Das Tagebuch

2.4.20
Allmählich wird‘s aber lustig
Nachdem uns unsre feine Regierung dazu verdonnert hat, bis nach der Auferstehung des Schöpfers prinzipiell zuhause rumzuhocken, wird jetzt auch noch für jeden unumgänglichen Kurzausflug an die „frische“ Luft eine Mundschutz-Pflicht ins Auge gefasst (wobei da­bei der Nasenschutz selbstverständlich inkludiert zu sein hat – siehe Laschet).
Na, von mir aus. Nu also obendrein noch der Mundschutz. Nur wenn Mundschutz, dann bittschön aber ‘n Mundschutz nicht nur mit inte­griertem Nasenschutz, sondern auch 'em integrierten Laberschutz. Wenn schon, denn schon.
Und falls ein Laberschutz zur Zeit aus technischen oder finanziellen oder auch aus religiösen Gründen noch nicht realisierbar erscheint, dann eben wenigstens ein Mundschutz mit rigorosem Hörschutz. Ich bin da ganz offen. Man sollte dem Fortschritt grade in diesen Zeiten ja nicht überall im Weg rumstehen.
P.s.:
Und wenn das Teil sich dann auch noch gut anfühlen und lecker nach Haribo oderso schmecken würde, hätten wa ja alle 6 Sinne wieder beisammen.
1.4.20
Heute bleibt der Eintrag zuhause
Nee, nee, nee! Heute kann ich nach Durchsicht aller aktuellen Meldungen beim bestem Willen nicht erkennen, was Scherz, Fake oder Wirklichkeit ist. Oder gar alles Dreie zusammen.
30.3.20
Armin Laschet, Zwerg Nase der Zukunft
Auch bekannt als Armin, der Nasenbär
Armin Laschet, witzloser Landespapi von NRW und ziemlich be­scheidener Möchtegernkanzler, wollte sich bei einem Besuch der Uniklinik Aachen selbst ein Bild machen von der Lage vor Ort. Gemeinsam mit anderen beobachtete er, wie uns ‚FOCUS online‘ liebenswerterweise mitteilt, „über einen Bildschirm eine Behand­lung in einem der Uniklinik angeschlossenen Krankenhaus. Hierfür trug er wie alle Anwesenden aus Sicherheitsgründen einen Mund­schutz – diesen allerdings falsch.“ Nämlich „nur übern Mund, nicht aber auch über der Nase.“
Was sagt uns das? Nun, das sagt uns erstens – und da gibt es über­haupt kein Zweifel: „Merkel wär‘ das nicht passiert!“ Und zweitens: „Armin Laschet, lass et!“
29.3.20
Was ist bloß los mit der guten, alten „Strafe Gottes“?
Man kann sich heutzutage aber auch auf nichts mehr verlassen. Früher, als sich die Flüsse noch bei Bedarf blutrot verfärbten, es massenhaft Frösche regnete, Stechmücken, Heuschrecken und Hundsfliegen über die Menschen herfielen, um mit unschöner Re­gelmässigkeit Pest, Pocken, Blattern und Milzbrand zu verbreiten, und schlussendlich fußballfeld­große Hagelkörner der Krone der Schöpfung drei Tage lang den Himmel verfinsterten, da war alles klar, da wusste man noch, wo's lang ging. Okay, zwischen­zeitlich hatten sich seit dem urchristlichen Apokalypse-Hannes die Plagen auf 7 reduziert, und dennoch, jahr­hundertelang stand die Weisheit wie in Fels gemeißelt: die Strafe Gottes ist die Strafe Gottes ist die Strafe Gottes und alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Und heute? Dass sich mit dem Quark kein Pfaffe mehr weiter als nötig aus dem Fenster lehnt, wird ja nicht daran liegen, dass das einfach kein Mensch mehr hören kann - weil se ihre Kapellen ja alle bis auf Weiteres dicht gemacht haben. Und die kranke Hamsterei von den 3 heiligen Nudeln, Mehl und Scheißhauspapier wird ja wohl niemand ernsthaft als Ersatzhandlung verkaufen wollen. Oder? Ich weiß es nicht, ich weiß es nicht.
Die einzige, die sich allerdings noch traut, dieses letzte heiße Eisen an­zupacken, scheint mir demnach uns' Margot zu sein, ihres Zei­chens die einsamste Ruferin in der Wüste mit dem prophetischen Beinamen Käßmann. Und so fragt sie in ihrem aktuellen „BamS“­Lamento:
„Ist Corona eine Strafe Gottes?“
Und so antwortet man, ohne auch nur eine einzige Zeile gelesen haben zu müssen:
„Nein. Aber Frau Käßmann.“
28.3.20
„Tüdelüdelüdelüdelüdelüdelüüü“
(Kurze Vorbemerkung: ‚web.de‘ - ‚web.de‘ muss man nicht kennen, gibt‘s aber trotzdem. ‚web.de‘ ist so was wie ‚BILD‘ in digital, m.a.W. Boulevardscheisse am Stil aus dem All und für ‚google-news‘ die Welt schlechthin, könnte auch heißen „Ohne geht gar nicht“ oder „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“, ex-orbitales Zen­tralorgan der deutschen Mehrheits­fraktion, Nase-Auge-Ohr&Sprach­rohr der größ­ten indigenen Parallelgesell­schaft des und im Namen des Volkes.
