Das Tagebuch

3.2.26
Informationswert gleich 0,
irgendwo zwischen nix, nada und zero
Was soll das heißen, wenn es da im Nahen Osten wieder heißt:
„Bei einem Angriff des israelischen Militärs auf ein Krankenhaus in Gaza, in dem eine Kommandozentrale der Hamas vermutet wurde, sind nach Angaben der palästinensischen Autonomiebehörde, die der Hamas untersteht, 10 Zivilisten, darunter 5 Frauen und 3 Kinder zu Tode gekommen. Auch diese Meldungen konnten von uns nicht unabhängig bestätigt werden.“
Was soll man damit anfangen?
1. Die Zahlen und „Informationen“ stammen alle von der Hamas.
2. Angefangen hätten die Israelis.
3. Es gab nur zivile Opfer. Genauer, nur unbewaffnete Frauen und Kinder.
4. Ob die Israelis das bestätigen konnten, oder hätten bestätigen können, konnte auch nicht bestätigt werden.
5. Wenn mit stupender deutscher Korinthenkacker- und Rechthaberei „unsere“ Korrespondenten in Jerusalem und Tel Aviv am Ende eines jeden ihrer Berichte an die ohnehin Unmöglichkeit einer objektiven, unabhän­gigen Kriegsberichterstattung erinnert wird, dann dient diese islamis­tische Gebetsmühle nicht der Aufklärung sondern der unauf­haltsamen Delegitimierung der israelischen Kriegsführung.Und dem würden ziemlich viele Leute zustimmen.
Der Kampf geht also weiter. Alles, was von der Hamas veröffentlicht wird, ist ja eo ipso pure Propaganda. Warum „unsere“ Korrespond­enten dann trotzdem diese ewig gleiche Opfer-Litanei 1 zu 1 wie­derkäuen, soll man sich wohl an 2 Fingern ausrechnen dürfen.
Kurzum
quod erat demonstrandum.
2.2.26
Prokla – Probleme des Klassenkrampfes
heute:
Schöne neue Welt der diversen Faschismen
Das hätte man sich vor sagenwamal 30 Jahren auch nicht träumen lassen, dass man nach WK1, WK2 und Holocaust, nach McCarthy, McLenin, McStalin und McPutin und nach 40 Jahren Dunkeldeutsch­land nun sogar schon in den USA mit 2 Legislaturen der steindoofe Trumpismus und in halb Europa neuerdings an die 20 unterschied­lichen Faschismen zu unterschei­den hat. Oder ist das jetzt auch schon wieder zu kurz oder zu lang, zu laut oder Louise, oder halt zu voreilig wie immer oder zu sonstwatdurcheinander gedacht?
Mir persönlich wäre ja noch die uralte, historische, halbwegs bewährte Kampfform am genehmsten: alle in einen Sack und dann mit dem Nudelholz drauf! Da trifft man -wie jedermann weiss - immer nen Richtigen.
1.2.26
Pardon, Herr Merz!
Vom 26. Januar bis heute hab ich mich selber mal ne Woche krankgeschrieben. Ich denke, das haben wir beide uns doch auch redlich verdient, oder?
Wir Menschen brauchen in unserer modernen, rasanten, schnell­lebigen Zeit (Stichwort ‚Rattenrennen‘) hin und wieder ein Ruhe­päuschen, um auch mal die vielen Freizeitangebote nutzen zu können. Heute gibt’s zum Beispiel sogar fast ein Überangebot an kulturellen Mitmachmöglichkeiten: Heute gibt’s nicht nur den „Internationalen World Hijab Day“ sondern auch den „Internationalen No Hijab Day“. Ich werd wohl bei beiden mal vorbeischauen. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen. Toll, so viele kulturelle Angebote, für die man sich entscheiden kann!
Man muss nur manchmal etwas aufpassen. Es gibt da nämlich auch Leute, die einem nur ins Gehirn kacken wollen.
25.1.26
Erinnerung an die Zukunft
Somewhere over the rainbow, way up high,
there´s a land that I have heard of once in a lulaby.
Somewhere over the rainbow, skies are blue
and the dreams that you dare to dream really do come true.

