Gegen Ende der 70er Jahre – die amerikanische Mini-Serie „Holocaust“ über die jüdische Familie Weiss im Nazi-Reich hatte gerade das kollektive Herz der deutschen Ureinwohner fast nachhaltig ergriffen, erschüttert, geschockt und allesamt zu Tränen gerührt - erzählte mir meine Mutter, die normalerweise von der „Dunklen Zeit“ nur die „schönen Momente zu berichten wusste („Wir haben doch in Frankreich gelebt wie Gott in Frankreich“) von einem Familientreffen anlässlich einer Beerdigung bei ihrer älteren Schwester in Gifhorn, die damals in der dunklen Zeit als junge Sekretärin im KZ Esterwegen oben bei Papenburg den Juristen und SS-Mann Helmut Herbold kennengelernt und geheiratet hatte und der „danach“ die standesübliche Karriere im Staatsdienst anstandslos und unbeanstanded absolvierte und auch privat immer ein erfolgreicher Jägermeister mit beeindruckendem Jagdschein blieb.
Dieses Familientreffen inkl. Beerdigung muss Mitte der 70er Jahre stattgefunden haben. Als man dann so am frühen Abend locker beisammen saß, fragte meine Mutter in die Runde:
„Was kommt denn heut im Fernsehen? Ach, ich glaub, heute kommt doch 'Dalli-dalli' oder?“.
Darauf betretenes Schweigen aus allermunde. Und in die redundante Stille hinein erklärte der Herr des Hauses, der Mann von der SS, nach Art des Herrenhauses:
„Die Kiste bleibt aus. Bei uns werden keine Juden geguckt!“
...
Ja, so war das damals.
P.s.:
Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ hat eine wöchentliche Rubrik, die er „Unverlangt eingesandt“ nennt. Ob ich’s mal ausprobieren soll?
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Anmerkung:
Anlässlich des 100. Geburtstages von Hans Rosenthal zeigt das ZDF einen Spielfilm und die Dokumentation „Hans Rosenthal - zwei Leben in Deutschland“.
Das Tagebuch
25.3.25
Dalli, dalli!
21.3.25
„Frühling lässt sein Gummiband wieder flattern durch die Lüfte,und ich bin so gebannt von des Mägdleins Hüfte“ (Ingo Insterburg)
Das ist aber noch lange kein Grund für Madame Esken, wie ein Zitronenfalter durch die Koalitionsverhandlungen zu eiern. Zumal ja allgemein bekannt ist, dass auch Madame keine Zitronen falten kann. Soweit ich das alles jedenfalls bisher so verstanden habe.
20.3.25
In quasi eigener Sache
Wenn man das hier alles so liest,
unter anderem
müsste man eigentlich
unverzüglich auf die Barrikaden.
Nur mit wem?
Und gegen
wen?
Und für wie lange?
Und wie lange
ist lange?
Bis zum Anfang
ohne Ende?
Oder wie?
Oder bis 1000mal oder
oder wie?
oder was?
Ok, ok. Alle wissen, es ist Krieg. Und die, die hier mehrheitlich das Sagen haben, sind - auch mehrheitlich und im Zweifelsfalle - vom Stamme Nimm. Also heißt die erste & die allerletzte Frage , weil eben, wie gesagt, immer irgendwo Krieg ist: Und was krieg ich dafür? Und sonst gar nix.
Danke. Vielen Dank auch.
Ja, bitte.
unter anderem
müsste man eigentlich
unverzüglich auf die Barrikaden.
Nur mit wem?
Und gegen
wen?
Und für wie lange?
Und wie lange
ist lange?
Bis zum Anfang
ohne Ende?
Oder wie?
Oder bis 1000mal oder
oder wie?
oder was?
Ok, ok. Alle wissen, es ist Krieg. Und die, die hier mehrheitlich das Sagen haben, sind - auch mehrheitlich und im Zweifelsfalle - vom Stamme Nimm. Also heißt die erste & die allerletzte Frage , weil eben, wie gesagt, immer irgendwo Krieg ist: Und was krieg ich dafür? Und sonst gar nix.
Danke. Vielen Dank auch.
Ja, bitte.
