Baerbock:
„Endlich habe ich wieder mehr Zeit für meine größte Liebe. Ich bin definitiv Generation ‚Sex and the city.‘“
Nee, nee, werte Frau Ex-Außenministerin, Sie sind ganz was anderes ...
8.12.25
Noch nen Nachschlag gefällig?
Als 1948 der Horror-Roman „1984“ von George Orwell raus kam,
da meinten die meisten wohl:
„Okay, gut geschrieben, aber auch ein bisschen übertrieben.“
Wenn man heute Trump und Putin reden hört und die entsprech­'enden Gestalten in Europa, und noch mal „1984“ Revue passieren lässt, dann denkt man: Was für ein postpubertäres Kindergarten­geschreibsel!
„Krieg ist Frieden! Freiheit ist Sklaverei! Unwissenheit ist Stärke!“ -
Alles längst überholter, antiquierter Sciencefiction-Käse. Seit aber aus unleugbaren Tatsachen sog. alternative Fakten gezau­bert werden können, haben Gespräche zwischen Leuten, die sich wenigstens noch akkustisch verstän­digen können, schon Selten­heitswert bekommen.
Wenn früher … jaja, wenn früher … ja, wenn früher in harten Dis­kussionen bei antagonistischen Positionen heftigste Wortgefechte entbrannten, konnte man sich zumindest darauf verlassen, dass für beide Seiten die Begriffe, die sie benutzten, auch dieselbe Bedeu­tung galten.
Wenn man heute mit staatlich geprüften Verschwörungserfindern
und Esoterikern, mit militanten Mondfanatikern, Religiösen, Neo-Nationalisten und Natur-Aposteln, mit überzeugten Vollidioten und Vertretern des üblichen und sonstigen Gesocks ins „Gespräch“ kommen will oder muss, sollte man sich vorher noch mal „1984“ vornehmen und dann den Gesprächstermin lieber einfach sausen lassen.
Sie werden zwar mit der Zeit relativ einsam werden und mit Sicherheit viele Ihrer Freunde verlieren. Aber...
wer braucht schon solche Freunde?
7.12.25
Nachschlag zum gestrigen Talk-talk-talk
Der sprechende Kommunionsanzug CDU-Generalsekret Carsten Linnemann hat aufgrund ihrer gestrigen Talkshow bei ‚Welt-tv‘ der bekanntesten deutschen Nazi-Tusse Alice Weidel bescheinigt, ein rechtsextremer Verdachtsfall geworden zu sein.
Hörmal, Carsten Liebelein, du hast angekündigt, den Fall Weidel untersuchen zu lassen. Abgesehen davon, dass das Volk das schon lange weiß, hat das ansonsten auch keinen Sinn und bringt uns nicht weiter. Denn wenn der Verdacht irgendwann bestätigt wird, wird sie diese populäre Auszeichnung mit Stolz auf ihre Wahlplakate pappen; und wenn das Gegenteil dabei rum kommt, eben ebenso.
Also, so what, großer Generalsekretär!
6.12.25
Talk, Talk, Talk
Das große Scheitern beim Entzaubern
Versuchen kann ich’s ja mal, hatte er sich wohl gedacht, und lud die Chefnazisse Alice Weidel zum Entzauberungstalk in sein ‚Welt-TV-Studio. Zugegeben, Moderator Jan Philip Burgard war nicht schlecht vorbereitet, und redegewand und durchsetzungsstark war er zudem noch, doch obwohl da nur 2 Leute miteinander plauderten, konnte man mehr als die Hälfte nicht verstehen, weil beide streckenweise sehr laut durcheinander plauderten.
Inhaltlich ging’s um alles, was das Naziherz begehrt, und lernen konnte man als Außenstehender vor allem, dass man im Falle einer potentiellen Kanzlerin Weidel wird wissen müssen, wie man auf die Schnelle die Koffer zu packen hat.
Dann war der amtierende Verfassungsschutz Thüringen dran in per­sona Stephan Joachim Kramer, von 2004 bis 2014 Generalsekre­tär des Zentralrats der Juden in Deutschland und Leiter des Berliner Büros des European Jewish Congress. Da packte die Alice aber richtig aus:
„Der Verfassungsschutz, diese schschmieierigen Stasi-Spitzel! Schauen Se sich doch mal diesen Verfassungsschutzpräsidenten Kramer an, diesen jü... (deutlich vernuschelt) Kramer mit diesem Bart,“ und streicht mit der Hand über ihren imaginierten Bart, „Wie der aussieht, was das für Leute sind. Der Typ ist in so einer Biker-Vereinigung, der… nein, nein, nein …“, dann folgte ein verbales Tohuwabohu und danach das schöne Thema, „dass man in diesem lustigen Deutschland nicht mehr alles sagen könne“, vor allem wenn man dabei gerade in einer Talkshow sitzt, „zum Beispiel ‚Alles für Deutschland‘!“
„Is ja auch seit dem Höcke-Urteil ein Straftatbestand“, meinte der Moderator. „Wie auch der Nazi-Leitspruch von Jugendführer Baldur von Schirach: Jugend muss von Jugend geführt werden!“
„Straftatbestand,pah! was soll das denn?! Nur weil die das damals auch gesagt haben? Pah!“
Und so weiter und so weiter. Selbst wenn der Moderator noch hin­zugefügt hätte „Genauso wie ‚Arbeit macht frei’ oder ‚Jedem das Seine‘!“ Aber dann hätte Madame Weidel wahrscheinlich gekontert:
„Jedem das Seine“ – was soll das denn? Das haben doch schon die alten Römer gesagt, ‚Suum cuique’, hieß das damals. Auch ohne Konzen­trationslager.“
Fazit:
So kommste da nicht gegen an.
(Wo bleibt sich Pointe? Ah, Pointe kommt früh genug.)