Das Tagebuch

11.3.24
Riesenaufregung im Reichstag
Der ‚Bayerische Rundfunk teilt mit:
„Eine BR-Recherche zeigt erstmals, in welchem Ausmaß die AfD rechtsextremen Verfassungsfeinden Zugang zum Parlamentsbetrieb gewährt: Die AfD im Bundestag beschäftigt mehr als 100 Mitarbeiter­innen und Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Milieu. Unter ihnen sind Neonazis, Identitäre und radikale Burschenschafter.“
Das ist ja wieder mal so’n echt deutsches Ding! Rechtsextremisten, festangestellt in allen möglichen Parlamenten! Und der Oberhammer is: Keiner hat’s bemerkt! Da stellen Faschisten Faschisten als Mitar­beiter ein, und keiner sagt was?! Wen dürften se oder sollen se denn stattdessen als Mitarbeiter einstellen? Die Regensburger Domspat­zen? Aber hinter­her heißt es ja sowieso wieder: Davon hab ich nichts gewusst. Nicht mal, dass das alles völlig legal und legitim war …
Ach wie gut, dass es noch so furchtlosen, engagierten & so aufmerk­samen Journalismus gibt wie euch! Ihr Pfeifen im Wind.
10.3.24
Kurz und scherzlos (II)
Es ist immer sinnvoll, sich zumindest hin & wieder nach Feierabend auch mal für das selbstgemachte Elend der anderen offen zu zeigen. Aktuell böte sich beispielsweise an, sich intensiver mit der Frage zu beschäftigen: Wie hält man es im Gazastreifen mit dem Ramadan?
Ich selber würde natürlich den Teufel tun, öffentlich diese Frage zu stellen. Ich bin ja nicht lebensmüde. Aber vielleicht nützt es ja dem einen oder anderen Mohammedaner, sich auch mal an den weisen, alten Klospruch zu erinnern:
Die Religion hilft uns, Probleme zu lösen, die wir gar nicht hätten, wenn es die Religion gar nicht gäbe.
***
Aber sinnvoller ist es allemal, sich an die eigene Nase zu packen:
Es ist ja nicht so, dass mit den Religiösen hier im Westen alles in Butter gebongt und Friedefreudeeierkuchen wäre. Letzte Woche musste das Kölner Erzbistum sprich Woelki und Konsorten, zwar vor dem Bundesar­beitsgericht auf die Knie gehen & sich ohne Revisions­­möglichkeit der verhassten Jammertal-Realität beugen, (Es ging um die Zahlung irgendeiner verweiger­ten Beam­tenpension wg. Frechheit im Gottesdienst), so dass Woelkis Intimfeind Jott. Frank im Kölner Stadtanzeiger mit dem Kommentar „Erzbistum in letzter Instanz ab­geblitzt“ seinen übellaunigen Senf dazugeben konnte. Doch damit wird in dieser causa noch lang nicht das letzte Wort gesprochen sein. Denn für Woelki, den Gesandten Gottes, ist nicht das Bundesarbeits­gericht die Letzte Instanz, sondern das Jüngste Gericht.
Und da muss man nur die entsprechenden Stellen im Neuen Testa­ment nachlesen, um zu wissen, was so einem kleinen irdischen Wa­denbeißer wie Joachim Frank nach der "Offenbarung des Johannes", der Apokalypse alles so droht.
Auf jeden Fall nichts Schönes.
9.3.24
Lucinda Williams im Kölner Carlswerk
Irre! Einfach supi!
Da konnte man u.a. auch erleben, dass man für supergute Musik keine Gestalten braucht, die den ganzen Abend wie die Bekloppten über die Bühne rennen.
8.3.24
Heute geh ich ins Maxim ...
...und überlass das weite Feld mal den Frauen.
7.3.24
Kurz & scherzlos
„Und nun, liebe Kinder, gebt fein Acht,
Ich hab euch etwas mitgebracht.“
Dpa, in Übereinstimmung mit allen anderen Agenturen der Welt, berichtet:
„Putin plant ein Atomkraftwerk auf dem Mond.“
Wenn noch irgendwelche Zweifel an Putin seiner Zurechnungsfähig­:keit bestanden hatte, bitte sehr, die dürften mit dem heutigen Tag wohl als erledigt gelten.
6.3.24
„Denn eines ist sicher: die Rente“
Nach jahrelangen, infantilen Abwehr-, Angst- und Horror-Diskus­sionen und endlosen theoretischen Experimenten mit längst anti­quierten Algorithmen, einem internationalen Festival der Null­sum­menspiele gleich inklusive Nebelwerferereien, Scheinge­fechten und selbstverliebten Rentnerdiskursen vor laufenden Kameras made by arte etc (Ich nenne keine Namen, im Grunde sinse sichja alle gleich), haben sich die allmählich profes­sionell verfeindeten Fachmänner wie Fachfrauen von den Regierungspampelmusen küssen lassen und, weil die Zeit wohl drängt, sich gestern dahingehend geeinigt, bis auf Weiteres den notwendig radikalen Schritt, den von allen erwarteten großen Schnitt am Rentensystem auf übermorgen zu vertagen und stattdessen erst mal für kleine Jungs, Pippi machen zu gehen.
Mit anderen Worten: Der große Schnitt, der große Schritt, das dicke Ende mit der Rente kriegt also gnädigerweise wieder mal die nächste Generation an die Hacken geschmiert. Aber das kleine Renten-Ding, Berlin-intern schon als „Pippi-Reform“ verhöhnt, haben sogesehen wir, die heu­tigen, seit gestern am Hals, d.h.: Ändern tut sich praktisch nix, nur ein Begriff kommt wie neu daher und lässt aufhorchen: „Generationenkapital“.