19.3.25
Sie war mal „Deutsche Weinkönigin“
Der „Kölner Stadtanzeiger“ (der schon wieder) schreibt:
„Bald im zweithöchsten Staatsamt
Julia Klöckner wird wohl neue Bundestagspräsidentin“
Hm. Kann man da viel kaputt machen?
„Bald im zweithöchsten Staatsamt
Julia Klöckner wird wohl neue Bundestagspräsidentin“
Hm. Kann man da viel kaputt machen?
18.3.25
Thema des Tages:"Die Wut der Wessis"
Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ lamentiert unter der Zwischenüberschrift „Ost-West-Konflikt! Die Wut der Wessis!“ seine komplette Seite 2 voll und beginnt seinen schmerzlichen Abgesang auf ne 'Utopie', die immer ne Utopie gewesen war, mit einer überraschenden Feststellung:
„Mit fast 40 Prozent ist die AfD bei der Bundestagswahl im Osten mit Abstand die stärkste Kraft geworden. In den alten Bundesländern fragen sich mittlerweile manche, ob die Wiedervereinigung eine gute Idee war.“
In welcher Welt lebst du denn? I break together! „In den alten Bundesländern fragen sich mittlerweile manche, ob die Wiedervereinigung eine gute Idee war.“ Ich fass es nicht! Is das denn für'n Schreiberling? Ich kenne niemanden, der nicht schon nach den ersten drei Takten der geschändeten Nationalhymne am Brandenburger Tor die fünf fiesen Länder fürn Heiermann an irgendeinen daher gelaufenen Zigeunerbaron verkloppen wollte!
Über den Gast-Autoren heißt es am Ende seines Artikels:
„Josa Mania Schlegel, geboren 1991, ist aufgewachsen in Weimar und arbeitet seit 2020 als Reporter im Team „Investigativ, Extremismus und Report der 'Leipziger Volksstimme'.“
Na, zumindest die drei Sachen stimmen wohl. Und deswegen hab ich von dem elendlangen Artikel auch keinen einzigen Satz gelesen, du Leipziger Volksstimme, du.
„Mit fast 40 Prozent ist die AfD bei der Bundestagswahl im Osten mit Abstand die stärkste Kraft geworden. In den alten Bundesländern fragen sich mittlerweile manche, ob die Wiedervereinigung eine gute Idee war.“
In welcher Welt lebst du denn? I break together! „In den alten Bundesländern fragen sich mittlerweile manche, ob die Wiedervereinigung eine gute Idee war.“ Ich fass es nicht! Is das denn für'n Schreiberling? Ich kenne niemanden, der nicht schon nach den ersten drei Takten der geschändeten Nationalhymne am Brandenburger Tor die fünf fiesen Länder fürn Heiermann an irgendeinen daher gelaufenen Zigeunerbaron verkloppen wollte!
Über den Gast-Autoren heißt es am Ende seines Artikels:
„Josa Mania Schlegel, geboren 1991, ist aufgewachsen in Weimar und arbeitet seit 2020 als Reporter im Team „Investigativ, Extremismus und Report der 'Leipziger Volksstimme'.“
Na, zumindest die drei Sachen stimmen wohl. Und deswegen hab ich von dem elendlangen Artikel auch keinen einzigen Satz gelesen, du Leipziger Volksstimme, du.
17.3.25
Die Dinge haben sich geändert
„People are crazy and times are strange
I'm locked in tight, I'm out of range
I used to care, but things have changed“
Bob Dylan, 1999
Hört, hört ...
I'm locked in tight, I'm out of range
I used to care, but things have changed“
Bob Dylan, 1999
Hört, hört ...
