Alle Tagebucheinträge im Archiv

1.10.21
Der letzte Bullshit der Woche
Der ehemalige Linke, ex-Baghwan-Jünger, passionierte Radfahrer und auch aus dem Fernsehen nicht wegzudenkende Professor Peter „Schlotterteig“ Sloterdijk, ein singulärer Labertitan und Quassel­tünnes, von dem man schon so manchen gequirrlten Gehirnquark vernehmen durfte, hat mit seiner aktuellen Bundestagswahlanalyse wohl den „geistigen“ (Endpunkt kann man noch nicht sagen) Gipfel seiner 74jährigen Irrfahrt erreicht. Im Jubelartikel von ‚focus.on­line‘ gibt er diese höchstpersönliche Notdurft zum Besten:
„Die liberale Sphäre ist der Sammelpunkt der jungen gesellschaft­lichen Intelligenz. Man hat das Glück, dass der Parteivorsitzende seit vielen Jahren als das größte politische Talent wahrgenommen werden kann, das Deutschland seit einem halben Jahrhundert her­vorgebracht hat.“
Na, das kann ja lustig werden. Mein Tipp: Die beiden Schießbuden­figuren zusammen auf der 'Phil.cologne' und dem Comedy-Festival. Das wär's doch. Und so wie man sich den Lindner vorzustellen hat, wird der sich die Schlotterteigsche Quacksalberei als Lob von höchster Güte an seine Hühnerbrust heften.
2.10.21
Herrliche Zeiten
Nachdem die Kryptokommunistin Angela Davis Merkel das große Werk in Gang gesetzt hatte, kommt nun der Chef der Jungen Union Tilman Kuban umme Ecke - und der heißt auch nicht umsonst Kuban – und gibt der Partei mit einem Satz den Rest:
„In der CDU darf jetzt kein Stein mehr auf dem anderen bleiben.“
Und die Rolling Stones sind wieder unterwegs.
Was soll man dazu sagen?
Forever Young. Und Dylan. Und Sympathy for the devil.
3.10.21
Es darf gelacht werden
Heute gibt‘s zweierlei Lustiges:
„Tag der deutschen Einheit“
und
„Tag der offenen Moschee“.
Und man rätselt jedes Jahr aufs Neue, äh wofür …?
4.10.21
Gute Nazi-News
‚Spiegel online‘ tickert:
„Dortmunder Neonazi ‚SS-Siggi‘ Siegfried Borchardt ist tot“
Is ja schön und gut. Aber wollt ihr jetzt wirklich jedem toten Neonazi hinterherkondulieren?
5.10.21
Es ist besser ...
Es ist besser, statt sich zum Voyeur der lächerlichen Metamorphose einer noch lächerlicheren künftigen Ampel-Regierung zu erniedrigen mitsamt der parallel laufenden schamlos abgewixten, christlich-demokratischen Abschlachtung von derem obersten Loser ...,
da ist es doch besser, zum nächsten, noch halbwegs gutsortierten Plattenladen zu pilgern, um sich dort mit der Doppel-CD „1970 live at the Carnegie Hall“ aus der Archives-Serie von Neil Young zu be­reichern.
23 Nummern von und mit Neil Young, „nur“ mit akkustischer Gitarre und ab & zu am Klavier, vor 51 Jahren und einem berauschten Pub­likum zelebriert, und keine Sekunde bis heute antiquiert oder sonst­wie durchgenudelt. Das volle Programm: wie immer engagiert, wie immer sentimental wie auch immer voll drauf + hin und wieder zu kleinen Scherzen aufgelegt. That‘s all.
Hey, hey, Rock'n'Roll can never die.
***
Und passend dazu vielleicht noch 2 Buchtipps gefällig?
„Die Jahre der wahren Empfindung
Die 70er – eine wilde Blütezeit der deutschen Literatur“
von Helmut Böttinger
und
„Koloniales Erbe in Museen“
von Anna Greve
(V.a. bei letzterem, kommt dir alles wieder hoch. Sehr produktiv.)
6.10.21
Vom Nutzen des rasenden Stillstands
Da ja zur Zeit offensichtlich nix los ist und alles wie im Tran vor sich hin­schlufft oder mit ner Monatspackung „Ich bin okay, du bist okay“ in der Murmel nur noch um sich selber dreht, hab ich mir erlaubt, mich der Bewegung für ein paar Tage anzuschließen. Kurzurlaub!
