Das Tagebuch

14.5.21
Büchertippen im Mai
„You don‘t need a weatherman to know which way the wind blows“
(Bob Dylan), aber nützlich alle Male ist dafür:
Caroline Fourest
„Generation beleidigt -
Von der Sprachpolizei zur Gedankenpolizei“,
Edition Tiamat
und von
Dan Diner
„Ein anderer Krieg -
Das jüdische Palästina und der 2. Weltkrieg 1935 - 1942“,
DVA
und sehr hilfreich auch
„Futur Zwei -
Magazin für Zukunft und Politik -
Schwerpunkt:
Irre.
Warum treten Menschen aus der Wirklichkeit aus?“,
taz-Verlag
13.5.21
Hereinspaziert, hereinspaziert,
meine Damen, meine Herren!
Heute fängt der Wahlkampf an!
Komm'Se näher, komm'Se ran!
Hier werd'n'S g'nauso beschissen
wie nebenan.
Dpa meldet:
„Kein Flug mehr unter 50 Euro – 
Olaf Scholz will die Flüge teurer machen“
Und nicht nur das! Die SPD hat zusammen mit der CDU/CSU als noch amtierende GroKo gestern holterdipolter kurzerhand beschlossen, die­ses Deutschland, unsere teure Heimat, die schönste Schöpfung des Schöpfers von Himmel und Erde, mirnixdirnix mal so eben ein paar Jahre früher, eher und schneller klimaneutral einzurichten, als EU-Kommission und Bundesverfassungsgericht überhaupt zu fordern gewagt hätten. Die Bundessuperumweltministerin Svenja Schulze, die Super Svenja und der Vize Olaf, die beiden zeigten sich bei der Pressekon­ferenz so oberglücklich über den verdienten Arschtritt, den sie von der EU-Komm und dem Verfassungsgericht einkas­siert hatten, dass die Journalisten nur geplättet-konsterniert ein kurzes „Häh?“ in ihre Kladden kritzeln konnten.
Sagt ma, hamma den berühmten Schuss nich' gehört? Ist da irgend­was an uns vorbeigelaufen? Wollen 'Angela-im-Glück' und 'Olaf-'Guck-in-die-Luft' die Veggie­day-Partei per pedes überholen, mit Über­schallgeschwindigkeit auf dem Standstreifen, Richtung End­station: Phantasialand? Ist Olaf noch Kanzler­kandidat der SPD oder schon der neue ökolibertä­re Chef der Luft­hansa? Seit wann kann Olaf denn die Flugpreise diktieren? Was is 'nn überhaupt hier los?
Ist der grüne Alternativ-Kommunismus aus­ge­brochen? Und die herr­schende Klasse, ist die abgehauen mit Sack und Pack? Oder ist der - horribile dictu - Honecker wieder da? Sind die Herrschaften denn jetzt alle plötzlich gagga, balla-balla und me­schugge?
Nee, Kinners, et is' bloß Wahlkampf. It‘s the Wahlkampf, stupid. Gagga, balla-balla und meschugge sind's ja sowieso. Die Frage nach geistiger Gesund­heit führt also eher in die Irre. Man muss schon zu­hören, wenn sie so Wichtiges denn zu sagen haben! Fairerweise muss man sich und dummer­weise, anders geht es nu mal nich', auch Paro­len und Program­me and'rer Lichtgestalten näher ansehen, um zu checken, wie man heute sagt, was angesagt. Satz für Satz und Wort für Wort. Und allemale gilt: Versprochen ist versprochen. Im Ü­bri­gen sind die Leute, wenn wir jetzt mal ehrlich sind, un­term Strich ja eigentlich genau wie unsereins, wie wir, wie du & ich, wie ganz gewöhnlich ganz banale End- und Ottostinknormalver­brau­cher, Volks­ver­treter - sicher, doch direkt aus unserer Mitte, also Fleisch vom Flei­sche quasi. Gut, und obendrein Poli­tiker.
So viel zu Wahrheit, Wahlkampf und Gerede.
Und niemand hat dabei Zusammenhang und Hintergrund deutlicher erkannt als Theodor A. Wiesengrund, der große Weltendichter, als der in seinem aller­hellsten Augenblicke dichtete:
„Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.“
Okay, is' jetzt vielleicht 'n bisschen grob + barsch + übern Daumen und gemein ... verall­gemeinert. Aber war auch so gemeint.