Someday I wish upon a star
and wake up where the clouds are far
behind me.

The troubles melt like lemon drops
away across the chimney tops
that´s were you find me.

Somewhere over the rainbow, way up high,
there´s a land that I have heard of once in a lulaby.

(Harold Arlen/E.Yip Harburg)
Oder auf deutsch
von Rio Reiser

Irgendwo
hinterm Regenbogen
gibt es ein Land,
von dem ich gehört hab,
irgendwann mal
in einem Wiegenlied.
24.1.26
Amtliche Mitteilungen
Die Bundesregierung kürzt die Entwicklungshilfe in Asien und Lateinamerika. Afrika kommt in der Rechnung gar nicht mehr vor. Früher hieß es noch: Von 1 Mark, die in Afrika „investiert“ wird, kommen im Schnitt 2 Mark wieder zurück. *)
Jetzt aber so nen dicken Fisch einfach von der Angel zu lassen,
ist eigentlich nicht die feine europäische Art. Es heißt: Die Gürtel werden künftig nicht mehr enger geschnallt, sondern direkt um diverse Löcher gekürzt. Ach so.
Die einzigen, bei denen nichts gekürzt wird, und da wird sich auch
in 1000 Jahren nichts dran ändern, sind mal wieder die Beamten.
Und 1 mal dürfen Sie raten, wer hier als der kompetente Fachmann für Kürzungen im Kompetenzbereich gilt und zum Verrecken nichts zurücknimmt? Na?
Genau, der Dobrindt.
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*)
Wie der Neokolonialismus heutzutage funktioniert, weiß ich auch nicht. Als Hobby-Revolutionäre wussten wir das damals aber um so besser. Nur jetzt iset zu spät.
23.1.26
Es geht los
Die ‚tagesschau‘ meldet:
„Deutsch-italienische Beziehungen Berlin/Rom rücken zusammen
Berlin und Rom bauen ihre Kooperation in Verteidigung, Wirtschaft und Migration aus.“
Hatten wa diese Konstellation nich schon mal?
22.1.26
Trump ist nicht alles
Und wenn er und sein Gesocks Amerika so great gemacht haben wer­den, dass es greater und schlimmer gar nicht mehr geht - irgendwo wird es einen Ort geben, wo Kinder ohne Sorgen leben,
wo man so was noch singen kann, am Ende hinterm Regenbogen. Dann fängt’s halt wieder von vorne an. Verdammt nochmal cathedral:

CATHEDRAL *)
Six o'clock
In the morning I feel pretty good
So I dropped into the luxury of the Lords
Fighting dragons and crossing swords
With the people against the hordes who came to conquer

Seven o'clock
In the morning here it comes I taste the warning
And I'm so amazed I'm here today
Seeing things so clear this way
In the car and on my way to Stonehenge

I'm flying in Winchester cathedral
Sunlight pouring through the break of day
Stumbled through the door and into the chamber
There's a lady setting flowers on a table covered lace
And a cleaner in the distance finds a cobweb on a face
And a feeling deep inside of me
Tells me this can?t be the place

I'm flying in Winchester cathedral
All religion has to have its day
Expressions on the face of the Savior
Made me say
I can't stay
Open up the gates of the church and let me out of here
Too many people have lied in the name of Christ
For anyone to heed the call
So many people have died in the name of Christ
That I can't believe it all

Now I'm standing on the grave of a soldier that died in 1799
And the day he died it was a birthday
And I noticed it was mine
And my head didn't know just who I was
And I went spinning back in time
And I am high upon the altar
High upon the altar, high

I?m flying in Winchester cathedral
It's hard enough to drink the wine
The air inside just hangs in delusion

But given time
I'll be fine

Open up the gates of the church and let me out of here
Too many people have lied in the name of Christ
For anyone to heed the call
Too many people have died in the name of Christ
That I can't believe it all

