Das Tagebuch

22.9.22
Mensch, der is ja immer noch da!
Der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ hat zwar ein Holzauge. Is aber wachsam:
„Land NRW geht gegen Woelkis Hochschule vor -
Ministerin untersagt Priesterausbildung und droht mit Verfahren“
Also, Woelki, hör mal zu, du rheinischer Sauerteig äh -braten, du! Du komischer Vogel, du Nachfolger Christi, du! Vielleicht kannste dir mal endlich den Satz hinter deine Segelohren tackern:
Dein Reich ist nicht von dieser Welt!
Und jetzt zieh Leine!
Danke.
21.9.22
Es gibt viel zu tun; lassen wir es sein
Die UNO hat den 21. September zum „Internationalen Friedens- bzw. Anti-Kriegstag“ ausgerufen.
Und die WHO zum „Internationalen Welt-Alzheimertag“.
Na, wenn das nicht kompatibel ist, dann weiß ich‘s auch nicht.
20.9.22
Alles hat ein Ende, nur ...
Heute könnte der liebe Gott irgendwo wiederauferstehen, es würde wieder keine Sau mitkriegen: Die ganze Welt, so scheint es, hängt vor der Fernseh-Kiste und sieht zu, wie die Queen in ihre, etwas andere Kiste fährt.
Ich selber werde wohl den Tag im Bett verbringen und den Lieben Gott einen guten Mann sein lassen.
God shave the Queen!
19.9.22
„Tag der Zivilcourage“
Jetzt geht‘s aber los!
„Der Tag der Zivilcourage findet seit 2015 jährlich am 19. Septem­ber statt. An diesem Tag werden in Deutschland bundesweit Aktio­nen durchgeführt, die Menschen ermutigen sollen, sich in der Öff­entlichkeit für den Schutz ihrer Mitmenschen gegen Beleidigung, Diskriminierung, Bedrohung, Rassismus, Kriminalität, Fremden­feindlichkeit und Gewalt einzusetzen.“ (WikiPedia)
Dass man hierzulande vielfach der Meinung ist, es bräuchte mehr Zivilcourage, kann man durchaus auch als Armutszeugnis verstehen.

P.s.:
Wie in anderen Ländern das Ding mit der Zivilcourage gehändelt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Franzosen verlassen sich wahrscheinlich auf ihr Gefühl. Jedenfalls sind die am nächsten Tag praktisch alle (oder fast alle) irgendwie auf der Straße.
In Deutschland tut sich von alleine gar nix. Erst wenn zwei haupt­amtliche Moralapostel der drei „großen“ Volksparteien offizielle Vertreter der Betroffenen auf Herz und Nieren bei "Anne Will" durch­gecheckt und diese dann durch Anne Will auch den halbstaat­lichen Segen der ARD bekommen haben, und erst wenn die Demo-Route haarklein mit der Polizei, dem BKA, den Krankenkassen, dem Verfassungsschutz und den Roten und Blauen Funken besprochen worden ist und der Demo-Anmelder schriftlich erklärt hat, jede kaputte Fensterscheibe aus eigener Tasche zu berappen, erst dann, ja, erst dann kann der Demo-Anmelder hingehen und … nein, halt, Stop!
Vorher müsste eigentlich noch die mittelständische Wirtschaft, naja, zumindest gefragt werden. Aber da die meisten Oberbür­germeister sich da aus Kulanzgründen weiter nicht undsoweiter undsoweiter undsoweiter.
Ach, lecken se mich doch.
18.9.22
„Tag des Handwerks“
Heute, am „Tag des Handwerks“ hat ein großer Handwerker das Wort er­griffen, der Bundesfinanzminister Christian Lindner, dem man ge­trost nachsagen kann, keinen Nagel grade in die Wand kloppen zu können, dafür aber in der Lage ist, sich 10000 legale Steuertricks selbst im Schlaf auf Chinesisch rückwärts runterzu­beten.
„Das Handwerk verkörpert die besten Tugenden unserer sozialen Marktwirtschaft, Leistung, Loyalität zum Standort und Verantwor­tung für die nächste Generation.“ Er selbst stamme aus einer Hand­werkerfamilie, und erklärt:
„Ich bin groß geworden in einer Backstube.“
Na, is ja auch okay. Nur, warum zum Teufel, biste dann da nich geblieben?
