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11.2.26
Munkel munkel um das Staatsoberhaupt
Man munkelt zurzeit in der Hauptstadt, dass Merkel Bundespräsiden­­tin werden will. Oder soll. Aber Merkel hat sofort abgemunkelt. Alles nur das übliche Gemunkel. Müsste man nix drum geben.
Aber wenn doch, jaaah, wenn aber doch ...,
dann wär ich da ja für jemand… also ich wär da ja für diesen … Dobrindt. Der passt gut in die aktuelle Landschaft von so einigen sog. sicheren Drittstaaten. Ausweisen geht ja nicht mit dem Ausweis, aber quer durchs tödliche Mittelmeer jagen, und zwar exakt in die andere Richtung, und dann irgendwo über der Wüste zusammen mit nem Fallschirm ab­werfen. Wie du mir, so ich dir. Auge um Auge. Dobrindt um Dobrindt. Um Gerechtigkeit, Dobrindt, komma eben in diesem Leben nich mehr drum rum. Auch wenn's lange dauert.
12.2.26
Weiberfastnacht.
Wenn Ihnen das was sagt.
13.2.26
The day after ...
… Weiberfastnacht.
14.2.26
In Ermangelung irgendwelcher Fakten
„Die Juden sind an allem Schuld, meinte einer.
Und die Radfahrerr … fügte ich hinzu.
Wieso die Radfahrer?, fragte er verdutzt.
Wieso die Juden?, fragte ich zurück.“
(möglicherweise von Tucholsky)
15.2.26
Merz ganz und gar in seinem Element of Crime
Der Bundeskanzler hat auf der Münchener Sicherheitskonferenz eine riesengroße Rede gehalten, für die er von allen hochgelobt wurde. Und voilà, die inhaltlichen Differenzen zu US-Außenheini Rubio waren am Ende praktisch nicht mal der Rede wert. Von dem mit irrem Engagement und Tamtam aufgeblasenen Oppositionsgenöle („Das ist mit mir nicht zu machen! Da können Sie sich, meine Damen und Herren, … drauf verlassen!") blieb nach der durchgelaberten Nacht nicht mehr viel übrig. In einem Punkt sind die Unterschiede zwischen Trump und Merz mittlerweile sogar ähnlich unmessbar geworden wie bei diesen homöopathischen Veräppelungspillen:
und zwar die Geschwindigkeit, mit der unsere cleveren Neo-Imperia­listen ihre Schnellschüsse wieder ad acta legen, nach Geschmack oder wat wieder ins Programm aufnehmen, danach aus Jux und Dollerei wieder rausschmeißen usw.etcetera.pp – pathologische Wiederho­lungstäter oder wie man das in der Fachsprache nennt.
Und in einem weiteren nicht unwichtigen Punkt sind die beiden Politwichtel mit sich identisch, um nicht zu sagen: identitär: in ihrer bemerkenswerten Asozialität.
Insofern wüsst ich auch gar nicht, was, warum und wiewowann sich unsere Weltordnung verändert hätte. Zumal unsere beiden Prota­gonisten mit dem Matthäus-Effekt eine gemeinsame christlich-brü­derliche Grundhaltung beanspruchen, die da bei Matthäus lautet:
„Denn wer da hat, dem wird gegeben, dass er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird auch das genommen, was er hat.“ (Mt 25,29)
 Oder mal eben kurz und salopp ausgedrückt:
„Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen“
Amen.
16.2.26
Zur Rosenmontagsdemo
Es war einmal 1988
In der Seelenbinder-Halle zu Berlin:
Blinder Passagier
Das Ziel unsrer Reise ist nicht weit von hier

37 Tage auf hoher See
Zwischen Jedermanns- und Niemandsland
Und ewigem Schnee
Wir ham genug zu essen
Genug Schnaps und Brot
Doch die Mannschaft ist müde
Und der Steuermann tot
Und niemand weiß genau
Wohin die Reise geht
Jeder weiß, dass alles in den Sternen steht
Doch Sterne leuchten schon seit Tagen nicht mehr
Nur der Käpt'n strahlt
Doch der Himmel bleibt leer

Blinder Passagier
Ich weiß, was ich weiß
Doch ich sag's nur dir
Blinder Passagier
Das Ziel uns'rer Reise ist nicht weit von hier