And now I?m standing on the grave of a soldier that died in 1799
And the day he died it was a birthday
And I noticed it was mine
And my head didn't know just who I was
And I went spinning back in time
And I am high upon the altar
High upon the altar, high

(Crosby, Stills & Nash)

******************************
*)
„Cathedral“ von CSN, 1977)
21.1.26
Mit hoher Wahrscheinlichkeit zu doof
Dass selbst harmlose Blätter wie der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ (Pars pro toto bzw. Einer für alle und alle für einen!) sich gezwungen sehen, im Kulturteil immer unverkrampfter und aggressiver auch Tinnef, groben Unfug und übelsten Mist zu verkaufen, so dass manch einer sogar von echtem Scheissdreck spricht, das alles wird niemanden verwun­dern, der sich noch dunkel an Begriffe wie „Kulturindustrie“, „Kitsch“ ,„Ausbeu­tung“ und „Massenverblödung“ erinnern kann. Ich persönlich hegte zum Beispiel, nur kurzfristig zwar aber immerhin, die lächer­liche Hoffnung, dass Thomas Gottschalk seinen Abgang ernsthaft und endgültig … ach nee, der ist ja jetzt doch wohl tabu, oder? … ja, sicher, für mich auf jeden Fall, aber anschei­nend nicht für den 'Stadt­anzeiger. Hier & heute, praktisch ne ganze Seite "Wetten, dass..."-Endlos-Gelaber im Kulturteil:
„Champagner zum Frühstück -
Bill und Tom Kaulitz leben in ihrer ganz eigenen Welt und lassen uns gerne daran teilhaben - können sie (also die beiden steindummen Plastikheiopeis, die nicht in Würde älter werden können) mit ihrem Glamour „Wetten, dass …?‘ entstauben?“
Bill und Tom Kaulitz, die unter normalen Jugendlichen nur als Brech­mittel laufen, in puncto Überflüssigkeit einen Gottschalk meilenweit in den Schatten stellen, werden nu also vom Kölner Käseblatt als Retter einer sog Unterhaltungssendung für die ganze Familie hochge­nud­elt, einer Show, die schon zusammen mit ihrem antiquierten „Moderat­or“ als der Inbegriff spätkapitalistischer Endvernutzung galt.
Mit ziemlicher Sicherheit aber werden sich die beiden Nichtsnutze auf das schamlose Angebot nicht einlassen, denn selbst dafür dürf­ten die zwei Gottseidank inzwischen zu doof sein.
Was ich mit meinem ebenso nichtsnutzigen Sermon ausdrücken wollte:
Unsre vergleichsweise noch ruhigen Zeiten sind damit jetzt also auch aus und vorbei und Geschichte.
20.1.26
„Bundesregierung widerruft …
…. fast jede zweite Aufnahmezusage für Afghanen“, schreibt der’Spiegel’. Und weiter:
„Die Ampelregierung hatte rund 2000 Afghanen eine Aufnahme­zusage gegeben. Unter Kanzler Merz soll nur etwa die Hälfte nach Deutschland kommen dürfen. Hunderten Menschen wurde die Ein­reise verweigert.“
Unsre deutsche Asylpolitik, so die üblichen Verdächtigen aus der deutschen Asylexperten-Szene, basiere auf den allgemein bekann­ten abendländischen Werten der christlich-jüdischen Leitkultur.
Ein unabhängiger Faktencheck unsererseits aber hat zunächst mal ergeben, dass es zu keinem Zeitpunkt in den letzten 1500 Jahren auch nur den Hauch einer christlich-jüdischen Zusammenarbeit gegeben hat. Von einer christlich-mohammedanisch-afghanischen
ist uns auch nichts bekannt. Unterm Strich wird sich deshalb "der 3. Grundsatz des Dobrindtschen Gesetzes" ins kollektive Gedächtnis der Afghanen eingraben:
„Es besteht kein politisches Interesse mehr, gefährdeten Afghanen Schutz zu gewähren.“ Und den werden sich die Betroffenen – da kann der Dobrindt Gift drauf nehmen – für ewig auf den Unterarm tätowieren.