12.5.21
Si tacuisses …
„Wenn man keine Ahnung hat … einfach mal die Fresse halten“ (Dieter Nuhr)
Zieht man den üblen, peinlichen Theater-Hype ab, den sich die Medien in den letzten Jahren rund um Greta Thunberg geleistet haben und der von Greta Thunberg selbst und ihren Symphis da­raufhin als politische Praxis missverstanden worden ist, bleiben doch zumindest zwei Dinge bestehen:
Erstens die hoffentlich 'nachhaltige' Erkenntnis, dass diejenigen Herrschaften, die für die weltweite Ver­nichtung der Natur und die damit zusammen­hängende neo-imperia­listische Ausbeutung von Menschen ver­ant­wortlich sind, einen Teufel tun werden, den Protest auch nur in irgend­einer Art und Weise ernst­zunehmen.
Und zweitens: Dass Greta Thunberg et al. – in ihren jungen Jahren - sich zu respektablen Experten in Sachen Klimawandel gemau­sert haben.
Das ist aber auch schon alles.
Wenn Mademoiselle jetzt allerdings meint – wie Milliarden halbge­bildete eben­falls – auch zum Israel-Palästina-Konflikt, einem nicht minder kom­plexen Thema, ihren unnützen, halbgaren, ahistorischen Senf dazu geben zu müssen, wird man wohl nicht umhinkommen, ihr mal mit Nachdruck ein paar essentials aus dem stinknormalen Alltag beizubiegen - zum Beispiel:
„Si tacuisses philosophus mansisses.“ ( auf deutsch - für die, die freitags immer Latein hatten u. da immer irgendwie nicht konnten: „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.“)
Oder zur Abwechselung – wem‘s gefällt - mal auf schwäbisch:
„Wenn de dei Gosch g’halde heddsch, no hedd koi Sau gmergt, daß’d bled bisch.“
Und das ist noch sehr freundlich formuliert.
11.5.21
Einer für fast alle anderen
'n-tv live':
„Wir haben uns schon mal zuhause gefreut, endlich noch mal ein gezapftes Bier trinken. Leben, haben wir hier endlich wieder ge­spürt.“
(Willi Ballermann-Mustermann aus dem 'Pott', z. Z. mit Frau Ballermann-Muster­mann, geb. Mustermann, in der Aussengastro vom Bierkönig, Schinkenstraße, Mallorca)
Mein Gott! Was muss das da fürn Dasein sein, da im 'Pott'!
10.5.21
Pegida jetzt auch offiziell rechtsextrem
Ganz Sachsen aus dem Häuschen! Ab heute ist es amtlich: Der sächsische Verfassungsschutz stuft Pegida als rechtsextremistisch ein!
Bisher hieß es immer, die Masse der durch Dresden marschierenden Montagsmaler seien nur be­sorgte Bürger und verunsi­cherte heimat­treue Urein­wohner von Sachsen mit berechtigten Sorgen, Ängsten und sonstwat, die von vereinzelten aus­länderun­freundlichen Einzel­heinzeln verführt worden wären.
Demnächst werden se dann wohl noch indigniert zur Kenntnis neh­men müssen, wenn der Verfassungsschutz aufgrund eigener inten­siver Forschungsarbeiten erklären wird, dass der Führer Adolf Hitler damals doch eventuell rechtsradikal gewesen sei und ein Antisemit dazu. Aber selbst wenn, ist das doch alles zusammen nur ein Flie­gen­schiss.* Wie Herr Gauleiter das mal sehr energisch ausge­drückt hat.
Also, man erlebt in diesem Land hier ja immer wieder die erstaun­lichsten Sachsen. Ähm.

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*
Als Herr Gauleiter sein geflügeltes Wort vom "Fliegenschiss" der staunenden Öffentlichkeit präsentierte, war es allerdings schon einige Male durch die Mühle der Lügenpresse gedreckselt und völlig entstellt worden. Herr Gauleiter hatte eigentlich seine übergroße Distanz zum 3. Reich dar­stellen wollen. Doch das wollte wiederum keiner hören. Der diesbe­zügliche Satz lautete nämlich in Wahrheit:
„Das 1000-jährige Reich der Germanen war doch ein Fliegenschiss im Vergleich zu den 12 Jahren unter Hitler.“
Aber was willste gegen die eiskalten Verdrehungen der Lügenpresse machen, wenn schon Juden und Neger hier und heute das Sagen haben! Die Richtig- bzw. Gegendarstellung wurde zwar gedruckt, doch in die hinterletzten Ecken verbannt. Und das Gegenteil wird nach wie vor behauptet. Lügenpresse halt.
Lügenpresse! Lügenpresse! Lügenpresse! Merkel an den Galgen!
