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14.4.26
„Im Tal des Todes“
‚Bild‘ berichtet wie immer:
„Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (50) warnt in der ARD-Talkshow ‚Maischberger‘ eindringlich vor einer sich zuspitzen­den Wirtschafts- und Energiekrise. Deutschland steckt mittendrin im ‚Tal des Todes’.“
Ich hab mal ein wenig gegenrecherchiert:
Das ‚Tal des Todes‘, auch ‚Death Valley‘ genannt, gehört zu den heißesten und unwirtlichsten Orten der Erde. Da hat’s auch einen Nationalpark. Der Death-Valley-Nationalpark liegt in der Mojave-Wüste und ist der trockenste Nationalpark in den USA. Er liegt südöstlich der Sierra Nevada, zum größten Teil auf dem Gebiet Kaliforniens. Da gibt’s nur verschieden große Kakteen und so vertrocknete Grasbüschel, die der Wüstenwind manchmal durch die menschenleere Gegend bläst.... Man kann getrost davon ausgehen, dass unser sächsischer Sportsfreund noch nie auch nur eine Sekun­de lang im Tal des Todes zugebracht hat. Genauso wie Karl May. Aber der wusste wenigstens, wovon er fabulierte. *)
(Okay, gut, ich habe auch schon mal Sachsen als Tal des Todes bezeichnet. Hat sich bestimmt der eine oder andere Sachse drüber aufgeregt. Insofern hat sich's ja gelohnt. Egal.)
Was ich eigentlich sagen wollte, war: Bei dem Kretschmer muss man immer ganz genau hinhören und faktenchecken.
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*)
Übrigens:
„Karl May alias Old Shatterhand alias Kara Ben Nemsi war ein deutscher Schriftsteller und einer der produktivsten Autoren von Abenteuerromanen. Er ist einer der meistgelesenen Schriftsteller deutscher Sprache. Die weltweite Auflage seiner Werke wird auf 200 Millionen geschätzt, davon 100 Millionen in Deutschland.“ (aus Wikipedia)
Über Karl May ist in erster Linie bekannt, dass er sich das alles „nur ausgedacht“ hat. Der ist sein Lebtag auch nie aus Sachsen raus ge­kommen, ähnlich ging’s dem Königsberger Klopps Immanuel Kant. Was, wie man sehen wird, auch nicht immer unbedingt von Nachteil sein muss.
Des Weiteren ist bekannt, dass er bis zum glorreichen Abgang in die Ewigen Jagd- und Anschleichgründe seinem unüberschaubaren Fankreis weiß machen wollte, alle seine extrem hanebüchenen Ge­schichten genauso wie beschrieben selbst erlebt zu haben.
Dass Karl May aber trotz seines felsenfest implantierten Christen­tums ein lebenslanger, gnadenloser Antirassist war und keine Aus­einandersetzung gescheut hat, dass er als militanter Humanist, un­korrumpierbarer Menschenfreund und Leuchtturm der Aufklärung auf seinem schwarzen, edlen Rappen Hatatitla durch den Wilden Westen und den Nahen Osten ritt, ist wohl bei seinen Lesern irgendwie ver­schütt gegangen. Dass in Sachsen – und nicht nur da - die seiten­langen Predigten & hochmodernen Dialoge zum Thema Rassismus, Migration und Menschenverachtung null fruchtbaren Boden fanden, lässt einen nur noch frösteln. Mehr lässt sich dazu nicht mehr sagen.
Howgh, ich habe gesprochen.