Und diese quasi creatio ex nihilo, diese Schöpfung aus dem Nichts geht natürlich zurück oder besser gesagt auf das Konto unseres kleinen, nix­nutzigen, völlig überflüssigen Lobbyvereins namens Äffffeddddpeeh .
Generationenkapital! Da lachen ja sogar 'de Höhner'. Und diese voll-megageile Idee, mit einem mi­noritären Teil der staatlichen Renten­kohle an die Börse zu trotteln, krass! war schon immer der Herzens­wunsch und die unstillbare Vorliebe des Bundesfinanz-und Grins­gesicht­minister Lindner oder wie Meister Lampe es selber auf der Presse­konferenz mit einem liberalen Lächeln um die Lippen formu­lierte:
„Ein Anfang ist gemacht. Wir haben heute zusammen einen echten, historischen Paradig­menwechsel vollzogen. Unser Rentensystem braucht ein Update.“
Ooocchh! Wie süss. Ach was.
Und noch was!
Der eine oder andere hat eventuell noch das Geräusch im Ohr, das die globale Im- und Explosion der diversen systemrelevanten, angeb­lich unkaputtbaren Superbanken beim letzten Crash produziert hat. 1000mal ist nichts passiert. 1000mal und eine Nacht, dann hat es wumms gemacht.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie haben vielleicht beim Überfliegen dieser Zeilen bemerkt, dass ich von der ganzen Materie auch nur mehr oder weniger Null-Komma-Null-Ahnung habe. Eher noch weniger. Aber was ich habe, ist der schwerwiegende Verdacht, dass dieser unappetitliche Lindner …
...ach, ...
was soll der Geiz und die ganze Aufregung. Spätestens nach der nächsten Bundestagswahl ist der Typ sowieso Schnee von ges­tern. Christian Schnee v. Gestern.
5.3.24
„… bis alles in Scherben fällt!“
Seit Sonntag haben die Arschlöcher für Deutschland in Sachsen einen 2. Bürgermeister. Der Mann heißt Rolf Weigand, das Kaff Großschirma und hat 6000 Einwohner. Also das Kaff, nicht der Bürgermeister. Und hatte 59 % der Stimmen bekommen. Also der Mann, nicht das… ach, is auch egal. Was mag das für ’ne Type sein, den die Großschirmacher so 1a klasse finden?
Nun ja, 2020 stellte er im Landtag z.B. die kleine Anfrage, wieviel „ge­bärfähige Frauen im Freistaat“ denn so leben. Und: wieviel davon echte deut­sche Frauen sind und wieviel solche mit so nem Migra­tions­hintergrund, die es geschafft haben, sich hier einzunisten.
Ich weiß nicht, ob die eine Antwort bekommen haben. Das Hinterfot­zige an den kleinen Anfragen der AfD ist nur, dass die gewünschte Antwort immer schon in der Frage gleich mitgeliefert wird.......
P.s.:
Bleibt vielleicht noch nachzutragen:
Nachdem die Aufklärung an denen voll vorbeigelaufen ist, die acht Zwergschuljahre offenbar auch nix genutzt haben, kommt jetzt die Spätmoderne mit dem Satz an:
"Künstliche Intelligenz hilft bei solchen Leuten da aber mit Sicherheit auch nicht weiter."
Schöne Scheisse.
4.3.24
Nach dem ‚Tatort‘ (Neue Rubrik)
Es kommt nicht oft vor, dass ich nach dem ‚Tatort‘, wenn ich ihn mir denn überhaupt antue, noch 3 Minuten im Sessel hängen bleibe. Aber seit die unverbesserliche Besserwisserin Anne Will die ver­dien­te Biege gemacht hat, will ich oder muss ich – ich kann jedenfalls nicht anders - unbedingt die süßen, riesigen, runden Kulleraugen von dem Lori bestaunen (siehe auch Eintrag vom 6.2.), der uns dämli­chen Glotzenguckern die große, weite Welt der Politik a little bit äh näher … äh, bringen oder sowas soll oder was.
Doch diesmal war alles anders. Diesmal muss die Redaktion des Unterhaltungsformates ‚Caren Miosga‘ zum Nachmittagstee wohl den sprichwörtlichen Zirkusclown verfrühstückt haben, als die Herrschaf­ten nach langen, langen Brainstormingrunden auf den Titel der heuti­gen Miosga-Ausgabe kamen:
„Wie geht Politik in ernsten Zeiten, Herr Söder?“
Weil ich mir aber von Söder nicht die Politik erklären lassen will, und schon gar nicht 20 Minuten lang, bin ich relativ flott ins Internet, um mir da in aller Gemütsruhe alte Miosga-Ausgaben anzuschauen. Das bringt mir nämlich echt mehr als Söder. In echt. Ganz abgesehen von solch lä­cherlichen bayerischen Bierzelt-Kabarettereien wie dieses „Der­blecken“ oder wie die da unten ihren offenen Anwanz- & Arsch­kriecher-Ober­kult bezeichnen. (So! Das wollte ich hier auch noch mal, wenn auch völlig zusammenhanglos, eben los werden.)
3.3.24
American Dream
Das Wort zum Sonntag
Last time I saw you, you had dirt under your nails
Your eyes were glassy and you looked so pale
You said my life has become a livin' hell
Ain't got enough money to pay my bills