15.9.22
Was man so weiß
Man weiß ja nie, wer hier jetzt was verschweigt, aus taktischen, strategischen oder diplomatischen Gründen verschweigen muss oder auch nur vergessen hat zu erwähnen. Beim alten, traditionsreichen, immergleichen Menschheitsspiel, dem ungeliebten Bruder hin und wieder die Möbel gradezurücken, das Haus in Schutt und Asche zu legen oder auch gleich der ganzen family die Rübe einzuschlagen, werden die Täter auf beiden Seiten der Barrikaden im beredten Beschweigen aber wohl eher einen Vorteil sehen. Wenn hinterher erst rauskommt, wer der böse Bube war ... nun ja, hinterher ist man immer etwas schlauer. (Mit Pazifismus ist dem Krieg leider, dieser eingeborenen Menschheitsmarotte, übrigens ganz schlecht beizukommen.) So gesehen läuft im aktuellen russisch-ukrainischen Bruderzwist auch alles wie gehabt. Nur eine Sache erscheint mir da irgendwie neu zu sein:
Jeder weiß und sieht und hört es jeden Tag, dass die eine Seite, die Ukraine, seit Ende der Sowjetunion nach Europa schreit bzw. nach europäischen Waffen, und damit diesem Putin aus dessen Sicht freihaus einen todsicheren Kriegsgrund beschert hat, wodurch die offizielle Propagandafloskel vom „russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine“ natürlich einen gewissen Hautgout bekommten hat.
Das weiß auch der deutsche Sozialdemokrat Olaf Scholz. Und der weiß auch, dass mit dem ewigen Geschrei nach Europa nicht unbe­dingt diese sagenumwobenen „europäischen Werte“ gemeint sind sondern nur die besseren europäischen Waffen.
Ich weiß jetzt nicht, was die Amis, Engländer und Franzosen davon halten, weil ich hier keine englischen und französischen Zeitungen lese. Ich schätze, die sagen sich: Sollen die Deutschen sich erst mal die Flossen verbrennen. Wir kommen dann später und helfen.
Ich weiß aber, dass Olaf Scholz anscheinend mittlerweile nur noch der einzige hier in diesem Saftladen ist mit einem einigermaßen intakten historischen Bewusstsein. (Die unerhebliche AfD und die sich selbstzerbröselnde Linke mal ausgenommen). Und alle sehen, wie ihnen dieses Europa mit seinem reaktionären Nationalistenwahn zur Zeit gewaltig um die Ohren fliegt. Und so ist auch die Zeit der deutschen Zurückhaltung also unwiderruflich passé. Gestritten wird nur noch darum, wer den Oberbefehlshaber geben soll in diesem „berechtigten ukrainischen Befreiungskampf vom russischen Joch“.
Während die Deutschen jedoch nichts wissen über die Ukraine, wissen die Ukrainer aber von den Deutschen, dass diese gerufen werden wollen. Deshalb bitten sie nicht, wie es normal Usus wäre, um Solidarität, sondern fordern direkt kackfrech und lautstark kriegsentscheidende Waffen. Und wenn ich einen oder zwei von diesen Klitschkos derart rumstinken sehe, sag ich ganz locker:
Mein lieber Sportsfreund, mit mir nicht!
So einfach ist das, Frau Baerbock.
14.9.22
Schönen Tach noch!
Eigentlich wollte ich nur ein kleines, kurzes Nümmerchen machen über ein kleines, kurzes Nümmerchen von der letzten Seite des gestrigen Kölner Stadtanzeigers. Das kleine, kurze Nümmerchen las sich dort folgendermaßen:
„Beuteltier-Attacke
Känguru tötet Besitzer in Australien
In Australien hat es Berichten zufolge erstmals seit 1936 wieder einen tödlichen Känguru-Angriff auf einen Menschen gegeben. Ein 77 Jahre alter Mann, der das Beuteltier als Haustier hielt, sei am Wochenende attackiert worden und später an seinen schweren Verletzungen gestorben.“
Entweder war der letzte Joint einfach schlecht oder ich hatte zu wenig Alkohol im Schädel. Vielleicht tummelten sich auch in meinen diversen Nahrungsergänzungsmitteln nur abgelaufene Vitamine oder mir war ne dicke fette Laus über die Leber gelatscht, keine Ahnung, jedenfalls habe ich nach einem sehr frustreichen, ergebnislosen Arbeitstag den langen Riemen aus horrendem Quatsch mit Soße, Papperlapapp und Stuss, den ich mir da herunterphantasiert habe, letztendlich doch simpel in die Tonne gekloppt.