Allerdings möchte ich euch, liebe Leser***!§$%&/()=?***innen, nicht völlig schutz- und witzlos der grausamen Einsamkeit überlassen. Zwei Tipps zum Überleben noch, was sonst:
Ein schmuckes, schmales Büchlein, das die gesellschaftliche, globa­le etc. etc. Situation – wie ich meine – fein und ganz vorzüglich auf den Punkt bringt, treffsicher, geistreich, radikal und durchaus hu­morvoll und sich wegliest wie nix:
„Dunkle Materie – Die Geschichte der Scheisse“
von Florian Werner
und eine wunderbare Country-CD für den Abgang:
„Triage“
von Rodney Crowell
(Am 13. bin ich wieder da. Bis denne.)
13.10.21
Und wenn es selbst den allerletzten Menschen auf der Erde ...
… einen Schietdreck interessieren täte, der Kölner Stadtanzei­ger schröbe immer noch nach Herzensmördergrubenlust synodalische Kampf- und Aufklärerartikel gegen Rainer Maria Woelki! Heute z.B. auf Seite 1 den hier:
„Volle Bezüge in 'Auszeit'
Der Kölner Kardinal Rainer Woelki erhält während seiner Auszeit bis Anfang März 2022 die vollen Bezüge. Nach Angaben des Erzbis­tums wird der Erzbischof nach Besoldungsstufe B10 bezahlt, in der das Grundgehalt 13.771 Euro monatlich beträgt.“
Und diese 13.771 Penunzen kaspert sich der Erzbischof nicht eigen­händig sonntags aus den kölschen Klingelbeuteln. Nee, nee, all die schönen Penunzen kriegt er - wie ein stinknormaler Beamter - in Deutschland jeden Monat schlafwandlerisch vom Staat in seine Sou­tane geschustert. Selbst in seiner Auszeit.
Und in seiner Auszeit wollte Woelki, weil er ja nicht arbeiten darf – so hat er es jedenfalls seinen Schafen erzählt – was unerhört Hoch­interessantes ausprobie­ren. Da wollte er ein langes, intensives Ge­spräch mit Gott führen. Und da denke ich doch, das soll er auch ruhig machen. Denn schaden kann‘s ja nicht. Ich finde nur 13.771 Ocken, meine lieben Herren Onkel Otto und Gesangsverein, das ist doch ganz schön happig für n bisschen Quatschen mitm lieben Gott, oder?!
Was anderes wär es natürlich, wenn Woelki die ganze Kohle nicht kriegen, sondern berappen müsste! Aber da geht bei den Brüdern doch wohl eher ein Kamel durch ein Nadelöhr ...
14.10.21
Über die Mühen der Ebene
„Eine Kuh macht ‚Muh!‘ Viele Kühe machen Mühe!“ (Robert Gern­hardt)
Dass das Parlament und die Regierung kein Ponyhof ist, muss man mir nicht erzählen. Dass man überall v.a. Kompromisse machen muss, ebenso.
Nun zur Effffeddddepeeeh!
Normalerweise wäre hier für mich schon „Ende Gelände“. Weil ich aber heute einigermaßen gut drauf bin, will ich mal nicht so sein. Irgendwo heißt es bei Brechts „Mutter Courage“ - und im Wesent­lichen hatte Brecht immer Recht:
„Wer mit dem Teufel frühstücken will, braucht einen sehr langen Löffel.“
Jetzt hinken solche Vergleiche natürlich immer ein wenig. Und hier ganz besonders. Denn im Gegensatz zur Effffeddddepeeeh gibt es den Teufel gar nicht. Mehr hab ich dazu nicht zu sagen.
15.10.21
„Internationaler Hände-Wasch-Tag“
Hört sich so an, hat aber mit Corona nichts zu tun. Den hat sich die WHO ausgedacht und wurde zum 1. Mal am 15. Oktober 2008 be­gangen.
Und nicht, dass Sie denken, der „Internationale Hände-Wasch-Tag“ wäre auf dem „unschuldigen“ Mist des Vatikans entstanden. Da würde ein Tag ja gar nicht reichen.
16.10.21
Es ist vollbracht!
„Die Katastrophe ist, dass es immer so weiter geht.“
(Walter Benjamin)
So! Die Grenzen des Machbaren sind sondiert. Und nächste Woche werden die dann extra für den Ampelvertrag „behutsam, im gegen­seitigem Respekt, aus Liebe zu Deutschland und in der ganz neuen Art, miteinander umzugehen und zu kommunizieren“ noch mal wie gehabt um einiges enger gezogen.
Und wie wenig wirklich von diesem Sondierungspapier zu halten ist, nämlich absolut nix-nada-nothing, hat am klarsten und mit seltener Offenheit und Ehrlichkeit die Oberstinkdrüse der CDU Friedrich Merz wie folgt ausgedrückt:
„Sie haben, wie ich finde, ein beachtliches Papier vorgelegt. Das ist ein Anlass zum Respekt und zur kritischen Selbstüberprüfung: Das hätten wir auch haben können.“