Das Ruder ist gebrochen und keiner weiß
Ob 'n Funker an Bord ist
Wie der Notruf heißt
War's nicht SDI oder CIA
Oder SAVE OUR MONEY
Oder USA
Ist jetzt alles zu früh
Oder alles zu spät
Und niemand weiß
Wohin der Wind uns weht
Bringt uns dieser Dampfer übern großen Teich
Oder saufen wir ab
Und sterben reich
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Blind
er Passagier
Ich weiß, was ich weiß
Doch ich sag's nur dir
Blinder Passagier
Das Ziel uns'rer Reise ist nicht weit von hier

Und backbord
Backbord is'n Riesenleck
Und der Obermaat weiß es
Doch es schert ihn 'n Dreck
Und niemand schreit: "Macht die Boote klar!"
Es ist ja nur eins für den Käpt'n da
Die Ratten
Die hatten einst alles im Griff
Doch die Ratten verlassen das sinkende Schiff
Und es dauert nicht mehr lang
Und es ist alles vorbei
Doch niemand denkt hier an Meuterei
Alles Lüge!

Blinder Passagier
Das Ziel unsrer Reise ist nicht weit von hier

37 Tage auf hoher See
Zwischen Jedermanns- und Niemandsland
Und ewigem Schnee
Wir ham genug zu essen
Genug Schnaps und Brot
Doch die Mannschaft ist müde
Und der Steuermann tot
Und niemand weiß genau
Wohin die Reise geht
Jeder weiß, dass alles in den Sternen steht
Doch Sterne leuchten schon seit Tagen nicht mehr
Nur der Käpt'n strahlt
Doch der Himmer bleibt leer
Blinder Passagier
Das Ziel uns'rer Reise ist nicht weit von hier
Nicht weit
Von hier
************ (Rio Reiser / Ton Steine Scherben) ***********
17.2.26
Gold, Gold, Gold!
Neulich schrie ein Sportreporter beim Renn­rodelwettbewerb im Eiskanal: „Gold! Gold! Goldmedaille! Gewonnen! Gold! Gold! Gold!“
Und gewonnen, ihr Sportsfreunde, gewonnen hieß in diesem Fall
25 Tausendstel Sekunden schneller als sein direkter Konkurrent und Silberme­daillenkomiker! 25 Tausendstel Sekunden!
Das war des Rodlers 5. Weltrekord in Sachen olympischen Sado­masochismus, und das hieß bei ihm sogar, dass er sich auch noch selbst 5 mal überholt hatte. Und weil man so einen herrlichen Sport wie manch anderes auch nicht ewig machen kann, mit Ausnahme von 'Schach', '17 und 4' und 'Mensch, ärger dich nicht' gibt’s am Ende einer so vorbildlichen, supererfolgreichen Eiskanalkarriere, dieser pausen­losen, lebenslan­gen Extremquälerei als Krönung die geschenkte Frühverrentung. Und alle jubeln, alle san’s happy und heiter geht’s so weiter.
Und wenn man dann in die Runde ruft: „Winston Churchill!“ oder etwas deutlicher „Sport ist Mord!“, gilt man als ewiger Spielverderber und Stinkstiefel und landet in zehntausendstel­sekundenschnelle im olympischen Shitstormkanal.
Da halt ich mich doch lieber zurück und murmel vor mich hin:
„Sich einfügen in die Gemeinschaft ist der Ersatz für gesittetes Benehmen.“ (W. Pohrt)