Werter Kölner Stadtanzeiger,
aber freuen Sie sich nicht zu früh. Es ist nicht aller Tage Abend. Wir werden wohl in Zukunft auch noch jede Menge Spass miteinander haben. Schönen Tag noch.
Euer W
13.9.22
Aber der ist doch wenigstens witzig,
sagen die Leute ...
Zurzeit läuft in Hamburg der Landesparteitag der FDP – FDP, von daher schon eine traurige, witzlose Veranstaltung per se. Und so platzten dort Mann und Maus förmlich vor Hochspannung in Er­wartung des Redebeitrags von Wolfgang Kubicki, dem einzigen und deshalb wohl weltberühmten Witzbold in der FDP.
Langsam aber stetig begann die Luft im Saale zu vibrieren, private Labereien verstummten, die liberalen Humorlosen hatten es im Urin, dass gleich etwas passieren würde ...und dann kam er, die bekannte Humorkanone, der kühle Scherzkeks aus dem hohen Nor­den, Wolfgang ‚Witzbold‘ Kubicki! Und er ergreift das Wort: Nach gefühlt 3 Ewigkeiten, in denen er „das erste große Problem,“ die Ampel, in der er selber mitregiert, verbal erledigt, verlässt er die Mühen der Ebene und wird persönlich:
„Das zweite große Problem ist die Pandemie mit Herrn Lauterbach. Der Mann isst kein Salz, der Mann isst keinen Zucker, trinkt keinen Alkohol, hat keine Freundin. Mein Gott, was hat der Mann vom Leben – außer Corona.“
Und das sagt einer, der gar nichts hat ausser der Efffeddddepeeeh!
12.9.22
Elfter September
Gestern, am 11. September, feierte Deutschland … sagt man eigent­lich „feiert“? Na egal … feierten wir hier den „nationalen Tag der Wohnungslosen“. Die ‚Welt‘ schrieb jedenfalls:
„Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier befürchtet, dass auf­grund der steigenden Preise im Herbst und Winter noch mehr Menschen in Deutschland ihre Wohnung verlieren. Das drohe etwa armen Menschen und Familien, die wegen der steigenden Preise ihre Miete oder Nebenkosten nicht mehr bezahlen könnten.
„Wir müssen jetzt gemeinsam dafür sorgen, dass niemand, der wegen der steigenden Wohnkosten in Zahlungsschwierigkeiten gerät, sein Zuhause verliert oder sogar auf der Straße landet.“
Auf der Straße landen … wo gibt‘s denn so was?!
Steinmeier hatte zum „Tag der Wohnungslosen“ nämlich über 200 mehr oder weniger verdiente Piepel aus dem Volke ins Schloss Bellevue geladen, unter anderem Politiker, Ärztinnen und Ärzte, Vertreter der Wohnungswirtschaft und deren Vertreterinnen sowie interessierte Bürger und Bürgerin­nen und ehemalige Wohnungslose, wohlgemerkt: ehemalige Woh­nungslose, die auch richtig gute Ge­schichten zu erzählen hatten.
Nordrhein-Westfalens Sozialminister und CDU-Fachmann für Woh­nungslose, Karl-Josef Laumann, forderte zudem, dass es auch den politischen Willen geben müsse, das Problem wirklich anzugehen: „Am Ende des Tages muss man dafür auch Geld in die Hand neh­men,“ mahnte der große Mahner Laumann. Am Ende des Tages.
Und nicht nur im Schloss Bellevue war man ganz aus dem Häuschen über Kaffee und Kuchen, vom Bundespräsidentenpaar später dann noch höchstpersönlich in irgendeiner Ecke irgendeines Problem­kiezes an flotti zusammengekarrte Sorgenkinder verteilt, sollen gut gemundet haben.
Meine Lieben,
wer bis dahin noch nicht ausgiebig die allernächste Kloschüssel hat umarmen müssen, dürfte sich guten Gewissens auch ein, zwei Bundesverdienstkreuze um den Hals hängen. Dixi – ich habe gesprochen. Und: Servus.