16.3.25
Unsre kleine Gewissenserforschungzum Thema „Was wir wollten, was wir wurden“
Zunächst erst mal der Text von dünnemals, geschrieben 1963 von einem gewissen Bob Dylan
„Masters of War
Come you masters of war
You that build all the guns
You that build the death planes
You that build the big bombs
You that hide behind walls
You that hide behind desks
I just want you to know
I can see through your masks
You that never done nothin’
But build to destroy
You play with my world
Like it’s your little toy
You put a gun in my hand
And you hide from my eyes
And you turn and run farther
When the fast bullets fly
Like Judas of old
You lie and deceive
A world war can be won
You want me to believe
But I see through your eyes
And I see through your brain
Like I see through the water
That runs down my drain
You fasten the triggers
For the others to fire
Then you set back and watch
When the death count gets higher
You hide in your mansion
As young people’s blood
Flows out of their bodies
And is buried in the mud
You’ve thrown the worst fear
That can ever be hurled
Fear to bring children
Into the world
For threatening my baby
Unborn and unnamed
You ain’t worth the blood
That runs in your veins
How much do I know
To talk out of turn
You might say that I’m young
You might say I’m unlearned
But there’s one thing I know
Though I’m younger than you
Even Jesus would never
Forgive what you do
Let me ask you one question
Is your money that good
Will it buy you forgiveness
Do you think that it could
I think you will find
When your death takes its toll
All the money you made
Will never buy back your soul
And I hope that you die
And your death’ll come soon
I will follow your casket
In the pale afternoon
And I’ll watch while you’re lowered
Down to your deathbed
And I’ll stand o’er your grave
’Til I’m sure that you’re dead“
Und meine Lieblingszeilen waren immer die letzten acht. Bis heute. Also heute auch noch. Bei so viel Hass & Blut & Gewalt in einem „pazifistischem“ Lied, und für ein solches werden die meisten es gerne missverstanden haben. Und geht man wie die Legende davon aus, dass Dylan sowieso laufend seine Meinungen gegen andere eingetauscht haben will wie andre ihre Unterhemden, kann man das Lied ganz beruhigt mitsingen ob als Soldat und/oder Revolutionär, als Konterrevolutionär oder auch als Lagerfeuerbrennholznachleger im Ostermarschiererferienlagerparadies "Zum glücklichen Bewusstsein". Und wenn jemand mit seiner Kunst zufällig die Zustimmung vieler trifft, ist das doch nicht das Schlechteste.
Ich hab’s mir aus guten Gründen mittlerweile abgewöhnt, mich bei irgendwem oder irgendwo zugehörig zu fühlen. Und ob ich bei irgendeinem Lied mitsinge – was selten genug bzw. überhaupt nicht vorkommt -, hängt grundsätzlich nicht von meiner Zustimmung ab sondern von meiner Stimmung.
„Masters of War
Come you masters of war
You that build all the guns
You that build the death planes
You that build the big bombs
You that hide behind walls
You that hide behind desks
I just want you to know
I can see through your masks
You that never done nothin’
But build to destroy
You play with my world
Like it’s your little toy
You put a gun in my hand
And you hide from my eyes
And you turn and run farther
When the fast bullets fly
Like Judas of old
You lie and deceive
A world war can be won
You want me to believe
But I see through your eyes
And I see through your brain
Like I see through the water
That runs down my drain
You fasten the triggers
For the others to fire
Then you set back and watch
When the death count gets higher
You hide in your mansion
As young people’s blood
Flows out of their bodies
And is buried in the mud
You’ve thrown the worst fear
That can ever be hurled
Fear to bring children
Into the world
For threatening my baby
Unborn and unnamed
You ain’t worth the blood
That runs in your veins
How much do I know
To talk out of turn
You might say that I’m young
You might say I’m unlearned
But there’s one thing I know
Though I’m younger than you
Even Jesus would never
Forgive what you do
Let me ask you one question
Is your money that good
Will it buy you forgiveness
Do you think that it could
I think you will find
When your death takes its toll
All the money you made
Will never buy back your soul
And I hope that you die
And your death’ll come soon
I will follow your casket
In the pale afternoon
And I’ll watch while you’re lowered
Down to your deathbed
And I’ll stand o’er your grave
’Til I’m sure that you’re dead“
Und meine Lieblingszeilen waren immer die letzten acht. Bis heute. Also heute auch noch. Bei so viel Hass & Blut & Gewalt in einem „pazifistischem“ Lied, und für ein solches werden die meisten es gerne missverstanden haben. Und geht man wie die Legende davon aus, dass Dylan sowieso laufend seine Meinungen gegen andere eingetauscht haben will wie andre ihre Unterhemden, kann man das Lied ganz beruhigt mitsingen ob als Soldat und/oder Revolutionär, als Konterrevolutionär oder auch als Lagerfeuerbrennholznachleger im Ostermarschiererferienlagerparadies "Zum glücklichen Bewusstsein". Und wenn jemand mit seiner Kunst zufällig die Zustimmung vieler trifft, ist das doch nicht das Schlechteste.