Everything is wrong
Everything is wrong

Got a friend with a needle stuck in his arm
He got hooked on heroin in Vietnam
It used to help kill the pain some of the time
Now I can't sleep at all since I got back home

Everything is wrong
Everything is wrong

I worked in the strip mines off and on
Now I can't seem to get rid of this cough
Ain't been many jobs these last few months
And the last one I had, I got laid off

Everything is wrong
Everything is wrong

I ain't got no hot water and they shut off the heat
Can you loan me some money for something to eat?
Been out here on this corner for about a week
Trying hard to stand on my own two feet

Everything is wrong
Everything is wrong

They want to try and tell me where I can live
They kicked me off my land a nd told me they'd give me
A nice little tract house with running water
But how am I gonna explain that to my Navajo mother?

Everything is wrong
Everything is wrong

My American dream almost came true
But the things they promised me never came through
I believe in the American dream
But things are never quite what they seem

Everything is wrong
Everything is wrong
Everything is wrong
Everything is wrong

(Lucinda Williams)

Am 8. März spielt sie mit ihrer Band in Köln. „Stories from a Rock’n’­Roll Heart“. Wer sie nicht kennt, sorry, hat im Leben was verpasst.
Is also keine hirnzersetzende Rummtata-Dödelmucke à la Helene F., auch kein postkarnevalistisches Heimat-Geschunkel wie Brings, Bläck Föös Höhner etc. oder gar Main­stream-Nerventöterei-Gedudel von Genesis bis Pur. (Obwohl, letzteres wär vielleicht mal 'n innovati­ves Forschungsprojekt zur Verbesserung der Welt und Rettung des Restverstandes), passt aber exakt zur Stimmung der Zeit.
Die Hütte ist bestuhlt, und man darf sich setzen. Wenn man will. Oder kann. Am Internationalen Frauentag. Ich bin gespannt. Man sieht sich.
„Rock, peace and Revolution! Thank you!“ wie sie am Ende zu sagen pflegt.