9.5.21
Stuttgart-Stammheim, 9. Mai 1976
Ulrike Marie Meinhof
8.5.21
Der Krieg is aus
Wir gehen nach haus
Rabimmel,rabammel
Rabumm
Bumm bumm
Dpa meldet:
„Habeck schließt Grün-Rot-Rot nicht aus – und fordert von Links­partei Bekenntnis zur Nato“
Mann, Mann, Mann, wie ging noch mal das Nato-Bekenntnis? Ich weiß es nicht mehr so ganz genau, aber wenn mich nicht alles täuscht, dann hörte sich das so an:
„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten
und das ewige Leben. Amen.“
Ja, so war's, glaub ich. Und? Hat sich da IRGENDWAS verändert?
.....
Na, also.
7.5.21
Armin & Olaf,
die doofen Zwei
Es ging ein Aaah und Oooh durch den vollbesetzten Saal der Bun­despressekonferenz, als der Arnim und der Olaf am späten Abend gemeinsam die Bühne betraten, um ihrer grünen Konkurrentin Baerbock …
Nee, Quatsch, kann ja gar nicht! Reingelegt! Habe mir den Fake grade einfach nur so aus den Fingern gesogen. Natürlich haben sich die beiden nicht gemeinsam geäußert, zu ihrem gemeinsamen, dicksten Problem, der grünen Kanzlerinkandidatur von Baerbock. Aber sie hatten beide haargenau denselben Text, von haargenau demselben Ghostwriter:
„Keine Regierungserfahrung, keine Ahnung von Politik, kein prakti­kables Programm und kein undundund“
Und? Selbst wenn es so wäre, würde ich, meiner unpolitischen Hal­tung folgend und weil der erste Punkt diesmal sogar von absolutem Vorteil sein kann, der Frau meine Stimme geben. Und weil – ganz wichtig: Ich kann und mag und will diese ungeilen, asbachuralten Sackge­sichter einfach nicht mehr sehen.
(So einfach ist das manchmal. Komisch, ne?)
6.5.21
„Hallelujah!“
Die gute halbe Stunde
Hau-rein-is-Tango! *
(Mein Vorschlaghammer für ca. 35 garantiert sinnvolle Minuten)
Es muss ja nu auch nicht immer Neil Young und Bob Dylan sein.
Und für den Auftakt der neuen Rubrik hab ich mir heute mal Fol­gendes erlaubt zu servieren:
„Mr. Kraut‘s jinx“ von Amon Düül II
„Hauptsache Wind“ von Danny Dziuk
„Must I evolve“ von Jarvis Cocker
„Am I missing something“, dito
„Bombs away“ von Eels
und
„Hyperdrive“ von P.Kantner, G.Slick (Jefferson Starship) ...
........................
Gebrauchsanweisung:
Youtube oder was ihr wollt, zwei-drei clicks, Kopfhörer aufe Ohren, alle Regler stramm nach rechts und los geht‘s.
Ach, und hinterher nicht vergessen: Die Platten auch schön kaufen!
Die Leute haben sich ja nicht nur für das eine Stück den Arsch auf­gerissen.

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Heute ist mir mal wieder nix großartig Lachwertes eingefallen. Kein Witz in Sicht. Soll ja vorkommen bei fortgeschrittenen Parkis. Und künftig dann, so sagt man, wohl noch häufiger. Mit „Hab ich vergessen“ fängt der Tag an, mit „Muss ich googeln“ geht er lustig weiter. Doch bevor ich auf die Frage „Wie geht‘s?“ nur noch ant­worte „Na ja, das einzige, was wirklich gut läuft, ist die Nase!“, und jede notwenige Bewegung ne Extra-Einladung braucht …, ähm, was wollt' ich eigentlich sagen? Ach, ja:
Für den Fall temporären Verlustes der Pfiffigkeit, der Wortfindungs­dings und ähm Pfiffigkeit hab ich mir, pfiffig wie ich nu mal bin, vorgenom­men, dann auf Rubriken zurückzugreifen, die nicht ganz so viel Pfiffigkeit meinerseits voraussetzen. Die aktuelle Neuplat­zierung „Hallelujah“ hier im Tagebuch hat auch weniger was mit einer nicht ganz totzukrie­genden oder plötzlich sich wieder breit­machenden Pfaffen- und Missions­marotte zu tun (auch wenn am heutigen Tage der „Internationale Tag der geist­lichen Berufe“ … egal), sondern eher damit, mir und euch die Mög­lichkeit zu bieten, für ne halbe Stunde in Sphären einzutauchen, die man mit Witzen nicht so locker leicht erreichen kann. Um zum Beispiel, wenn es eng und enger wird, even­tuell die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, mit entsprechender Musi mal an die schönen, guten, alten Zeiten ...
Na, das dicke Ende kommt ja irgendwann dann so oder so und sowieso. Und früh genug.
Als kurzer Versuch einer Erklärung für die vermaledeite Situation, liebe Leser*#/§%&?“+++Innen, vielleicht n bisschen klobig, aber ehrlich gemeint.
beste Grüsse
euer W