Ich hab’s mir aus guten Gründen mittlerweile abgewöhnt, mich bei irgendwem oder irgendwo zugehörig zu fühlen. Und ob ich bei irgendeinem Lied mitsinge – was selten genug bzw. überhaupt nicht vorkommt -, hängt grundsätzlich nicht von meiner Zustimmung ab sondern von meiner Stimmung.
15.3.25
Trommeln in der Nacht *)
Der Krieg ist noch nicht vorbei, da reißen sich die Sieger auf beiden Seiten schon den Rest untern Nagel, den sie in der kurzen Zeit nicht kaputt kriegen konnten. Man fragt sich nur: Wozu der ganze Scheiß? Und wie kommt man raus aus der selbst-verschuldeten Bredouille?
Nun, Pazifismus wäre sicher die einfachste, schnellste und billigste Lösung, weil nix kaputt und keiner tot; nur dummerweise nicht mehrheitsfähig. Denn eine eiserne Regel wie in Stein gemeißelt lautet: "Wenn die Dummen nicht mitmachen, hat’s keinen Sinn." Und am Ende sind's immer die Dummen. **)
Was hätten wir sonst noch anzubieten? Einen flüchtigen Blick in die Geschichte zum Beispiel. Doch da laufen und liken die Meinungen auch extrem auseinander. Nützt demnach auch nix.
Gehen wa also noch n Schritt weiter zurück. Da sagen die klugen Anthropologen, unsere großen Menschenkenner: Hier seid ihr richtig. Das gesamte Kriegs- und Macho-Gehampel hätte seinen Ursprung in der Zeit, als einige abseitigen Affenartigen auf die grandiose Idee kamen, nicht mehr ganz normale Affenartige sein zu wollen, sondern simpel was Besonderes, was Besseres. Und das auch noch aufrecht stehend. Das erstreckte sich natürlich über einen sehr, sehr langen Zeitraum. Man spricht so von übern Daumen Millionen von Jahren. Und wie wir wissen und jeden Tag aufs Neue erfahren, ist der sog. Menschwerdungsprozeß noch lang nicht abgeschlossen. Und es gibt heute schon sehr viele, die sagen:
„Ach, weißte was? Ich will’s auch gar nicht mehr wissen. Bis hierhin reicht's mir schon.“
Ja, und das hatt ich mir auch schon fast so gedacht.
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*) Zweites Stück von B.Brecht, 1919
**) Das Original-Zitat stammt von J.Becker und hieß „Wenn die Frau nicht mitmacht, hat’s keinen Zweck.“
Nun, Pazifismus wäre sicher die einfachste, schnellste und billigste Lösung, weil nix kaputt und keiner tot; nur dummerweise nicht mehrheitsfähig. Denn eine eiserne Regel wie in Stein gemeißelt lautet: "Wenn die Dummen nicht mitmachen, hat’s keinen Sinn." Und am Ende sind's immer die Dummen. **)
Was hätten wir sonst noch anzubieten? Einen flüchtigen Blick in die Geschichte zum Beispiel. Doch da laufen und liken die Meinungen auch extrem auseinander. Nützt demnach auch nix.
Gehen wa also noch n Schritt weiter zurück. Da sagen die klugen Anthropologen, unsere großen Menschenkenner: Hier seid ihr richtig. Das gesamte Kriegs- und Macho-Gehampel hätte seinen Ursprung in der Zeit, als einige abseitigen Affenartigen auf die grandiose Idee kamen, nicht mehr ganz normale Affenartige sein zu wollen, sondern simpel was Besonderes, was Besseres. Und das auch noch aufrecht stehend. Das erstreckte sich natürlich über einen sehr, sehr langen Zeitraum. Man spricht so von übern Daumen Millionen von Jahren. Und wie wir wissen und jeden Tag aufs Neue erfahren, ist der sog. Menschwerdungsprozeß noch lang nicht abgeschlossen. Und es gibt heute schon sehr viele, die sagen:
„Ach, weißte was? Ich will’s auch gar nicht mehr wissen. Bis hierhin reicht's mir schon.“
Ja, und das hatt ich mir auch schon fast so gedacht.
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*) Zweites Stück von B.Brecht, 1919
**) Das Original-Zitat stammt von J.Becker und hieß „Wenn die Frau nicht mitmacht, hat’s keinen Zweck.“