Egal. ‚web.de‘ schreibt:
„Tüdelüdelüdelüdelüdelüdelüüü
Jetzt ist also wirklich Schluss. Wir können uns das noch gar nicht richtig vorstellen. Nach 34 Jahren "Lindenstraße" kein "Tüdelüdelü­delüdelüdelüdelüüü"-Cliffhanger am Sonntagabend? Unmöglich! Ob wir die Serie seit dem 8. Dezember 1985 verfolgen, oder ob wir sie seit fünf, zehn oder fünfzehn Jahren nicht mehr gesehen haben, spielt keine Rolle. Man wünscht ja auch der betagten Großtante nicht den Tod, nur weil man sie schon lange nicht mehr besucht hat.“ usw.
Nee, das tut man auch nicht. Abgesehen von dem sinnlosen Ge­quatsche des letzten Satzes (Einer Person „den Tod wünschen, nur weil man sie schon lange nicht mehr besucht hat“.)
Nee, nee, bei mir ist das mit dem „Ende der Lindenstraße“ noch mal ganz anders:
Mir ist es e g a l.
26.3.20
Und noch ‘n Tipp
Jeden Morgen bei ‚Netto‘ nebenan dasselbe Schauspiel:
Jeder, aber auch jede hat eine Großpackung Scheißhausrollen im Hamsterkörbchen deponiert. Anfangs sagte ich noch beim Schlen­dern durch die Gänge etwas scheu und irritiert: „Mein Gott, haben Sie aber ne dolle Verdauung!“ Jetzt lass ich im Vorbeigehen nur noch nebenbei fallen:
„Guten Schiss und servus! Ihr seid doch nich ganz dicht!“
Für nen Buchtipp sind die meisten in so einer Situation dann nicht so sehr empfänglich; deshalb sei er an dieser Stelle nachgereicht:
„Dunkle Materie – Die Geschichte der Scheisse“ von Florian Werner.
Man liest es quasi in einem Rutsch durch. Dauert aber. Kein Fall für die ganz flotte Klolektüre.
25.3.20
Vielleicht ist es etwas verfrüht ...
Aber ich verrate ja nichts. Das Ende ist ja bekannt. Und wer es vergessen haben sollte, wer es womöglich sogar vergessen wollte, selbst denen, die es aus welchen Gründen auch immer tatsächlich nicht wussten, mach ich ja nicht die Spannung kaputt:

„Während Rieux den Freudenschreien lauschte, die aus der Stadt aufstiegen, erinnerte er sich nämlich daran, dass diese Freude immer bedroht war. Denn er wusste, was dieser Menge im Freuden­taumel unbekannt war, und was man in Büchern lesen kann, dass nämlich der Pestbazillus nie stirbt und nie verschwindet, dass er jahrzehntelang in den Möbeln und in der Wäsche schlummern kann, dass er in Zimmern, Kellern, Koffern, Taschentüchern und Papieren geduldig wartet und dass vielleicht der Tag kommen würde, an dem die Pest zum Unglück und zur Belehrung der Menschen ihre Ratten wecken und zum Sterben in eine glückliche Stadt schicken würde.“
So gehen jedenfalls die letzten Sätze aus dem Roman von Albert Camus „Die Pest“.
24.3.20
Kampf der unaufhaltsamen allgemeinen Massenverblödung
Bevor Sie nun in der zermürbenden Quarantäne-Zeit wg Hummeln im Hintern anfangen, Ihre Frau zu vermöbeln wahlweise Ihren wer­Gatten, sich wei­terhin im Supermarkt mit Klopapier & Nudeln ein­decken, die Scheidung einreichen oder es sich auch noch mal anders überlegen - hier meine Büchertipps gegen den erst mal ganz persön­lichen und unweigerlichen Hirntod in dieser Zeit:
„Grand Hotel Abgrund - Die Frankfurter Schule und ihre Zeit“
von Stuart Jeffries //
und „Böse Philosophen - Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung“
von Philipp Blom.
Ach ja, und das neue „Kursbuch“ ist raus. Titel „Menschenskinder!“
Und weil Sie meinem letzten Tipp wahrscheinlich auch nicht gefolgt sind, sei das Büchlein wiederholt ans Herz gelegt:
„Wir Herrenmenschen - Unser rassistisches Erbe:
Eine Reise in die deutsche Kolonialgeschichte“
von Bartholomäus Grill.
p.s.:
Die Lage ist ernst. Aber Sie schaffen das.
23.3.20
Was macht eigentlich …
der März?
Der wer? Der März?
Der liegt in seinen letzten Zügen.
(Die Wege des Herrn sind unergründlich.)
Halleluja.