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Noch einmal zurück zur Münchener Sicherheitskonferenz, die heute zu Ende gegangen ist:
Erstaunlich immer wieder, wie wenig auch in andern Bereichen sich zwischen Maas und Memel pardon Rhein und Oder ändert. Das Gros der deutschen Kom­mentare zu Rubios Äußerungen lässt sich am besten ebenfalls mit einem Satz von Winston Churchill illustrieren, der vor langer, langer Zeit mal fest­gestellt hat:
„Man hat die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen.“
18.2.26
„Staub bist du, und zum Staub wirst du zurückkehren“ …
uswusf
So sagt's die Bibel, so steht’s - ein wenig ernüchternd - in unserm großen Buch der Bücher. Doch ist dies keine alternative Faktenhu­berei oder eine reine Angelegenheit des Glaubens, sondern schlicht und ergreifend für jeden, der noch ganz bei Trost ist, eine offensicht­liche Tatsache. Das hat auch die katholische Kirche bis heute noch nie ernsthaft in Zweifel gezogen.
Wie steht’s aber mit den handelsüblichen toten Ausnahmen, den verehrten Helden und Heiligen, von denen man sich so ungern trennen konnte? Nun, die, die mit Haut und Haaren in den Himmel aufgefahren waren, konnt man leider nicht mehr fragen. Die sind nun mal weg. Die kommen auch nicht wieder.
Jetzt gehört der römische Zirkus seit seiner Erfindung jedoch zu den fleißigsten Skelettsammlern weltweit, von wegen Staub zu Staub, sitzt somit auf unübersehbaren, aus allen Herrenländern zusammen­geklauten Knochenhaufen rum, den sog. Re­liquien, die meisten von denen mit inbrünstiger Akkuratesse fein säu­berlich in kostbaren Sarkophagen verewigt, den neugierigen Blicken seiner religiösen Fangemeinde entzogen.
Manch einer mag ja die Stirne runzeln und denken: Und wat soll der ganze Scheiß? Nun, das muss man sich so vorstellen:
In den letzten 20 Jahrhunderten hat sich herausgestellt, dass man durch gut organisiertes und geschicktes Anhäufen von Kochenhau­fen am Ende auch über einen dementsprechend echten Haufen Sonder-Kohle verfügen kann. Und weil beileibe nicht nur die Normal-Religiösen, sondern auch die Inter-, A- und Sonstwie-Abergläubi­schen glauben, dass sancta pecunia non olet, Klingelbeutelzaster nicht stinkt, erscheint im ‚Kölner Stadtanzeiger‘ heute am Ascher­mittwoch ein kostbarer, köstlicher Investigativ-Artikel mit der kurzen, unglaublichen Über­schrift:
„Assisi zeigt erstmals Gebeine des heiligen Franziskus -
Ausstellung zum 800. Todestag – 27500 Einwohner-Gemeinde in Mittelitalien erwartet Hunderttausende Besucher“.
(Und alles ohne auch nur ein einziges Anführungszeichen.)
Und so fällt es mir immer schwerer, einen triftigen Grund zu finden, meine liebe, teure, sauer verdiente Rentenasche für ein Blatt hinzu­blättern, das ...äh, verstehen Sie das, Herr Alfred Neven-DuMont?
19.2.26
Da dachte man, der Bonbon sei gelutscht …
… da geht der Quatsch wieder von vorne los. Zitat:
„Dass es Konsequenzen geben muss für Menschen, die unsere Kinder fressen, ist, glaube ich, jedem klar,“ erklärte dieser Tage zum wiederholten Male Meister Xavier Naidoo, unser steindoofer, erfolg­reichster „QAanon“-Verschwörungsfritze. *)
Dass so einer mit seinem Untergangs- und Erlösungsgequake es schafft, mehrmals hintereinander die Kölner Lanxess-Arena vollzu­jammern, ist nicht allein seinem unzweifelhaften musikalischen Talent anzulasten. Für die völkische Bejubelung apokalyptischer Verhältnis­se braucht es auch den geeigneten gesamtgesellschaftlichen Reso­nanzraum.
D.h., ob man will oder nicht, in solchen Fällen ist man Teil einer Be­wegung, gegen die man sich nicht mehr wehren kann. Die gesetzlich garantierte, große Freiheit ist demnach nur durch ihre Kehrseite prak­tizierbar, durch die rest-rast-& gnadenlose Verwertung von Mensch, Mann und Maus im Spätkapitalismus. Deswegen ist so was wie Xavier Naidoo in Russland und China auch gar nicht denkbar. Fürs erste zumindest.
Dem ‚Kölner Stadtanzeiger‘ nun vorzuwerfen, mit pseudokritischem Rumsalbadern die Karre simpel in den Dreck laufen zu lassen, macht zwar Spaß, würde aber auch nichts ändern. Die Kids woll’n nun mal Hits, und so ne Zeitung wie der ‚Kölner Stadtanzeiger‘ schießt sich ja auch nicht selbst ins Knie. Und die, die es angeht, die 'Jugend von heute', ist eh schon auf nem ganz an­dern Dampfer. Petri heil!

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*)
Dieses kurze Zitat muss für heute reichen. Das, was solche Leute ständig von sich geben, und Sie wahrscheinlich eh kennen, und
das dann noch lang & breit hier zu wiederholen, stimuliert nur meinen Brechreiz. Und wer will das schon. Außer X.Naidoo.
20.2.26
Um falleri, um fallera
Merz, der Mann mit ohne Eigenschaften:
„Ich möchte nicht, dass Deutschland über eine eigenständige atomare Bewaffnung nachdenkt.“
Das hört sich doch original nach dem nächsten Umfaller an, oder.
(Wobei mir völlig wurscht ist, ob der Typ umfällt oder nicht.)